Das Superfrauchen

Mara von Aram und Abra hat zu einer Blogparade aufgerufen und sich ein ganz tolles Thema ausgedacht: Superfrauchen. Natürlich habe ich eines. Meine Klientin ist das superste Superfrauchen, das ich mir vorstellen kann. Warum? Sie hat zahlreiche Superkräfte:

Supergefahrenabwehr

Sie rettet die Welt. Meine Welt. Und das ist schließlich die wichtigste Welt überhaupt. Ihr kennt das ja. Das Leben ist voller Gefahren. Sie lauern überall und wenn ihr nicht aufpasst, springen sie plötzlich hinter einem Busch hervor und fressen euch mit Haut und Haar. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, meine Klientin auf jede mögliche Gefahr aufmerksam zu machen. Menschen, Hunde, Fahrräder, Autos, Mülltonnen, Pferde, Fliegen, Schafe, Hubschrauber, Kinderwagen, Rasenmäher, Windstöße – alles potentiell lebensbedrohlich. Meine Klientin weiß immer, was zu tun ist. Sie kommentiert alles, was ich ihr mitteile, und hat immer eine Lösung. Mutig stellt sie sich vor mich, wenn sich ein Ungetüm nähert. Ich versuche dann, mich wiederum vor sie zu stellen. Schließlich kann ich nicht zulassen, dass sie für mich ihr Leben riskiert. Doch sie bleibt hartnäckig. Sie ist wirklich furchtlos.

Superstrukturgebung

Chaos ist eine Manifestation des Bösen. Die Anderern bringen es in unsere Welt, um sie schlussendlich zu zerstören. Dem können und müssen wir entgegenwirken, indem wir Ordnung und Struktur in unseren Alltag bringen. Es ist enorm wichtig, Dinge genau so zu tun, wie man sie immer tut. Es gibt Zeiten zum Spazierengehen, zum Spielen, zum Fressen, zum Schmusen, zum Trainieren. An diese Zeiten muss man sich halten. Meine Klientin weiß das. Spaziergänge im Dunkeln müssen immer auf dem gleichen Weg stattfinden. Es gibt Wiesen, auf denen man immer spielen muss, wenn man vorbeikommt. Auf anderen Wiesen darf man dagegen nie spielen. An bestimmten Stellen muss man Pause machen. Es gibt so viel zu beachten. Sie hält sich daran. Auch wenn ich sie hin und wieder erinnern muss. Sie weiß, was Genauigkeit bedeutet. Schon deshalb sind wir verwandte Seelen.

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Zeit für den Spaziergang – Zeit für den Spaziergang – Zeit für den Spaziergang
Superlernfähigkeit

Sie hat nie ein zweites Mal versucht, mir einen Kauartikel wegzunehmen. Sie hat nie ein zweites Mal versucht, während einer Zauneskalation von hinten auf mich zuzugehen und anzumelden, dass es ihr Zaun sei. (Noch so eine clevere Empfehlung aus der Hundeschule. Sie hat sich gleich gefragt, ob es wirklich eine gute Idee ist, von hinten offensiv auf mich zuzugehen. Ist es nicht. Habe ich ihr auch so gesagt.) Sie versucht nicht mehr, mir Freunde zu finden. (Wer braucht die schon, wenn man ein Superfrauchen hat?) Außerdem habe ich ihr schon einige Kommandos beigebracht:

Mit der Schnauze anstubsen: Kopf kraulen.

Mit der Pfote anstubsen: Brust kraulen.

Auf dem Rücken liegend mit der Pfote anstubsen: Bauch kraulen.

Neben dem Sofa stehen: Zur Seite rutschen.

Bellen: Zum Fenster gehen und nach dem Grund schauen. Gegebenenfalls die Tür öffnen. (Die Türklingel ist bei uns überflüssig.)

Einen anderen Hund sehen und sie anschauen: Futter reinschieben.

Vor der Standuhr stehen: Das Spielzeug retten, das darunter gerollt ist.

Sich mit wohlriechenden Substanzen einreiben: Ganz schnell angerannt kommen und „Du Sauhund“ rufen.

Superstreichelkraft

Streicheln ist so ungeheuer wichtig. Deshalb steht meine Klientin morgens extra früher auf, um vor Morgenrunde und Uni Zeit zum Schmusen mit mir zu haben. Wenn sie zurückkommt, setzt sie sich als allererstes zu mir und krault meinen Bauch. Bevor wir zum Nachmittagsspaziergang aufbrechen, wird geschmust. Nach dem Spaziergang, vor dem Training, nach dem Training, vor dem Füttern und vor dem Schlafengehen: Ihr ahnt es. Übung macht den Meister, und sie ist richtig gut im Streicheln.

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Supertransportmacht

Sondereinsatzkommando in Aktion. Sie legt die Hand an den Griff. Ich nehme Anlauf. Sie zieht. Ich hebe ab. Die Klappe öffnet sich. Ich fliege durch den Spalt, sobald er weit genug ist. Noch in der Luft drehe ich mich um und lande sitzend und nach draußen schauend. Dieses Vorgehen bringt eine Zeitersparnis von 713ms. Mindestens. Es kann losgehen. Die Welt fängt an, sich zu bewegen. Während ich sitze, saust sie an uns vorbei. Meine Nase klebt an der Scheibe, meine Augen saugen das Wunder ein. Manchmal öffnet sie das Fenster einen Spalt. Dann halte ich meine Nase in den Wind und inhaliere die Düfte der Freiheit. Sie kann uns bringen, wohin wir möchten.

Superprioritätensetzung

„Kalle ist das Wichtigste in meinem Leben.“ [1] Das kann man so stehenlassen, denke ich.

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Superhund für ein Superfrauchen

[1] Frauchen am 28.05.17 in „Der Hund, den ich brauche

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4 Kommentare zu „Das Superfrauchen“

  1. Hey ihr Drei,
    super Beitrag! Wir sind tief beeindruckt von Nora. Superstreichelkraft – wow!
    Abra hat mich auch gut erzogen. Bei uns ist es nicht „Du Sauhund!“, sondern manchmal „Du bist ’ne blöde Kuh, weißte das?!“. 😀
    Liebe Grüße,
    Mara und Abra

    Gefällt 1 Person

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