Blogparade: Was ist in meiner Hundetasche?

Katrin von der Monstermeute hat uns zur Blogparade „What’s in my dog’s bag“ nominiert. Das freut uns sehr und ich lege gleich mal los.

Zunächst muss ich gestehen: Meine Hunde haben gar keine Tasche. Auf normalen Spaziergängen wird alles in Jacken- und Hosentaschen gestopft.  Das sind: Taschentücher in der rechten Tasche, Schlüssel, Leckerlie und Kotbeutel in der linken. Diese strikte Aufteilung ist notwendig, da ich es nicht ausstehen kann, wenn meine Taschentücher nach Huhn-und-Fisch-Kroketten in fluider Form riechen. Besonders im Sommer behalten die Leckerchen ihren Ursprungszustand in der Regel nicht bei.  Und das war es auch schon. Ich schleppe ungern unnötiges Zeugs durch die Gegend.

Für Wanderungen reicht das natürlich nicht. Dann kommt der Rucksack zum Einsatz. Er enthält ebenfalls Taschentücher und Kotbeutel, außerdem mein Handy, mein Portemonnaie, Bonbons, Wasser für die Hunde und mich, einen leichten Blechnapf, Proviant für uns alle, eine Ersatzleine, je nach Wetterlage zusätzliche Kleidung für mich, Verbandsmaterial, eine Zeckenzange, ein Taschenmesser, einen Kompass, ggf. eine Karte und eine Rettungsdecke. Damit sind wir hoffentlich für alles gerüstet.

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Standardausrüstung

Manchmal nehme ich noch den Futterbeutel mit, um unterwegs Suchspiele zu machen.  Oft benutze ich dafür aber auch etwas, das ich ohnehin dabeihabe und dann „verliere“, sodass die Hunde suchen dürfen. Meine Kamera ist ebenfalls häufig dabei, wird aber griffbereit am Gürtel befestigt.

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So, jetzt zum schwierigen Teil. Wer hat noch nicht teilgenommen und möchte über den Inhalt seiner Tasche berichten? Wie wäre es mit Bolle Bollito, wenn Sarah möchte?  Ansonsten freuen wir uns natürlich auch über andere Taschen, in die wir unsere Nasen stecken dürfen.

 

Die Physikerin und die Telepathie

Ich bin Physikerin. Wissenschaftlerin.  Also fast bald eine richtige. Verfechterin von Logik und Vernunft. Um es mal ein wenig dramatisch auszudrücken. Ich sehe nicht die gesamte Welt in Formeln und Mathematik. Aber wenn ich Formeln und Mathematik sehe, sehe ich die gesamte Welt. Und jetzt werden Sie mich auslachen. Ich kommuniziere nämlich in Gedanken mit meinen Hunden. Und das funktioniert hervorragend. Wenn Sie ein kritischer Mensch sind (was ja etwas Gutes ist), werden Sie mir möglicherweise nicht glauben. Bitte bewahren Sie sich Ihre Skepsis. Aber probieren Sie es aus.

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Ein Blick sagt mehr als Worte

Zuerst habe ich natürlich auch nichts davon gehalten. So ein Humbug. Esoterisches Geschwafel. Tierkommunikation, aha. Selbst wenn so etwas bei manchen Leuten funktionieren sollte, bei mir auf keinen Fall. Weil ich nämlich nicht daran glaube. Weil ich nicht willensstark bin. Nicht intuitiv begabt. Was man für so etwas halt alles sein müsste. Aber ich bin auch neugierig. Also ziemlich. Auch wenn ich mich deshalb auf Albernheiten einlassen muss. Daher wage ich einen Versuch.

Spaziergang. Meine Hunde laufen vor mir. Ich konzentriere mich. Schaue einen Hund an. Denke mit aller Kraft: „Bleib stehen!!!“ Er steht. Schaut mich überrascht an. Ich denke: „Es hat geklappt. Es hat wirklich geklappt! War das jetzt Zufall? Vielleicht sollte ich…“ Sein Blick wirkt jetzt irritiert. Eine Spur genervt? Er läuft weiter. In der nächsten Zeit probiere ich es immer mal wieder. Einmal bitte ich Kalle gedanklich, auf mich zu warten, weil er zu weit vorausgelaufen ist. Im nächsten Moment weiß ich, dass er bis zum nächsten Schatten weiterlaufen und erst dort warten möchte. Ich bin einverstanden, und er tut es. Manchmal funktioniert die gedankliche Kommunikation aber auch nicht. Die Regel scheint zu sein, dass ich mit höherer Wahrscheinlichkeit Erfolg habe, je weniger ich darüber nachdenke. Aber dann ist die Erfolgsquote signifikant höher, als es durch statistische Schwankungen möglich sein sollte. (Da ich nicht ständig mit Papier und Stift herumlaufen und Protokoll führen wollte, habe ich diese Statistik im Kopf erstellt. Da passieren leicht Fehler. Also nageln Sie mich bitte nicht auf diesem Ergebnis fest.)

Ich stelle fest, dass es schon vor Beginn dieses Experiments Gelegenheiten gab, in denen meine Hunde meine Gedanken zu lesen schienen. Und zwar immer dann, wenn wir zusammen einer Bedrohung von außen entgegenstehen. So chaotisch mein kleines Rudel auch manchmal ist, wenn es darauf ankommt, kann ich mich hundertprozentig auf die beiden verlassen. Einmal werden wir von einem anderen Hund angegriffen. Der Fremde stürzt sich auf meine Mia, wirft sie auf den Rücken und hackt wild knurrend mit den Zähnen auf ihre Kehle ein. (Zum Glück hat er sich nicht verbissen, das hätte sonst übel ausgehen können…). Die Kleine ist vor Schreck erstarrt. Ich packe den Angreifer mit beiden Händen am Nackenfell (ein Halsband gibt es nicht) und zerre ihn von ihr weg. Das Knurren hört auf. Der Blick des Hundes trifft meinen. Hart, stechend und eiskalt. Ich denke, jetzt könnte ich dringend Hilfe gebrauchen. Mit dramatischem Knurren wirft Kalle sich zwischen uns. (Er war geflohen, als er den Fremden auf uns zurennen sah. Als wir nicht nachkamen, muss er zurückgekommen sein.) Fast höre ich die Fanfaren im Hintergrund, als der Held den Angreifer in die Flucht schlägt. Ich bin beeindruckt von so viel Entschlossenheit in dem kleinen Kerl. Als der Fremde davonrennt, setzt Kalle ihm nach. „Lass ihn gehen, ich bin froh, wenn er weg ist“, denke ich. Kalle macht auf dem Absatz kehrt und kommt zu mir zurück. Dass er sich die Gelegenheit, etwas zu hetzen (egal ob es ein Beutetier, ein anderer Hund oder ein sich bewegender Gegenstand ist), entgehen lässt, ist alles andere als üblich.

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Dieses Bild steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Text…

An einem anderen Tag kommt ein grollender Herdenschutzhund auf uns zugewalzt. Da ich eine gewaltsame Auseinandersetzung natürlich in jedem Fall vermeiden möchte, halte ich meinen Bodyguard Kalle zurück. Und bitte in Gedanken meine Diplomatin Mia, sich darum zu kümmern. Sie stellt sich vor uns und schaut den Entgegenkommenden mit hochgezogenen Lefzen an. Der wird tatsächlich langsamer und beginnt am Boden zu schnüffeln. Sie geht auf ihn zu und die beiden nehmen vorsichtig Kontakt auf. Offenbar wird dem Herdenschutzhund klar, dass wir keine Bedrohung darstellen. Also wendet er sich ab und lässt uns vorbeigehen.

In diesen wie auch in vielen anderen Fällen scheinen die Hunde zu wissen, was ich von ihnen möchte. Ohne dass ich es ihnen bewusst durch Laute oder Gesten mitteilen muss. Seit meinem Experiment nutze ich das auch im Alltag. Um mitzuteilen, dass meine Hunde auf mich warten sollen. Zu mir kommen sollen. Leider zu Hause bleiben müssen, aber ich komme bald wieder. (Sobald ich das denke, drehen sich meine erwartungsvoll im Flur stehenden Hunde um und gehen schlafen.) Und, ganz wichtig, ich „höre“ auf die Anwort der Hunde und kann so viel besser Rücksicht auf ihre Meinungen und Wünsche nehmen. Dadurch sind sie entgegenkommender. Wenn ich trotzdem etwas von ihnen verlange, das sie nicht möchten, wissen sie, dass es wichtig ist.

Ich bin sicher, dass es eine wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen gibt. Nicht weil die Wissenschaft universell wäre. Sondern weil sie sich der Wirklichkeit anpasst. Egal wie seltsam die Wirklichkeit auch sein mag. Wie genau diese Gedankenübertragung funktioniert, kann ich nicht sagen. Die wahrscheinlichste Erklärung ist meiner Meinung nach eine Mischung aus unbewusst abgegebenen und wahrgenommen visuellen Signalen, geruchlicher Wahrnehmung und Intuition, die auf Erfahrung beruht. Wie meine Hunde das aber wahrnehmen, wenn sie beispielsweise zehn Meter vor mir laufen und geradeaus schauen, kann ich nicht sagen. Vielleicht ist da „mehr“. Vielleicht auch nicht. Was ich allerdings nicht glaube, ist, dass irgendwelche Tierkommunikatoren nur durch ein Foto Kontakt zu weit entfernten Tieren aufnehmen können. Halte ich für unmöglich. (Andererseits hielt Einstein die Quantenmechanik für unmöglich – aber siehe da…) Sie brauchen aber auch keine Tierkommunikatoren. Weil Sie selbst mit Ihrem Hund in Gedanken sprechen können. Ich bin mir sicher. Versuchen Sie es einfach.

Heimatorte

Andrea von Anwolf hat zur Blogparade mit dem Thema „Heimatorte“ aufgerufen. Da mache ich gerne mit! Dabei habe ich beschlossen, den Begriff „Ort“ recht weit aufzufassen. Für diesen Artikel sei der Begriff „Heimatort“ als ein Raum (physisch, geistig, seelisch, abstrakt, mathematisch(?),…) definiert, der in mir ein Gefühl von Verbundenheit, Vertrautheit, Geborgenheit und Wärme auslöst.

Meine physische Heimat liegt in der Nähe von Frankfurt am Main, außerhalb des Stadtgebiets. Die Landschaft ist gewöhnlich, unspektakulär und wunderschön. Wenn ich an Heimat denke, dann denke ich an Streuobstwiesen. Der süße Geruch nach Apfelblüten, der im Laufe des Jahres in den sauren, grünen Duft der noch unreifen Äpfel übergeht, dann immer voller und reifer, schließlich matschig und vergoren wird, ehe er im Winter einfriert. An Kalle gelehnt im Graß sitzen und atmen. Die Kaninchenspuren im Tau verfolgen. Im Herbst Äpfel und Zwetschgen und Brombeeren direkt vom Baum oder Strauch essen. Wissen, wo der beste Ort ist, um morgens Rehe zu beobachten. Wo die Vögel nisten, Wespen jagen und Bienen trinken. Wo man ungestört ist und spürt, dass man auf diese Welt gehört, genau hier hin.

Meine Mutter besitzt eine kleine Wohnung in den Allgäuer Alpen. Dort habe ich die meisten Urlaube meiner Kindheit verbracht. Auch dieser Ort ist für mich zur Heimat geworden. Der Geruch nach Klarheit, Kälte und Kuh, nach Wasser und Heu. Die Linie der Berge, die man vom Balkon aus sieht. Das Rauschen des Bachs neben dem Haus. Wandern und zurückkehren. Jedes Jahr hat sich etwas verändert. Und doch ist alles vertraut.

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Auch hier gehören wir hin

Und ich habe noch an vielen weiteren Orten Heimat gefunden: In Mittelerde und Westeros, in Hogwarts, in Zamonien und Glennkill. Im Vatikan des neunten Jahrhunderts, in der Dubliner Mordkomission, in Osten Ard. In Monsea und in der Baker Street in London. Meine Bücher sind meine Vertrauten und Tröster, voller Erinnerungen an gemeinsame Zeit. Jedes ein kleines, nicht-bellendes Stück Heimat für unterwegs, eine Tür nach Hause in eine andere Welt.

Falls das schon seltsam ist, so wird es jetzt noch merkwürdiger. Denn ich fühle mich auch im Hilbertraum heimisch, im Minkowskiraum und im Fockraum. Wo Vektoren und Spinoren leben und man sich vor Vernichtungsoperatoren in Acht nehmen muss. Wo seltsame und wundervolle Dinge geschehen. Die Physik wird mir immer vertrauter, ich bewege mich zwischen Gleichungen wie zwischen den Bäumen in meinem Lieblingswald.

Während ich das hier schreibe, wird mir bewusst, dass auch die Uni bereits ein bisschen zu meiner Heimat geworden ist. Ich liebe die Atmosphäre des Lernes, die Versprechung von neuen Erkenntnissen, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen. Wenn ich zu Semesterbeginn an die Uni zurückkehre, stellt sich auch hier dieses Gefühl des Nach-Hause-Kommens ein.

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Hund+Physik+Sofa+Rentiersocken=Heimat

Das Wichtigste zum Schluss. Meine Heimat sind meine Hunde. Die flauschigen Stellen hinter den Ohren, das lange, dichte Fell am Hals, die Seidenhaare an den Bäuchlein. Die nassen, kalten Schnauzen und warmen, trockenen Pfoten. Der gemütliche Duft, der mit der am Bauch erwärmten Luft aufsteigt, wenn ein Hund sich neben mir auf den Rücken dreht. Das alles erfüllt mich Wärme und der erstaunlichen Gewissheit, dass wir zusammen gehören. Wenn wir zeitweilig getrennt waren, haben Kalle und ich ein Begrüßungsritual. Er drückt seine Stirn an meinen Bauch, ich lege meinen Kopf an seine Schulter. So verharren wir und atmen die Gegenwart des anderen tief in uns ein. Dann bin ich zu Hause.

Jagd

Vor uns liegt eine Wiese. Das Gras ist frisch gemäht. Ausgelassenheit, Weite, frage ich Frauchen. Wachsamkeit. Wir sehen uns um. Weit und breit niemand zu sehen. Entspannung, signalisiert Frauchen. Entspannung, stimme ich zu. Erlaubnis, Freude, Spiel. Ich renne los. Frauchen hinterher. Mia beginnt nach Mäusen zu suchen. Ich bin ein Beutetier, erstarrt, als ich die heranschleichende Jägerin bemerke. Sie kommt näher. Ich fliehe. Schnell, schneller, ich bin das das schnellste Wesen dieser Erde. Niemand holt mich ein, niemand hält mit mir mit. Und jetzt bin ich der Jäger. Meine Beute steht still, sie wittert meine Nähe. Ich schleiche näher. Ein winziges Zucken verrät mir den Moment, in dem sie losrennt. Sie versucht zu entkommen, doch ich bin schneller. Als sie merkt, dass es kein Entkommen gibt, fährt sie herum. Ein wildes Knurren entfährt mir. Ich reiße mein Maul weit auf, meine Zähne blitzen furchteinflößend. Wir fixieren uns, während ich ihr entgegenrenne. Dann habe ich sie erreicht, schlage meine Zähne in ihren Arm. Nein, im letzten Moment weicht sie aus und entkommt. (Natürlich nur, weil ich es zulasse. So unglaublich langsam, wie Frauchen ist.) Dann bin ich wieder ein Beutetier. Ich renne, renne, ren – da sehe ich eine Bewegung. Ich tauche aus unserem Spiel auf. Federvieh. Möglicherweise sogar Agenten der C-Ei-A.[1] Die müssen augenblicklich eliminiert werden. Voller Tatendrang renne ich auf sie zu. Hat da jemand gerufen? Ich blende es aus, denn ich habe eine Mission. Wie die flattern, wenn ich sie scheuche! Eine Hand packt mich am Geschirr. Frauchen. (War ausnahmsweise mal schnell. Schnauft dadurch ziemlich ungesund.) Ärger!!! Ich lasse mich auf den Rücken fallen. Das funktioniert immer, um einem Anschiss zu entgehen.[2] Wir schauen uns an. Wütendes Blau in unschuldigem Braun. Das Braun bringt das Blau zum Schmelzen. Ich rolle ein wenig hin und her. Strample ein bisschen mit den Pfoten. Frauchen verdreht die Augen. Auf meinem Gesicht breitet sich ein Grinsen aus. Frauchen grinst zurück. Ich springe auf und renne eine Runde. Mein Blick fällt auf das Federvieh. „KALLE!“ Schon gut. Ich laufe hinter Frauchen her. Sie hat ja recht. Was interessiert uns die C-Ei-A? Wir haben eine wichtigere Mission.

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Dieses Foto ist nicht etwa verschwommen, weil Frauchen nicht fotografieren kann. Sondern weil ich so unfassbar schnell bin!

Ein anderer Ort, eine andere Zeit. Geheimgang durch den Wald. Die Anderen kennen diesen Pfad nicht. Oder sie wollen ihn nicht benutzen. Überall Dornen und Gestrüpp. Und Kletten! Ich hasse diese Dinger. (Ihre Gefährlichkeit wird gemeinhin unterschätzt. Sogar Frauchen nimmt sie nicht ernst. Sie lacht immer, wenn ich darauf bestehe, dass sie mich gründlich von allen befreit. Und sie schnüffelnd danach absuche, um jede einzelne Klette mit den Zähnen aus ihrem Kunstfell zu ziehen.) Wir sind unterwegs zu einem geheimen Ort. Mia läuft vorneweg und sucht den einfachsten Weg. Frauchen in der Mitte, ich sichere uns von hinten. Jetzt erstarrt Mia und hebt die Pfote. Sie hat Beute gewittert. Wir erstarren ebenfalls. Das Brechen von dünnen Ästen, Zweige schlagen gegen Fell. Der Geruch schlägt uns entgegen: Wild und leicht und köstlich. Ein Rudel Rehe bricht durch die Büsche und rennt an uns vorbei. Frauchen hält uns noch zurück. Jetzt. Sie rennt voran. Wir anderen hinterher. (Sind die Rehe nicht in die andere Richtung…? Nein, Frauchen muss es wissen.) Wir sind schneller als Frauchen, überholen sie, jagen mit den Nasen auf der Spur dahin. Irgendetwas kommt mir seltsam vor, aber ich komme nicht darauf, was es ist. Es hat etwas mit Zeit… Meine Gedanken werden von Futter unterbrochen, das vor mich fliegt. Begeistert sauge ich es ein. Gibt es noch mehr davon? Frauchen ruft, ich sause zu ihr. Futter fliegt. Hinterhersprinten, einsaugen. Zurück zu Frauchen. Und nochmal. Das letzte Stück Futter bekommen wir aus der Hand. Allgemeine Freude. Gegenseitiges Beschnüffeln, Lecken und Streicheln. Eine rundum erfolgreiche Jagd. Obwohl ich das Gefühl nicht loswerde, dass ich irgendetwas vergessen habe…

[1] Eine Organisation, die den Markt für Tierprodukte kontrolliert und einen Dauerkrieg gegen die Schafia führt. Und wer leidet darunter? Die Kühe!

[2] Besonders kann ich diese Taktik auch empfehlen, wenn man verbotenerweise an duftenden Hinterlassenschaften geleckt hat. So besteht die Gelegenheit, sich unauffällig etwas davon ins Fell zu reiben…

Von der Friedfertigkeit der knurrenden Hunde

Was ich hätte sagen können

„Passen Sie auf, der Hund da vorne ist aggresiv!“ Die Stimme der Dame neben mir hat einen verschwörerischen Unterton. Sie weist auf einen schwarzen Mischlingshund, der ein Stück entfernt angeleint ruhig neben seinem Frauchen herläuft.  Seine Körperhaltung ist unsicher und er schaut immer wieder zum anderen Leinenende auf. „Der hat meinen vorhin angeknurrt!“ Gerechte Empörung schwingt in diesen Worten mit. In diesem Moment prescht ihr freilaufender Labrador in uns hinein. Woraufhin Kalle – genau – knurrt. Das Gespräch findet ein vorzeitiges Ende.

Leider war ich in diesem Moment sprachlos. Leider war das keine Ausnahme. Irgendwie geht mir das ständig so. Nachfolgend eine Sammlung von Aussagen über knurrende Hunde, die ich schon mehrfach gehört habe. Und was ich darauf hätte sagen können.

„Ein Hund, der knurrt, ist aggressiv.“

Paula und Lukas sind Schulkinder. Paula ist hübsch, aber unsicher und ein wenig ängstlich. Lukas ist eben ein Junge in einem gewissen Alter, in dem er glaubt, sich ständig beweisen zu müssen. Auf dem Pausenhof kommt es zu folgender Situation: Paula sitzt alleine auf einer Bank. Sie fühlt sich heute nicht so wohl und die anderen Kinder sind ihr momentan zu laut und anstrengend. Lukas und seine Freunde kommen an der Bank vorbei. Lukas grinst Paula an. Sie weicht seinem Blick aus und schaut in ein Buch, das sie auf dem Schoß hält. Trotzdem geht er zu ihr und setzt sich neben sie: „Hey, was läuft bei dir?“ „Nichts…“, murmelt sie. Sie müsse jetzt hineingehen. Aber natürlich kann Lukas nicht hinnehmen, dass Paula ihn zurückweist. Seine Freunde sehen ja zu. Also hält er sie Handgelenk fest und beginnt auf sie einzureden. Paula versucht sich loszumachen, aber Lukas ignoriert sie. Er wollte ja nur freundlich sein, da muss sie ihn jetzt nicht so behandeln. Dann hat Paula genug. „Jetzt lass mich los, du Blödmann!“ Sie tritt nach seinem Bein. Da greift der aufsichtsführende Lehrer, der die ganze Zeit zugeschaut hat, ein und trennt die Kinder, entsetzt über Paulas Verhalten. Nach Schulschluss telefoniert er mit Paulas Eltern und berichtet ihnen von dem Aggressionsproblem ihrer Tochter. Er gib ihnen zu verstehen, dass sie Paula ja überhaupt nicht im Griff hätten. In der Erziehung müsse ja einiges falschgelaufen, überhaupt hätten sie als Eltern in ganzer Linie versagt.

Kommt Ihnen das Verhalten des Lehrers merkwürdig vor? Würden sie seiner Interpretation von Paulas Verhalten zustimmen?

Jetzt sind Paula und Lukas Hunde auf der Hundewiese. Paula liegt etwas abseits der spielenden Hunde im Gras. Jungrüde Lukas sieht sie an und wedelt begeistert. Sie weicht seinem Blick aus und schnuppert an einem Grashalm. Trotzdem kommt er auf sie zugesprungen und beschnüffelt sie. Paula steht auf, schüttelt sich und möchte weggehen. Doch Lukas verperrt ihr den Weg und fordert sie zum Spielen auf. Erfolglos versucht sie, der Situation zu entkommen. Lukas bleibt hartnäckig und lässt sie nicht gehen. Dann hat Paula genug. Sie knurrt Lukas an und schnappt nach seiner Seite.

Unterscheidet sich die zweite Paula so sehr von der ersten?[1]

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Knurren ist normale Kommunikation

„Ein Hund, der knurrt, ist dominant.“

Erstmal ist Dominanz ein situativer Begriff. Ein Lebewesen kann sich in einer bestimmten Situation dominant gegenüber einem anderen verhalten. Nämlich genau dann, wenn es gegenüber dem anderen seinen Willen durchsetzt. Beispiel: Kalle steht am Fenster und kläfft ein Eichhörnchen an. Das macht ihm Spaß, deshalb will er natürlich weitermachen. Ich hingegen möchte, dass er damit aufhört. Es nervt nämlich ziemlich. Deshalb schicke ich ihn auf seinen Platz. Er sieht mich finster an, gehorcht aber. Auf dem ganzen Weg vom Fenster zu seinem Korb und auch noch eine Weile danach sieht er mich an und knurrt vor sich hin. (In solchen Situationen bin ich froh, dass er nicht sprechen kann. Ich möchte nicht wissen, mit welchen Schimpfwörtern er mich bedenkt.) War er deshalb in dieser Situation dominant?

„Mein Hund hat mich nicht anzuknurren.“

Ich bin frustriert. Schon seit mehreren Stunden sitzte ich an dieser Matheaufgabe und bin noch keinen Schritt weitergekommen. Mittlerweile habe ich starke Kopfschmerzen und meine Nerven liegen blank. Und ständig bellt dieser Hund. Die Nachbarn streichen die Fassade, deshalb taucht andauernd jemand auf dem aufgestellten Gerüst auf. Jedes Mal explodiert Kalle in ohrenbetäubendem Gebell. Jetzt schon wieder. „HALT VERDAMMT NOCH MAL DEIN SCH***- MAUL!!!“, schreie ich ihn an, während ich wütend auf ihn zugehe. Er fährt herum und schießt knurrend auf mich zu. Schnappt nach meiner Hand. Ich bin erschrocken. Betroffen von meinem Verhalten. Alle Wut ist weg. Ich kniee mich hin und flüstere eine Entschuldigung. Kalle leckt meine Hand. Die andere Hand und das Kinn auch, wo er doch gerade schon dabei ist. Ich lasse Mathe Mathe sein und lege mich mit ihm auf den Boden. Beim Beschmust-Werden entspannt sich Kalle und vergisst endlich die Nachbarn.

Er hatte jedes Recht mich anzuknurren. Weil ich mich nämlich unmöglich benommen habe. Ich bin froh, dass er mir das unmissverständlich gesagt hat. Umgekehrt mache ich es ja genauso. Nur dadurch können wir uns sofort wieder versöhnen.

„Einem knurrenden Hund muss man zeigen, wer der Chef ist.“

Wer sagen muss: „Ich bin der Chef!“, ist nicht der Chef.[2] Wer sich von einem Knurren ängstigen oder provozieren lässt, ist sich seiner Position nicht sicher. Ist weder kompetent noch souverän. Wer wirklich der „Chef“ (im Sinne einer kompetenten, souveränen Führungsperson) ist, muss seinen Status nicht extra betonen, um anerkannt zu werden. Kann eigene Fehler zugeben, ohne um seine Position fürchten zu müssen. Und versucht sie ganz sicher nicht Drohungen und Gewalt zu erhalten. Weil er (oder sie) das nicht nötig hat.

„Ein Hund, der Kinder anknurrt, ist gefährlich.“

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ein äußerst gefährlicher Hund

Mia ist die Gefährtin meiner Kindheit. Schon seit über der Hälfte meines Lebens meine Freundin und Begleiterin. Wir haben zusammen gespielt: Meine Hände steckten in dünnen Handschuhen. Ich bewegte sie durch das Laub und tat, als ob es Mäuse wären. Mia sprang darauf, hielt sie erst mit den Pfoten und dann mit den Zähnen fest. Versuchte mir die Handschuhe von den Fingern zu ziehen, während ich dagegenhielt. Diese Spiele verliefen teilweise recht wild. Aber sie hat mich dabei nie verletzt. (Allerdings wunderten sich meine Eltern, warum meine Handschuhe ständig kaputt waren…) Einmal waren wir zu zweit im Wald unterwegs und in ein Spiel vertieft. Plötzlich das Gefühl, das mich jemand ansah. Ich blickte auf und traf den Blick eines fremden Mannes. Aus irgendeinem Grund war er mir unheimlich. Ein Gefühl der Angst durchströmte mich. Sofort hatte Mia ihren Stock vergessen und stellte sich vor mich, während sie den Fremden anbellte. Er ging weiter. Wahrscheinlich wäre ich überhaupt nicht in Gefahr gewesen. Trotzdem war ich ihr sehr dankbar. Jede meiner Ideen hat sie mitgemacht. Auch die weniger guten. Wenn ich so etwas mit meinem Kaninchen versucht hätte, hätte es mich gebissen. Und unsere Katze hätte Hackfleisch aus mir gemacht. (Dank dieser Katze konnte ich früh die Erfahrung machen, dass Tiere kein Spielzeug sind. Dass sie das Recht haben, nicht von kleinen Patschehändchen angefasst werden zu wollen.) Meine Mia war für mich schon viel, aber niemals gefährlich. Für andere natürlich auch nicht. Selbst die Kaninchen sind bei ihr gut aufgehoben.

Weihnachten vor einigen Jahren. Die ganze Familie (mein Großvater, seine vier Kinder, deren Partner und Kinder, letztere teilweise wiederum mit Partnern und Kindern, meine Mia) sitzt an einem Tisch. Bis auf die kleine Tochter meiner Cousine und Mia, die sitzen unter dem Tisch. Mia darf nicht auf einem Stuhl sitzen. Die Kleine möchte nicht. Sie ist begeistert von dem Wau-Wau. Einige Zeit lässt der sich ihr Streicheln und am-Fell-Herumzupfen gefallen. Als sie jedoch an den Ohren zupft, sieht Mia das Mädchen streng an, hebt nachdrücklich die Lefze und knurrt leise. Ohne Aggression, nur ein deutliches „Nein.“ Da wir das Ganze natürlich beobachtet haben, können wir die Kleine wegholen und mit etwas anderem beschäftigen. Das Knurren hat eine Konfliktsituation im Ansatz aufgelöst. Ein unsicherer Hund hätte vielleicht stattdessen beschwichtigt. Auch dann hätten wir die Situation natürlich aufgelöst. Doch Beschwichtigungssignale werden leider von vielen übersehen. Knurren ist viel deutlicher. Knurrende Hunde sind im Allgemeinen nicht gefährlich. Gefährlich sind die Hunde, die „ohne Vorwarnung“ zubeißen, weil man ihnen das Warnen durch Strafe abgewöhnt hat und die Beschwichtigungssignale übersieht

[1] Die Kinder Paula und Lukas sind frei erfunden. Bei den Hunden wurden die Namen geändert.

[2] Frei nach George R. Martin

Monatspfoto April

Da ich die Monatspfotos immer total toll finde, mache ich diesen Monat auch mal mit. Obwohl ich gerade erst mit dem Bloggen angefangen habe und meine Fotos nicht allzu professionell sind…

Anja von dunkelbunterhund hat diesen Monat das Motto „Frühlingsfrische“ ausgewählt. Wie erleben wir also das Frühlingsfeeling?

Auf jeden Fall auf Wanderungen. Das warme, trockene Wetter in den letzten Wochen war dafür natürlich ideal.

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Sogar die Badesaison wurde von meinen Hunden schon eingeleitet.

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Auch ein sicheres Zeichen von Frühling: die vielen Kaulquappen.

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Und Frühling bedeutet Blumen.

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Mitten darin liegen und sich den Frühlingswind um die Nase wehen lassen. Einfach mal nichts tun.

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Monatspfoto!

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Gib Laut

Wir sind ja große Spielkinder, meine Hunde und ich. Wir lieben es Quatsch zu machen, ich denke mir mir gerne Neues aus und die beiden Hunde lieben Kekse! Daher perfekt für uns: Trickdogging. In der Kategorie „Trickdog“ finden Sie Schritt-für-Schritt-Anleitungen für meine Lieblingstricks. Auf diese Art habe ich meinen Hunden diese Kunststückchen erfolgreich beigebracht. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen anderen genau so auch funktioniert. Ein bisschen eigene Kreativität ist also von Vorteil…

Im Folgenden meine ich mit „Bestätigen“ immer das Belohnen mit einem Markersignal und darauf folgendem Leckerchen. Wenn Sie schnell genug mit der Belohnung sind, geht es natürlich auch ohne Markersignal. Ich persönlich finde es allerdings mit Klicker einfacher. Beim Trickdogging ist entscheidend, dass der Hund Erfolg hat. Gehen Sie daher immer erst zum nächsten Schritt über, wenn der vorangegangene gut klappt und vom Hund gerne ausgeführt wird. Natürlich kann ein Trick nicht in einer einzigen Übungseinheit erlernt werden. Diese sollte maximal fünf bis zehn Minuten dauern, je nach Konzentrationsfähigkeit des Hundes. In der nächsten Übungseinheit empfiehlt es sich, zunächst einen Schritt vor demjenigen, zu dem man beim letzten Mal gekommen war, zu beginnen.

Den Anfang macht:

Gib Laut

Ein Klassiker. Allerdings habe ich lange darüber nachgedacht, wie ich das Bellen am besten auslöse. Allgemein wird immer empfohlen, den Hund so lange durch Vorenthalten eines Spielzeugs oder Leckerbissens zu „ärgern“, bis er fordernd oder aus Frust bellt. Na toll. Genau das, was ich meinen Hunden beibringen möchte: Verliere die Nerven, werde ungeduldig und schnauze los, dann bekommst du, was du willst. Eine andere Möglichkeit musste her. Wann also bellt ein Hund? Wenn es klingelt, wenn jemand am Zaun vorbeigeht. Auch das möchte ich nicht belohnen. Wenn ein anderer Hund bellt. Genau!

  1. Wenn Sie Wert auf die Meinung der Nachbarn legen, vergewissern Sie sich, dass alle Fenster geschlossen sind.
  2. Halten Sie Futter und Klicker bereit, rufen Sie fröhlich Ihren Hund und belohnen Sie ihn, wenn er da ist.
  3. Jetzt bellen Sie. Es sollte ein ruhiges, informatives Bellen sein. Hohl, dunkel, in regelmäßigen Abständen: „Whoh. Whoh. Whoh.“ (Keinesfalls ein schrilles Alarmbellen! Ihr Hund muss nicht glauben, dass eine Invasion bevorsteht…) Bestätigung für jedes Interesse, das ihr Hund zeigt (Ohren aufstellen, sich umsehen, etc.). Sollte der Hund beschwichtigen, versuchen Sie ihn durch wegdrehen, Blick abwenden und Reduzierung der Lautstärke zu beruhigen.[1]
  4. Im nächsten Schritt bestätigen Sie jede Reaktion auf Ihr Bellen, die der „Vorläufer“ eines eigenen Bellens sein kann. Das ist zum Beispiel schnelleres, stoßweise erfolgendes Atmen, Blähen der Lefzen und Ähnliches.
  5. Bestätigung jedes Geräuschs, das der Hund erzeugt. (Durch die Schnauze, versteht sich.)
  6. Bestätigen Sie nur noch die Geräusche, die einem Bellen ähneln. Je näher Sie dem gewünschten Bellen kommen, desto häufiger ignorieren Sie die Geräusche, die diesem weniger ähneln. So lange, bis Sie beim „richtigen“ Bellen angekommen sind.
  7. Sobald der Hund zuverlässig bellt, sobald Sie bellen, können Sie ein Sicht- und/oder Hörzeichen einführen. Geben Sie erst das von Ihnen gewählte Signal, dann bellen Sie. Irgendwann wird Ihr Hund schon auf das erste Signal hin bellen. Dann haben Sie es geschafft.

 

[1] Bei sehr sensiblen bzw. ängstlichen Hunden, die trotzdem noch gestresst wirken, würde ich auf diesen Trick komplett verzichten.