Das Signal

„Außerirdische Intelligenz“, murmelt meine Klientin, “ die Kontakt mit uns aufnehmen will, bei jedem Pulsarsignal der gleiche Schwachsinn.“

Furchtbarer Schwachsinn, solange ich hier für die Sicherheit zuständig bin, nimmt überhaupt niemand Kontakt zu uns auf, schon gar keine außerirdische Intelligenz, wo kämen wir denn da hin?

„Ich kann mir genau vorstellen, wie das Interview ablief: Könnte es nicht außerirdische Intelligenz sein? – Nein, das ist ein Pulsar, der diese typischen regelmäßigen Signale sendet, nennt man übrigens Lighthouse effect, entsteht durch schnelle Rotation massiver Neutronensterne, die elektromagnetische Felder…“

Das klingt gar nicht gut, wenn ich an den massiven Schäferhund vom anderen Ende der Straße und den elektrischen Zaun bei den Wolltieren denke (nicht zu spaßen mit beidem), sollte ich wohl lieber…

„- Aber können Sie denn hundertprozentig ausschließen, dass es Außerirdische waren? – Wie soll man denn so etwas hundertprozentig ausschließen, wird ein genervter Astrophysiker geantwortet haben, aber es ist extrem unwahrscheinlich,…“

…  gleich Alarmstufe blau ausrufen.

„…FRB 121102 ist nach unserer Theorie ein Millisekunden-Magnetar, umgeben von einem Supernovaüberrest und Pulsarwindnebel…“

Oh nein, wie furchtbar, eine Nora ist ja schon fantastisch, da muss eine Supernora unglaublich großartig gewesen sein – und nun wurden ihre Überreste gefunden, wahrscheinlich ermordet von diesem massiven Elektrowesen. Vergesst Alarmstufe blau, das hier ist Alarmstufe ultraviolett!

2018_03_2_lz | 365tageasatzaday

Ein Beitrag zu den abc Etüden. Die Graphik ist wieder von Ludwig .

Der Vollständigkeit halber die Literatur:

D. Michilli,  A. SeymourJ. W. T. HesselsL. G. SpitlerV. GajjarA. M. ArchibaldG. C. BowerS. ChatterjeeJ. M. CordesK. GourdjiG. H. HealdV. M. KaspiC. J. LawC. SobeyE. A. K. AdamsC. G. BassaS. BogdanovC. BrinkmanP. DemorestF. FernandezG. HellbourgT. J. W. LazioR. S. LynchN. MaddoxB. MarcoteM. A. McLaughlinZ. ParagiS. M. RansomP. ScholzA. P. V. SiemionS. P. TendulkarP. Van RooyR. S. Wharton D. Whitlow: An extreme magneto-ionic environment associated with the fast radio burst source FRB 121102, Nature 553, 182–185 (11 January 2018) doi:10.1038/nature25149

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Von Angst und Wegen

Wenn ihr uns kennt, wisst ihr, dass Kalle ein ängstlicher Hunde ist. Bis jetzt habe ich mich an das Thema Angst auf diesem Blog noch nicht herangewagt, weil es so vielschichtig und komplex ist, dass ich fürchte, ihm nicht gerecht zu werden. Deshalb gleich vorweg: Wie immer bin ich keine Hundetrainerin, Hundeverhaltenstherapeutin, Tierärztin oder sonst irgendeine Expertin. Ich kann nur gesammeltes Wissen und eigene Erfahrungen weitergeben. Letztere sind hochgradig individuell und haben keinen Anspruch auf Allgemeinheit. Eine komplette Literaturliste findet ihr hier, die wichtigsten Quellen stehen auch noch mal unten.

In diesem Beitrag soll es um den Umgang mit Angst bei Hunden gehen, das heißt um die zentrale Frage: Was hilft gegen Angst? Ich werde versuchen, einen groben Überblick über die Möglichkeiten zu geben, die für uns hilfreich waren und sind. Um mir selbst den Einstieg ein wenig zu erleichtern, fange ich aber mal umgekehrt an: Was hilft nicht? Drei Sätze, die ich immer wieder zu hören bekomme:

„Da muss der durch.“

Sagt wer? Und warum? Gibt es irgendeinen vernünftigen Grund dafür? Vielleicht schon. Vielleicht geht es um eine notwendige, dringende Tierarztbehandlung, für die man Stress und Angst in Kauf nehmen muss. Meistens kann man die furchteinflößenden Situationen aber auflösen oder im Vorhinein vermeiden oder zumindest alles tun, um den Stress so gering wie möglich zu halten. Und wenn das möglich ist, sollten wir das auch tun. Schließlich tragen wir die Verantwortung für unsere Hunde. Und ich sehe nicht, warum sie um jeden Preis „dadurch müssen“. Das hilft nämlich überhaupt nicht. Was uns zur nächsten Aussage führt.

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„Der merkt dann schon, dass nichts passiert.“

Wäre schön, aber leider funktioniert das im Allgemeinen nicht. Ist die Angst zu groß, ist das Gehirn nicht mehr lernfähig. Seinen Ängsten ausgesetzt zu sein ist für den Hund eine unangenehme Erfahrung, auch wenn von außen betrachtet „nichts passiert“. Dadurch wird die Angst mit der Zeit eher schlimmer als besser. Damit tatsächlich eine Desensibilisierung stattfinden kann, muss das Heranführen an den Reiz so langsam geschehen, dass keine Angstreaktion hervorgerufen wird! (Siehe unten.)

„Tut er dir denn gar nicht leid?“

Halte mich für einen herzlosen Menschen, aber die Antwort ist nein. So viele Hunde (und Menschen und andere Tiere) tun mir furchtbar leid, weil ich ihnen nicht helfen kann. Aber Kalle kann ich helfen. Er hat unfassbares Glück. Er ist die meiste Zeit über ein fröhlicher Hund, tut sich selbst nicht leid und mir auch nicht. Mitleid würde ihm auch kein bisschen helfen. Wie erwähnt beschütze ich ihn. Aber ich packe ihn nicht in Watte. Ein gewisses Maß an Stress ist meiner Meinung nach zumutbar, wenn das der Preis für schöne Erlebnisse ist. Das heißt im Vergleich zu den ersten beiden Punkten: Ich schleppe meinen Hund nicht in die Stadt, nur weil er da angeblich irgendwie durch muss. Aber ich gehe spazieren, auch in fremder Umgebung, in der wir unvorhergesehen mit Angstauslösern konfrontiert werden könnten, um gemeinsam Schönes zu erleben. Und zum Beispiel: Obwohl die Knallerei vor Sylvester Kalle Angst macht, steht er an der Tür, sobald ich die Jacke zum Spaziergang anziehe. Leicht zitternd zwar, aber entschlossen. Vielleicht ist es nur seine Absicht, seine Klientin nicht alleine in die Gefahr ziehen zu lassen. Ich glaube aber tatsächlich, dass ihm auch die Spaziergänge selbst so wichtig sind, dass er dafür seine Angst bis zu einem gewissen Grad in Kauf nimmt.

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Die schwierigere Frage ist natürlich: Was hilft dann?

Bindung und Führung

Wenn es etwas gibt, das für mich einer Universallösung jedes Problems am nächsten kommt, dann ist das die Bindung. Gerade für Angsthunde sind Bindung und Vertrauen enorm wichtig. Sie verhindern, dass der Hund in seiner Panik versinkt oder kopflos flüchtet. Mit einer guten Bindung kannst du deinem Hund Vorbild und verlässlicher Schutz sein. Wenn er die Erfahrung macht, dass du in jeder Situation eine Lösung weißt, die ihm hilft, ist das eine enorme Entlastung für ihn. Sobald Kalle irgendetwas unheimlich oder erschreckend findet, schaut er als erstes zu mir, um sich Hilfe zu suchen. Ich entscheide dann sofort, wie wir reagieren. Manchmal ist keine Reaktion erforderlich, beispielsweise wenn es entfernt geknallt hat. Dann kommentiere ich nur „Das ist in Ordnung“ und wir machen normal weiter, was wir unterbrochen hatten. In anderen Situation müssen wir zum Beispiel zur Seite ausweichen oder, wenn Weitergehen nicht zumutbar wäre, umdrehen und uns von dem Auslöser entfernen. Oder aber wir gehen hin und schauen uns die Sache gemeinsam an, etwa bei einem gruseligen Gegenstand. Mit Führung meine ich aber nicht nur das Treffen von Entscheidungen, sondern auch einfach das Vorneweggehen. Kalle ist sehr viel entspannter, wenn ich dafür sorge, dass er hinter mir läuft. Erstens sieht er mich dann die ganze Zeit und zweitens werde ich als Erste gefressen, wenn hinter dem nächsten Busch ein Zombie hervorspringt. Beim Mantrailing, wo er ja vorne laufen sollte, war seine Botschaft oft ganz klar: „Da müssen wir entlang. Aber ich gehe nicht vor.“

Leine

Als ehemaliger Straßenhund fand Kalle die Leine anfangs äußerst doof. Und er war erstaunlich gut darin, sie in kürzester Zeit durchzubeißen. Dann stand ich plötzlich mit einem losen Leinenende in der Hand da und musste zusehen, dass ich den Hund wieder einfange. Im Laufe der Zeit jedoch hat sich seine Einstellung zur Leine komplett gewandelt. Heute ist sie keine Einschränkung mehr für ihn, sondern seine Verbindung zu mir. Natürlich ist dir klar, dass du deinen Hund in kritischen Situationen zu seinem eigenen Schutz immer mit der Leine sichern solltest. Aber die Leine kann noch mehr! Du kannst eine dauerhafte leichte Verbindung zu deinem Hund herstellen, die ihm Sicherheit vermittelt, indem du einen ganz sachten Zug aufrechterhälst. Du kannst deinen Hund sanft in die gewünschte Richtung dirigieren, sodass er sich gehalten und sicher geführt fühlt. Obwohl ich grundsätzlich nichts gegen Halsbänder habe, würde ich für ängstliche Hunde übrigens unbedingt ein Geschirr empfehlen. Das erwähnte Dirigieren wird dadurch deutlich einfacher und angenehmer für den Hund. Außerdem kann es immer passieren, dass der Hund sich so erschreckt, dass er in die Leine rennt, was mit Halsband unangenehm wäre.

Da sein

Das Unschöne an der Angst ist das Gefühl der Hilflosigkeit, das mit ihr einhergeht. Nicht nur beim Betroffenen, sondern auch demjenigen, der versucht zu helfen. Man kann seinen Hund nicht komplett vor Angst bewahren, manchmal kann man nicht einmal mehr tun, als man bereits versucht hat, um die Angst zu lindern. Aber die gute Nachricht ist: Alleine durch deine Anwesenheit hilfst du deinem Hund. Das sagt dir womöglich schon dein Gefühl. Ich selbst habe auch immer gerne wissenschaftliche Belege: Laut einer Studie von David Tuber an Tierheimhunden dämpft die Anwesenheit eines bekannten Menschen den Anstieg des Glukokortikoidspiegels (hinter diesem lustigen Namen verbergen sich Stresshormone wie etwa Cortisol) und das Unruheverhalten, die durch Unterbringung in einer unbekannten Umgebung entstehen. [1] Du brauchst dich also nicht hilflos zu fühlen, auch wenn du mal nichts weiter tun kannst, als einfach nur da zu sein. Denn das ist schon enorm viel.

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Körperkontakt

Wie viel Körperkontakt ein Hund braucht und möchte, ist sehr individuell. Wenn dein Hund Körperkontakt sucht, solltest du das auf jeden Fall zulassen. Gleichzeitig wäre es aber nicht gut, sich aufzudrängen. Wenn Kalle draußen ängstlich stehen bleibt, stelle ich mich oft direkt neben ihn. Er überbrückt dann die fehlenden Zentimeter und lehnt sich an mein Bein. Dadurch entspannt er so weit, dass wir weitergehen können. Auch zuhause lasse ich ihn immer selbst entscheiden, wie viel er Nähe er möchte. Massagen können ebenfalls helfen, sich zu entspannen. An Sylvester habe habe ich zum ersten Mal Tellington TTouch ausprobiert und fand es sehr hilfreich, Kalle lag (zumindest vor zwölf Uhr) entspannt und mit geschlossenen Augen auf der Seite, während ich ihn massiert habe, obwohl ich es unprofessionell und teilweise recht intuitiv gemacht habe.

Stimmungsübertragung

Deine eigene Stimmung überträgt sich auf deinen Hund. Strahlst du Selbstbewusstsein und Zuversicht aus, färbt das auch auf deinen Hund ab. So weit die Theorie. Immer wieder begegne ich Leuten, die das für die Realität halten: Ich muss nur die richtige Ausstrahlung haben, schon sind meine Probleme erledigt. Das sieht man ja so im Fernsehen. Diese Leute haben in der Regel Hunde, die von Natur aus fröhlich und selbstsicher sind, und sind der festen Überzeugung, dies sei allein ihr Verdienst durch ihre tolle Ausstrahlung. Stimmungsübertragung ist eine tolle Sache und funktioniert innerhalb gewisser Grenzen wunderbar. Aber du kannst noch so selbstbewusst auftreten: Die Ängste deines Hundes werden dadurch nicht weggezaubert. Und wo wir schon beim Zaubern sind: Bislang habe ich es noch nicht geschafft, mir große Selbstsicherheit herbeizuzaubern. Was ich dagegen gut kann, ist Ruhe auszustrahlen und auf Tiere zu übertragen. Ich kann Kalle aus Hektik und Panik herausholen, ihn beruhigen, sodass er zugänglich für vernünftige Entscheidungen wird. Erst wollte ich versuchen, das hier im Einzelnen zu beschreiben, aber dann habe ich gemerkt, dass es vermutlich ziemlich zwecklos ist, da das einfach bei jedem anders ist. Vielleicht kannst du ebenfalls gut Ruhe übertragen, vielleicht auch tatsächlich Selbstsicherheit, Zuversicht oder etwas ganz anderes. All das ist gut. Dein Hund braucht genau dich und deine Stärken.

Ablenkung

Ist die Angst nicht zu groß, kann Ablenkung helfen. Zum Beispiel, indem du einfache Tricks abrufst, die dein Hund gut beherrscht und die ihm Spaß machen. Vielleicht kennst du das von dir selbst: Man fühlt sich besser, wenn man etwas zu hat. Durch die Erfolgserlebnisse und viel Lob wird außerdem das Selbstbewusstsein des Hundes wieder aufgebaut.

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Training

Natürlich ist es auch möglich und sehr sinnvoll, durch Training gezielt an den Ängsten deines Hundes zu arbeiten. Um den Rahmen dieses Blogbeitrags nicht völlig zu sprengen, erwähne ich nur die Möglichkeiten, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Sehr detaillierte Anleitungen findest du beispielsweise in [2]. Möglicherweise werde ich auch in einem späteren Beitrag noch mal näher auf die einzelnen Punkte eingehen.

  • Desensibilisierung: Schrittweises Heranführen an den Auslöser, indem man immer knapp unterhalb der Schwelle bleibt, oberhalb der eine Angstreaktion ausgelöst wird.
  • Gegenkonditionierung (klassisch): Gleiches Prinzip wie Desensibilisierung, nur dass hier der Auslöser noch zusätzlich durch einen Verstärker positiv verknüpft wird, meist durch Futter.
  • operante Gegenkonditionierung: Wie oben, allerdings muss der Hund für das Futter zuerst etwas tun, beispielsweise deine Hand berühren.

Das möchte ich hier nicht ohne den folgenden Warnhinweis stehen lassen: Konditionierung funktioniert in beide Richtungen. Wird dein Hund etwa gerne gestreichelt, könntest du auf die Idee kommen, ihn zu streicheln, wenn er mit dem Angstauslöser konfrontiert wird, um letzteren positiv zu verknüpfen. Wird aber nun eine Angstreaktion bei deinem Hund ausgelöst, verknüpft er möglicherweise das negative Gefühl mit dem Streicheln und wird sich in Zukunft unwohl fühlen, alleine wenn du ihn streichelst. Deshalb ist es enorm wichtig, in einem Bereich zu bleiben, in dem keine oder nur eine ganz schwache Angstreaktion hervorgerufen wird und sehr attraktive Verstärker zu verwenden wie sehr leckeres Futter. Dieses kann man ständig wechseln, um nicht versehentlich eine bestimmte Futtersorte negativ zu verknüpfen.

Unterstützende Maßnahmen

Daneben gibt es noch ein paar Möglichkeiten, wie du deinen Hund zusätzlich unterstützen kannst. Gute Erfahrungen haben wir mit einem Hunde-Shirt („Thundershirt“) gemacht. Mit Shirt ist Kalle deutlich entspannter, der Unterschied ist selbst für Skeptiker wie mich klar erkennbar. Der Nachteil ist allerdings, dass diese Shirts im Sommer zu warm sind. Stattdessen ziehe ihm dann einfach sein Geschirr an, damit erziele ich den gleichen Effekt. Außerdem verwenden wir ein Pheromonspray, von dem ich zwar den Eindruck habe, dass es etwas hilft, ohne aber eine zweifelsfreie Aussage treffen zu können. Es sind einfach zu viele Effekte, die da mit hinein spielen. Das Gleiche gilt für die Beruhigung mit klassischer Musik. Es sei noch erwähnt, dass man Ängste auch mit Kräutern, Bachblüten, homöopathischen oder schulmedizinischen Medikamenten behandeln kann. Damit habe ich aber keine Erfahrungen, da solltest du mit einem Tierarzt oder -heilpraktiker sprechen.

Trösten?

Die Sache mit dem Trösten ist immer ein Streitthema. Allerdings habe ich manchmal den Eindruck, dass ein Teil des Streits einfach in verschiedenen Definitionen von Trösten begründet ist. Manchmal sehe ich Hunde, die an der Leine ängstlich vor fremden Menschen zurückweichen. Dann drehen sich die Besitzer zu ihren Hunden um, beugen sich über sie, patschen ihnen von oben mit der Hand auf den Kopf und sagen etwas wie „Was hast du denn, du musst doch keine Angst haben.“ Trösten in dieser Form ist sicher falsch! Nicht weil man die Ängste des Hundes durch einen Verstärker bestätigt, sondern weil der „Trost“ selbst als unangenehm empfunden wird. Selbst wenn man es höflicher machen würde: Der Hund möchte in dieser Situation vermutlich keine soziale Zuwendung, sondern eine Lösung seines Problems. Das Beste wäre wohl, dem Hund Schutz zu bieten, indem man sich mit dem Rücken zum Hund zwischen ihn und den fremden Menschen stellt. Anders sieht es aus, wenn die scheinbare Bedrohung weniger konkret ist und bereits alles für den Schutz des Hundes getan ist, beispielsweise an Sylvester. Man ist sicher im Haus, die Rollläden sind heruntergelassen, alle Maßnahmen getroffen und man kann nichts weiter tun, als die Knallerei abzuwarten. Ob und wie man jetzt trösten sollte, hängt meiner Meinung nach stark vom Hund ab. Du selbst kannst deinen Hund am besten einschätzen. Vielleicht möchte er kuscheln, vielleicht möchte er einfach nur neben dir liegen oder vielleicht möchte er sich auch zurückziehen und einfach seine Ruhe haben. All das ist in Ordnung. Wichtig ist, nichts zu dramatisieren und die Bedürfnisse deines Hundes wahrzunehmen und zu respektieren. Möglicherweise hast du wie ich das Bedürfnis, kleine, verängstigte Wesen in den Arm zu nehmen und an dich zu drücken. Wir sollten dieses Bedürfnis jedoch nicht über die Interessen des kleinen Wesens stellen, das vielleicht ganz andere Vorstellungen von hilfreichen Trost hat.

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Der eigene Weg

Ich kenne einige Leute, denen Hausarbeit hilft, wenn sie angespannt und nervös sind. Bei mir verstärkt das die Anspannung. Wenn meine Gedanken nicht beschäftigt sind, fangen sie an zu kreisen und mich verrückt zu machen. Ich löse in so einem Fall gerne Gleichungen im Kopf, das erfordert Konzentration und wirkt auf mich entspannend. Sicher gibt es Leute, denen das überhaupt nicht helfen würde. Wir sind alle verschieden. Bei Hunden ist das nicht anders. Kalle braucht Weite und Übersicht, um zu entspannen, andere Hunde brauchen ein sicheres Versteck. Du kannst selbst herausfinden, was deinem Hund gut tut. Lass dich nicht verunsichern, wenn andere es anders machen. Alles was ich bisher geschrieben habe, ist das, was für uns richtig ist. Immer wieder behaupten Leute, ihr eigener Weg sei der einzig richtige. Das ist natürlich Quatsch. Ich habe dir einen Teil unseres Weges gezeigt. Wenn dir das hilft, euren eigenen zu finden, würde mich das sehr glücklich machen.

 

Literatur

[1] D. S. Tuber, M. B. Hennesy, S. Sanders and J. A. Miller (1996): Behavioural and glucocorticoid responses of adult domestic dogs (Canis familiaris) to companionship and social separation, Journal of Comparative Psychology, 110(1), 103-108

[2] Nicole Wilde (2006): Help for Your Fearful Dog: A Step-by-Step Guide to Helping Your Dog Conquer His Fears. Deutsche Ausgabe: Der ängstliche Hund, Kynos, 2008

[3] Patricia McConnell (2007): For the Love of a Dog. Deutsche Ausgabe: Liebst du mich auch?, Kynos, 2008

[4] Udo Gansloßer und Kate Kitchenham (2012): Forschung trifft Hund, Kosmos

Monatspfoto Januar

Dieses Mal ist das Motto des Monatspfotos von miDoggy: Ein Blick durchs Schlüsselloch.

Dieses tolle Motto führt uns zu der Frage, was die Hunde eigentlich machen, wenn sie alleine zu Hause sind. Ich kann euch sagen: Es war gar nicht so einfach, sie zu erwischen. Ich musste mich hinter der Tür verstecken, geduldig und mucksmäuschenstill warten, sie in Sicherheit wiegen. Und dann kam der große Moment. Ihre geheimen Machenschaften sind nun aufgedeckt, festgehalten für die Ewigkeit durch ein heimliches Foto durchs Schlüsselloch.

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Monatspfoto

Noch ein paar Outtakes:

 

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Mit dem gesamten Schlüsselloch im Ausschnitt war Kalle nicht mehr zu sehen. Schade…

 

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Heimlich Naschen.

 

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Hat sie das gesehen?

Blitzlichtding 2017

1.1: Die Nacht ist überstanden. Der Morgen gehört der Stille. Niemand außer uns scheint so früh auf zu sein.

5.2. : Zwei schöne Hunde. Aber dann die Frage nach der Rasse. Leichte Enttäuschung, die ich nicht verstehe. Nächstes Mal sage ich, es sei eine Designerrasse. Huferrier? Terschäfsky? Schätersky!

16.3. : Bachelorarbeit abgegeben, letzte Prüfung. Freiheit!

24.3. : Cool, wir schreiben ein Paper. Kleiner Nachteil: Freiheit schon wieder zu Ende.

9.4. : Okay, ich habe es getan. Blog erstellt, ersten Beitrag veröffentlicht. Egal, liest ohnehin niemand.

10.4. : Oh je, ich glaube, meine Texte sind ganz schrecklich. Ich lösche das lieber wieder.

10.4., später : Es hat doch schon jemand gelesen. Das Fellmonsterchen scheint die Texte gut zu finden. Ich lasse sie doch stehen.

13.4. : Die Zweite, die meinen Blog entdeckt, ist Stephie von The Pell-Mell Pack. Sie wird die fleißigste Kommentatorin hier bleiben, dicht gefolgt von Sabine von Einfach Socke. (Wie machen die beiden das? Neben ihren eigenen wundervollen und sicher nicht unaufwändigen Blogs, Hunden und Beruf lesen und kommentieren sie die Blogs von uns allen. Entweder hat ihr Tag mehr Stunden als meiner oder sie sind besser organisiert als ich. Eines von beidem.)

28.4. : Schreibe ich einen Monatsrückblick? Das ist irgendwie langweilig, so viel Besonderes erleben wir gar nicht. Außer… ich mache es ein bisschen anders. Ich denke an den Rückblick in dem Film „Marley und ich“. „Mit Marley an den Strand gegangen“ – ja, so ähnlich…

3.5.: Klientin allein unterwegs. Es wird mit 406 Aufrufen unser meistgelesener Beitrag. Auch andere Hunde scheinen die Problematik abwesender Klienten zu kennen.

21.7.: Vorlesungsende. Sehr viel Zeit liegt vor uns, die wir lernend und dösend Seite an Seite verbringen werden – natürlich unterbrochen von vielen Spaziergängen.

16.9.: Urlaub. Bachrauschen, Glockenläuten, Heuduft, Ausblick auf die Alpen. Wo gehen wir morgen wandern?

17.9.: Mia blüht auf. Die Sorge, das Wandern könne ihr zu viel sein, ist unbegründet.

23.9.: Sei brav, Kalle, ja? Eine Woche ist nicht lang. Lass den Hund nebenan am Leben. Und gib keine Kriegserklärungen ohne mein Einverständnis ab.

24.9. : Ich fliege. Seltsam leicht, ganz ohne Hunde.

24.9., später : Die Straßen von Salamanca sind leer. Ich vermisse meinen Bodyguard.

30.9. : Hundetänze, Gruppenknuddeln, endlich wieder vereint.

3.10. : Zeit für die Hunde und mich. Einer von mehreren gemeinsamen Ausflügen in dieser Woche. Es müsste viel öfter so sein.

16.10.: Und schon beginnen die Vorlesungen wieder. Achtes Semester, wie schnell das geht.

23.11.: Ich glaube, die Hunde haben den Trick Nachmachen verstanden. Ich mache einen Trick vor (Umrunden, Dreh, Platz, Touch oder Aufräumen) und sie machen es auf das Signal „Mach nach“ + Handzeichen tatsächlich nach.

25.11.: Sie haben es doch nicht verstanden. Es funktioniert nur, wenn ich in dem Moment, in dem ich das Signal gebe, an die richtige Übung denke. Habe ich mich hingelegt, stelle mir aber im Moment des Signals eine Drehung vor, drehen sich die Hunde. Wie schaffe ich es, keine unbewussten Signale zu geben?

10.12.: Schnee!!! Kurzer, steiler Abhang. Hochklettern, hinsetzen, runterschlittern. Wie Kindheit, nur schöner, weil zuhause niemand wartet und schimpft, dass man zu lange weg war und ganz nass ist und sich erkälten wird.

30.12.: Jahreskurzausschnittsrückblick? Momentaufnahmensammlung? Blitzlicht…ding!

 

Monatspfoto Dezember

N: Diesen Monat möchte ich es unbedingt mal wieder schaffen, ein Monatspfoto beizutragen. Das Motto von miDoggy ist ja dieses Mal „Morgen Kinder wird’s was geben“. Also ihr seid die Kinder, die durch die Tür spähen, um einen Blick auf die Bescherung zu erhaschen.

M & K: Stofftiere!!!

N: Später. Jetzt möchte ich erstmal, dass ihr euch in die Tür setzt.

K: Die Tür ist gefährlich. Sie wird mich angreifen. Natürlich setze ich mich trotzdem dorthin, wenn du das möchtest. Wenn du unbedingt mein Leben aufs Spiel setzen möchtest für so ein Foto. Wenn ich dir so gleichgültig…

N: Okaaay, Kalle sitzt neben der Tür. Mia hast du auch Angst… ?

K: ICH HABE KEINE ANGST!

M: Ich sitze doch schon längst. Bekomme ich jetzt ein Stofftier?

N: Später. Jetzt schaut mal freudig erwartungsvoll.

K: Ich muss sitzen. Ich darf mich nicht rühren. Ich muss…

 

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M: Wie lange dauert das denn noch?

N: Dieses Leuchten in euren Augen!

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N: Gut, kurze Pause. Nehmt euch ein Stofftier!

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N: Versuchen wir mal einen anderen Hintergrund. Und ihr könntet eigentlich noch ein bisschen mehr wie Kinder aussehen.

M: Sehr witzig, Frauchen.

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K: Das ziehe ich nicht an. Es gibt Grenzen.

N: Wie wäre es mit einer Schleife? Ihr beiden seit für mich ohnehin das größte Geschenk.

M: Hunde gehören nicht…

N: Ich meine das im übertragenen Sinne.

K: Die Tannenzweige sind gefährlich. Sie werden mich angreifen. Natürlich lege ich mich trotzdem dorthin, wenn du das möchtest. Wenn du unbedingt mein Leben aufs Spiel…

N: Wenigstens ein bisschen in die Nähe? Schau mal, Mia wird doch auch nicht gefressen.

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N: Wir versuchen es mal. Noch ein winziges Stück. Das machst du ganz großartig, du bist wunderbar tapfer. Das wird unser Monatspfoto:

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N: Super! Schnappt euch ein Stofftier.

M & K: Stofftiere!!!

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N: Moment mal, wo ist denn eigentlich das Lamm hin?

Sterne für dich

Zur Blogparade von miDoggy möchte ich einem ganz besonderen Menschen Danke sagen: Dir.

Dass es dich gibt, ist erstaunlich. Klar, das Leben an sich ist erstaunlich, dass du existierst, hier und jetzt. Aber ich meine noch etwas anderes: Dass es dich als Leser gibt, ist erstaunlich.

miDoggy Weihnachtssterne

Eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass du das hier lesen wirst. Dass du vielleicht genauso hundeverrückt bist wie ich. Dass du meinen Blog irgendwie gefunden hast und er dich interessiert.

Deshalb danke ich dir dafür, dass dein Hund dir wichtig ist. Dass Worte dir wichtig sind. Deshalb bist du mir wichtig. Ohne dich als Leser wäre dieser Blog weniger. Eigentlich gar nichts.

Und ganz besonders danke ich dir, Katrin, Stephie, Claudia, Andrea, Sabine, Eva, Shiva-Sandra, Grisu-Kessi-Kerstin, Charlie-Lis-Sandra, Buddy-Amber-Kerstin, Caroline, Diana, Noemi, JanJan, Doxa, Lizzy, Kirstin, Johanna, Ulf, Veronika, Mara, Isabella, Melinda, Jasmin, Dergl (Hm, ich weiß gar nicht, wie du wirklich heißt), Christiane, Nicole, Marleysworld (das Gleiche), Bernd, Anika, Elke, Samate (…), IT-Tagebuch (…), Manuela, Oldieat (…), Labrador Bran (…), Karen, Claudia. Ich freue mich unheimlich über deine Kommentare. Würde ich keine Rückmeldung bekommen, hätte ich diesen Blog längst wieder aufgehört. Danke für deine Anteilnahme, deine Meinung, deine lieben Worte, deine Perspektive. (Falls ich dich eben vergessen habe, tut mir das furchtbar leid und war keine Absicht…)

Dir, Julia, danke ich sehr für die großartige Arbeit, die du mit der miDoggy Community leistest. Für die vielen tollen Blogs, die ich durch die Community kennengelernt habe, und für das fleißige Teilen von Beiträgen.

Ich danke dir, wenn du einen eigenen Blog hast. Danke für deine Geschichten, die so viel Inspiration für mich sind. Es gibt so viele fantastische Blogs, die ich lese, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen kann.

Und schließlich danke ich dir, wenn du das hier gar nicht lesen kannst, weil du gar kein Mensch, sondern ein Hund bist. Diese Welt wird durch dich ein Stück schöner.

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Aber der ist ganz lieb

Es gibt Hunde, die rücksichtslos und unhöflich sind. Sie kommen auf uns zugestürmt, drängen sich auf oder pöbeln uns an. Dann reagiert Kalle ungehalten. Das kann ich gut verstehen. So muss man sich ja nicht benehmen.

Dann gibt es Hunde, die anders sind. Höflich und liebenswert, zuckersüß. Ganz lieb eben. Auch dann reagiert Kalle ungehalten. Das kann ich weniger gut verstehen.

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Neulich traf ich eine junge Frau mit einer jungen Hündin. Beide waren super freundlich. Die Hündin war klein, welpenhaft, aufgeschlossen. Ihr Frauchen sprach mich an, erkundigte sich nach Kalle und war verständnisvoll für seine Probleme. Wir könnten die beiden ruhig zusammenlassen, ihre Hündin bezirze jeden, dabei sei es egal, wie der andere sich benehme. Ich glaubte ihr und lehnte ab. Eine direkte Begegnung mit Kalle wollte ich der Süßen jetzt wirklich nicht antun.

So etwas tut mir immer leid. Es tut mir leid, dass wir abweisend zu netten Menschen und Hunden sind. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit. Natürlich hab ich probiert, Kalle mit anderen Hunden zusammen zu lassen. Er lässt keinen Kontakt zu. Er beißt nicht, aber er knurrt jeden weg. (Mia ist eine absolute Ausnahme. Als sie sich kennen lernten, war Kalle so ängstlich, dass er überhaupt nicht reagierte. Und sie interessierte sich einfach nicht für ihn.)

Manchmal träume ich. Ich träume, dass wir einem anderen Hund begegnen. Zuerst ist Kalle abweisend, doch dann lässt er sich auf den anderen ein. Die beiden beginnen zu spielen. In diesem Moment bin ich glücklich. Ich hoffe, dass es nicht nur ein Traum ist. Dann wache ich auf, und natürlich war es ein Traum.

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Mit mir spielt er. Aber ich bin darin einfach nicht so gut wie ein Hund.
Ich weiß nicht, warum Kalle sich so verhält. Aber ich weiß, dass ich ihn nicht zwingen kann, Freunde zu finden. Es ist seine Entscheidung, nicht meine. Und die muss ich akzeptieren. Auch wenn ich manchmal wünschte, es wäre anders.

Und bitte: Vielleicht ist es meine Schuld. Vielleicht mache ich alles falsch. Aber liebe Gruppe gemeinsam spazierengehender Damen, Sie waren nie in meiner Situation. Sie wissen nicht, ob Sie es besser machen würden. Würden Sie bitte die Höflichkeit besitzen, mit dem Lästern zu warten, bis ich außer Hörweite bin? Das ist einfach nicht nett.

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Auch wenn ich manchmal ein bisschen jammere: Ich liebe diesen Hund
So endete dieser Text ursprünglich. Beim erneuten Durchlesen kam mir dieses Ende aber dann doch etwas zu trübsinnig vor. Die positive Sicht der Dinge:

In unserer Nähe wohnt eine Hündin, die ebenfalls ängstlich ist, aber im Gegensatz zu gewissen anderen Hunden (Hallo Kalle!) ein sehr sanftes und zurückhaltendes Wesen hat. Vor Kurzem habe ich aus einiger Entfernung beobachtet, wie mehrere freilaufende Hunde sie bedrängten. Sie selbst war angeleint, hatte Angst und fühlte sich sichtlich unwohl, aber die anderen Hundebesitzer hielten es nicht für nötig, ihre Hunde zu sich zu holen. Bis wir näher kamen. Plötzlich waren alle Hunde brav an der Leine. Wir sind ja hinreichend bekannt (oder berüchtigt?) in der Gegend. Manchmal hat das echt Vorteile. 😉