Päuschen

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Eigentlich wollte ich mich hier ja schon vor ein paar Tagen in eine kleine Blogpause verabschieden. Aufgrund einer kaputten Festplatte und Kann-ich-meine-Daten-retten-Stress (so was kommt ja immer im ungünstigsten Moment) jetzt ein bisschen verspätet: Den restlichen Monat werde ich hier nichts mehr schreiben. Was werde ich stattdessen tun?

Nun, ich werde im Urlaub sein und mit den Hunden im Allgäu wandern. Dabei vermutlich relativ nass werden. Trotzdem Spaß haben.

Ich werde für ein paar Tage auf einer Konferenz in Salamanca (Spanien) sein. Ohne vierbeinige Begleitung. Es ist das erste Mal, dass ich ohne Kalle verreise, und ich bin ein wenig nervös. Aber er bleibt ja nicht bei Fremden, sondern bei meiner Mutter. Er kennt und mag sie, war schon oft dort. Hat sogar mal zusammen mit mir dort gewohnt. Also kein Grund zur Beunruhigung. Sage ich mir immer wieder.

Hier geht es dann im Oktober weiter. Bis dahin habt eine schöne Zeit und nehmt euch vor den Anderen in Acht!

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Hundeliebe: So war das eigentlich nicht geplant

Zur Blogparade von miDoggy

Jetzt ist es schon fünf Jahre her, dass wir uns kennengelernt haben. Und ich muss sagen: So war das eigentlich nicht geplant, Kleiner. Du warst so nicht geplant.

Vielleicht haben sich einige Leser schon gefragt, warum man eigentlich als Studentin gleich zwei Hunde hat. Davon einer, der, sagen wir mal, besonderen Förderungsbedarf hat.

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Ein kleines bisschen verrückt
Es gibt Zeitpunkte im Leben, die sind passend, um einen schwierigen Hund aufzunehmen. Wenn man ein geregeltes Leben hat, Arbeit, Zeit und ein Haus mit Garten. Wenn die Kinder kurz vor dem Erwachsenenalter stehen, bald ausziehen werden, und man Raum für eine neue Aufgabe hat. So wie meine Eltern vor fünf Jahren.

Und dann kann es eben auch anders kommen. Dinge laufen nicht immer so, wie man möchte. Nach der Trennung meiner Eltern haben sich die Umstände geändert. Mein Vater ist Vollzeit berufstätig und du bist kein Hund, der den ganzen Tag alleine bleibt. Selbst wenn es zeitlich machbar wäre: Du bist nicht der richtige Hund für meinen Vater und er nicht der richtige Mensch für dich. Meine Mutter hat Pläne, Dinge, die sie nun endlich erleben möchte, verständlicherweise. In denen ist ein Rabaukenhund nicht vorgesehen. Ihr neuer Freund hat Tinnitus. Jetzt bist du kein Dauerkläffer. Aber wenn du bellst, dann richtig. Jedes Mal so eine Art Explosion. Auch nicht optimal.

Es war nicht geplant, dass du mich so brauchen würdest, Kleiner. Es war nicht geplant, dass ich dich so brauchen würde.

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Seelenhund
Viele berichten von ihrem Seelenhund. Ich habe gehofft, dass ich meinen auch einmal finden würde. Ich hätte nur nicht gedacht, dass du es wirst. Sei mir nicht böse, aber wenn ich einen Hund für mich ausgesucht hätte, hätte ich dich nicht genommen. Klar fand ich dich schön, wunderschön. Aber zu unsicher für mich, zu ängstlich. Wie hätte ich dir Sicherheit geben können, wo ich mich doch selbst so häufig unsicher fühle? Wo ich noch gar nicht weiß, wie mein Leben aussehen wird? Ich hätte mich für deine Zwingergenossin, die Schnauzermixhündin, entschieden. Grau, zottig, unscheinbar neben dir. Aber mit einem aufgeschlossenen, fröhlichen Wesen, das ich sofort sympathisch fand. Nur habe ich eben nicht entschieden.

Aus irgendeinem Grund hast du dich für mich entschieden. In der ersten Zeit bei uns zu Hause hast du dich an mich gehängt, nicht an jemand anderen. Wenn ich dich an der Leine habe, bist du entspannter, „braver“ als bei allen anderen. Du scheinst nicht zu merken, wie unsicher ich eigentlich bin. Spiele ich dir Selbstbewusstsein vor, glaubst du mir. Allein dafür liebe ich dich.

Nein, so war das nicht geplant, Kleiner. Dass ich mein ganzes Leben um dich herum organisieren muss. Dass du mich so glücklich machst. Dass ich glaube, nie mehr auf dich verzichten zu können.

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Wohin wir gehen, gehen wir gemeinsam
Jetzt sind wir hier und wissen nicht, wie unser Leben in drei Jahren aussehen wird. Aber ich weiß, dass es unser Leben sein wird. An dem Tag, an dem ich mich zwischen dir und der Forschung entscheiden muss, werde ich mich für dich entscheiden. Denn wer wäre ich ohne dich? Einer dieser bemitleidenswerten Menschen, die ungebeten fremde Hunde streicheln. Weil kein pelziges Wesen auf ihrem Sofa liegt, seinen Kopf auf ihren Schoß legt und sie bedenkenlos liebt. Weil sie niemanden wie dich haben.

August in Kürze

Gute Tat des Monats: Streit verhindert. Leckerchen auf dem Boden, von jeder Seite ein Hund darauf zurennend. Zwei geöffnete Schnauzen, erstarrend, ratlose Blicke zu mir. Zweites Leckerchen dazu gelegt. Bin ich nicht klug?

Böse Tat des Monats: Kalle angeschrien. Ganz böses Frauchen, ich weiß. Aber kann ihm nicht mal jemand die Grundsätze der positiven Verstärkung erklären? Ich möchte nicht immer über Schreckreize erzogen werden. Jedes Mal, wenn ein Auto vor dem Haus hält, bellt er so laut und plötzlich, dass mir fast das Herz stehen bleibt. Kann er nicht stattdessen klickern, wenn ich zum Fenster gehe und nachschaue? Trotz allem hat mich seine Reaktion im Nachhinein gefreut: Er kam zu mir und stupste an meine Hand. Früher wäre er zurückgewichen und hätte mich angeknurrt. Mittlerweile weiß er, dass ich ihm nichts tue, auch wenn ich wütend auf ihn bin.

Rätsel des Monats: Was ist das?

Eine Rebellion? Der Kotbeutel als Akt des zivilen Ungehorsams? Eine Art Kunstprojekt? Oder einfach nur Blödheit? Im Monatsrückblick Juni hatte ich ja über die hiesige Mülleimersituation berichtet. Aber liebe Leute, das hier scheint mir die denkbar schlechteste Lösung zu sein.

Erkenntnis des Monats: Moblitätsübungen mit trickerfahrenem Hund sind nicht einfach. Da wollte ich die Übungen von Doggy Fitness mit Mia ausprobieren. Sie war anderer Meinung: Warum denn langweilige Sitz-Platz-Wechsel? Ich kann doch Männchen-Winken-Rolle-Kriechen-Dreh-Hop-Betteln-Rückwärts-Peng!

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Dummheit des Monats: Festgestellt, dass meine alte Inlinerausrüstung noch passt. Den Schätersky geschnappt und Inlinerfahren gegangen. Bedenken hinsichtlich der Kombination aus zu Panik und Wut neigendem Hund und rollendem Frauchen ausgeblendet. Ging aber alles gut. Bergab war ein wenig wacklig. Kalle aber rücksichtsvoll und kooperativ. „Das ist aber ein braver Hund“, meinte die vorbeifahrende Omi. Wenn die wüsste.

Verrücktheit des Monats: Der Deklarationswahnsinn. Hat nicht unbedingt etwas mit Hunden zu tun, muss ich jetzt aber mal loswerden. Die ganze Zeit keine Zahnpasta mit Vitamin B12-Zusatz, weil auf der Verpackung nicht stand, dass die Wirksamkeit nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist. Hat ja auch keiner behauptet. Ich möchte ja kein Paper darüber lesen, sondern meine B12-Versorgung verbessern. Und das ist da enthalten und wird anscheinend auch vom Körper aufgenommen, sonst wären meine Werte nicht in Ordnung. Auch die Tofuwürstchen dürfen nicht mehr so heißen. Könnte ja jemand auf die Idee kommen, sie seien aus Fleisch. Wenn er die erste Hälfte des Worts überliest. Was ist denn jetzt mit der Sonnenmilch? Enthält keine Milch! Betrug! Gleichzeitig dürfen Plastikverpackungen viel zu groß sein und unnötigen Müll produzieren. Besonders bei Hundefutter ärgert mich das immer wieder. Von den Haltungsbedingungen sogannter Nutztiere fange ich jetzt gar nicht erst an. Nur eines: Tofuwürstchen sind nicht der wahre Feind.

Buch des Monats: „Dogwalk“ von Ursula Löckenhoff. Nach der tollen Rezension bei The Pell-Mell Pack konnte ich nicht widerstehen, als mir dieses Buch bei einem „zufälligen“ Besuch in der Buchhandlung „zufällig“ begegnete. Ursula Löckenhoff ist mir sehr sympathisch und ich mache viele Dinge bereits so, wie sie es in ihrem Buch vorschlägt. Obwohl ich das mit so vielen Hunden vermutlich nicht könnte. Außerdem schafft sie es, sich knapp und präzise auszudrücken, was das Lesen wirklich angenehm macht. Drei wichtige Dinge, die ich dazu gelernt habe: Ich könnte meine Stimme mehr einsetzen, besonders zur Motivation der Hunde. Ich bin immer so auf Körpersprache konzentriert, dass ich das naheliegendste Instrument zur Kommunikation womöglich nicht genug nutze. Außerdem sollte ich Mia vielleicht mehr einbinden. Während Kalle als „Bodyguard“ eine Art „Dauerauftrag“ hat (zumindest in Bereitschaft), ist meine „Diplomatin“ doch häufig sich selbst überlassen und mehr mit Mäusen beschäftigt als mit uns. Drittens das Fliegerspiel: Ich renne mit ausgebreiteten Armen, Richtung und Tempo variierend, die Hunde sollen mir folgen. Besonders für Kalle, der beim Rennen sehr schnell hochfährt, eine tolle Übung. Zur Zeit habe ich noch leichte Schwierigkeiten: Motiviere ich ihn, schießt er leicht an mir vorbei. Bremse ich, lässt er sich zurückfallen. Ich arbeite daran, die Intensität meiner Signale weiter herunterzuschrauben.

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Begegnung des Monats: Der Hund, der uns anbellt, ist unsicher und ängstlich. Ich sitze auf dem Boden und versuche, Ruhe und Friedfertigkeit auszustrahlen. Meine Hunde stehen hinter mir und schauen demonstrativ in eine andere Richtung. (Kalle brauchte ein wenig Unterstützung meinerseits, hat aber nun zur Ruhe gefunden.) „Der ist harmlos“, ruft uns der Besitzer zu. Das ist ja nun nicht das Schlechteste, das man rufen kann. Besser als „Der tut nichts“, weil klarer definiert. Und es stimmt: Dieser Hund ist wirklich harmlos. Trotzdem gibt es Verbesserungsbedarf. Erstens ist diese Information überflüssig. Wenn ich Zweifel an der Harmlosigkeit eines Hundes habe, bringe ich mein Gesicht wohl kaum auf die Höhe seiner Zähne. Zweitens ist das kein Grund, ihn sich selbst zu überlassen. Er bräuchte Unterstützung durch seinen Menschen, wird aber stattdessen mit der Gefahr (also uns) alleine gelassen.

Glücksmoment des Monats: Kalle beim Schlafen in der Sonne beobachtet. Es gibt keinen friedlicheren Anblick als den eines schlafenden Hundes. Und dass er mittlerweile draußen so entspannen kann, kommt mir noch immer wie ein kleines Wunder vor.

Monatspfoto August

Diesen Monat hat sich Julia von miDoggy das Motto „Auf die Plätze, fertig, los“ für das Monatspfoto ausgedacht. Bilder von Hunden in Bewegung sind ja die schönsten. Sofern man eine Kamera besitzt, die bewegte Bilder scharf aufnehmen kann. Wenn man allerdings eine Handykamera oder eine kleine Digitalkamera benutzt, sieht es etwas anders aus. Wir sind heute also ein wenig verschwommen.

Die zweite Schwierigkeit: Kalle ist ein Hund, der sehr viel Wert auf Höflichkeit legt. Was er gar nicht leiden kann ist, wenn ein anderer Hund auf ihn zu rennt. Umgekehrt vermeidet er es auch, auf mich zu zu rennen, wenn ich still stehe. Bin ich selbst in Bewegung bzw. lade ihn körpersprachlich dazu ein, ist es natürlich etwas anderes. Aber um ein Foto zu machen, muss ich nun mal bestenfalls still halten und ihm zugewandt stehen…

Trotzdem.

Kalles Lieblingsdisziplin der Hundeolympiade ist das Strohballenhüpfen. Oder weil Englisch gleich viel professioneller klingt: Straw Bale Hopping. Macht viel Spaß.

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Ich in Bewegung=unscharf
Von oben hat man dann auch eine gute Aussicht.

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Von weiter oben eine noch bessere.

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Auf dem Stapel kann man auch gut entlang laufen. Und das gibt das Monatspfoto.

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Monatspfoto

Spannend. Nur bitte nicht zu spannend

Das Thema der Blogparade, zu der Julia von miDoggy diesen Monat aufgerufen hat, lautet „Gassigehen – so findet euer Hund es wieder spannend“.

Nun ist Kalle kein Hund, bei dem Langeweile aufkommt. Für ihn ist jedes Rascheln ein möglicher Hinweis auf einen versteckten Attentäter, jede Bewegung eine potentielle Beute. Leider ist Kalle auch kein Hund, der auf Spaziergängen einfach seinen Interessen nachgehen kann. Denn der Attentäter ist möglicherweise ein Spaziergänger, das nicht angebellt werden möchte, und die Beute ein Radfahrer, der nicht gejagt werden möchte. Einfach Leine ab und los wie bei Mia: geht nicht. Also stand ich bald vor der Frage, wie ich Kalle auf Spaziergängen sowohl Auslastung als auch Entspannung biete und gleichzeitig meine Mitmenschen und –Tiere nicht belästige oder ängstige. Dazu unterteile ich Spaziergänge in verschiedene Kategorien, aus denen ich täglich zwei auswähle.

  1. Streuobstwiese

Diese Variante macht den größten Anteil unserer Spaziergänge aus, die Umgebung ist uns am liebsten. Schmale Wege führen durch Wiesen und Büsche, hier sind wenige Menschen unterwegs. Wir kennen jede Kreuzung, wissen um die Luftströmungen und die Akustik an jeder Stelle. Unwahrscheinlich, dass uns jemand überrascht. Kalle darf frei laufen, bleibt aber aufgrund der Unübersichtlichkeit der Wege meistens hinter mir.

Typ 1A: Einfach so

Wir gehen. Die Hunde schnüffeln. Wir achten auf unsere Umgebung, um rechtzeitig reagieren zu können, falls sich jemand nähert. Abhängig von der Witterung machen wir Pause. Sitzen träumend im Gras. Rennen über Wiesen. Selbstverständlich nachdem wir sie kontrolliert haben. Hier darf Kalle voraus laufen. Bevor wir wieder auf den Weg kommen, wartet er auf mich. Wir reihen uns wieder auf und kommen zur Ruhe. Dann geht es weiter.

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Ich mag diese Landschaft
Typ 1B: Beschäftigung

Ähnlich Typ 1A. Statt aber weit zu laufen, suchen wir uns eine gemähte Wiese. Wir trainieren Tricks. Umrunden bietet sich häufig an, Fußarbeit und Arbeit auf Distanz. Oder ich werfe Leckerchen und lasse die Hunde suchen. Oder ich lege Fährten. Oder verstecke Spielzeug. Die Hunde dürfen anwechslend suchen, der jeweils andere wartet. Impulskontrolle und so. Danach spielen Kalle und ich. Ohne Spielzeug, nur wir beide. Dann fallen wir ins Gras und ruhen uns aus.

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Gemeinsame Pause
  1. Wald

Im Wald sind mehr Leute unterwegs, außerdem gibt es Rehe. Die Übersichtlichkeit ist durch erhöhte Baumdichte stark eingeschränkt. Nicht allzu erstaunlich. Kalle bleibt an der Schleppleine.

Typ 2A: Normaler Weg

Dieser Typ kommt eigentlich nur bei starkem Regen in Frage. Ansonsten wird man ständig von irgendwelchen Tutnixen überrannt oder Radfahrern überfahren. Wenn es aber regnet, hält sich der Verkehr in Grenzen und Typ 2A ist der Spaziergang mit den trockensten Füßen. Sonst passiert nichts Spannendes.

Typ 2B: Abenteuerweg

Deutlich interessanter: Wir verlassen die breiten Wege und begeben uns auf Pfade, die eigentlich zum Holzfällen gedacht waren. Oder auf sogenannte Reitwege, die so zugewachsen sind, dass Reiten dort kein Vergnügen ist. Zu Fuß ist es aber okay. Die Hunde haben die Nasen am Boden und saugen die Wildgerüche ein. Für jede Rehsichtung stopfe ich sie mit Futter voll. Dann rennen wir in die entgegengesetzte Richtung. Baumstämme laden zum Springen und Balancieren ein. Äste-Mikado trainiert die Koordination. Auf Baumstümpfen lässt es sich gut posieren. Moos ist weich und fluffig und wunderbar wälzgeeignet. Nach negativer Rehkontrolle kann man auch mal auf einer Lichtung ohne Leine rennen.

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Klettern
  1. Felder

Landschaftlich ist es nicht ganz so reizvoll. Dafür kann man hier sehr weit schauen. Keine überraschenden Begegnungen. Man kann allen Tutnixen aus dem Weg gehen. Ein Problem sind die Hasen, die sich in Senken verstecken und plötzlich aufspringen können. Kalles Lieblingsbeute. Er bleibt angeleint. Keine Ausnahmen.

Typ 3A: Schleppleine

Hier nutzt Kalle die zehn Meter Leine voll aus. Schnüffeln, rennen, warten, neben mir laufen, abwechselnd. Ich werfe Leckerchen oder „verliere“ Gegenstände und schicke die Hunde zum Suchen zurück. Wir trainieren an Bewegungsreizen mit Hilfe der weit entfernten Straße, auf der Autos vorbeiflitzen. Nicht losstürmen, kommst eh nicht weit dank Leine. Mich anschauen und Leckerlie jagen bringt mehr Spaß. Und zur Zeit ist besonders Strohballenhopsen sehr angesagt. Ansonsten einfach mal eine Weile laufen und nur Hund sein.

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Hier sehen wir die eigentlich nicht existente Ausnahme. Aber echt nur bei Strohballen.
Typ 3B: Fahrrad

Mit Kalle fahre ich sehr gerne Rad. Für Mias alte Gelenke ist das leider nichts mehr. Ohne Leine würde er schnell überdrehen. Wenn ich aber mit Leine ein gleichmäßiges Tempo vorgebe, findet er schnell seinen Rhythmus und läuft ganz entspannt. Reine körperliche Bewegung ohne geistige Anstrengung tut auch mal gut.

 

  1. Entdeckungen

Ein Spezialfall ist Kategorie 4, die Entdeckungsreisen. Wir fahren mit dem Auto an verschiedene Stellen und erforschen Neuland. Kombination aus Elementen der anderen Kategorien. Ein ganz eigener Zauber, der im Unbekannten liegt.

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Pause auf einer Wanderung
So versuche ich, unsere Spaziergänge abwechslungsreich und spannend zu gestalten, und gleichzeitig Kalle die Struktur zu geben, die er braucht. Zu viel Spannung ist dann auch nicht gut, sonst neigt er zur Überdrehtheit.

Ich kann mich nicht beklagen, dass Kalle mich nicht spannend genug fände. (Mia findet vor allem die Leckerchen spannend, die ich einstecken habe. Ist ja auch okay.) Eher im Gegenteil. Er klebt sehr an mir und manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es ihn in seiner Freiheit einschränkt. Aber das ist einfach seine Persönlichkeit. Wenn er es für seinen Auftrag hält, mich zu beschützen, dann tut er das auch. Und das geht nicht, wenn er sich von mir entfernt. Ich sehe es ähnlich, nur umgekehrt. Denn meiner Meinung nach ist er hier derjenige, auf den man aufpassen muss.

Der Schätersky – eine Gebrauchsanleitung

Vor einiger Zeit hat Lizzy auf ihrem Blog eine Gebrauchsanweisung für den Wildfang und das Indianermädchen geschrieben. Tatsächlich habe ich auch schon mal so eine Anleitung für Kalle geschrieben. Nicht für die Komplettbetreuung (das wäre dann wohl eher ein Buch), sondern nur für den Spaziergang. Für Hundebegegnungen, um genau zu sein. Denn die sind mit Kalle schon eine Wissenschaft für sich (wie meine Oma gesagt hätte). Diese Anleitung war für meine Mutter bestimmt, die regelmäßig mit den Hunden spazieren geht, wenn ich länger an der Uni bin. Jetzt gibt es sie hier exclusiv und einmalig zu lesen.

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Er mag keine Hunde. Dinosaurier sind okay.
Vorher noch kurz das übliche Gedisclaimere: Diese Anleitung wurde von einem bestimmten Menschen (mir) für einen bestimmten Hund (Kalle) geschrieben. Insbesondere ist Kalle ein Hund, der keine Gefahr für andere Hunde darstellt und niemanden verletzt. Andere Hunde können anders sein. Ich mag Kalle-Spezialistin sein, bin aber ansonsten keine Expertin. Nachahmung auf eigene Gefahr.

Und noch etwas, bevor ich Ärger bekomme: Ich verwende als Abbruchsignal ein Scht. Nein, das stimmt nicht von Cesar Millan und ich wende seine Methoden nicht an. Dieses Signal hat den Vorteil, dass hund es auch in geringer Lautstärke gut hört. Cesar Millan ist nicht der Einzige, der es verwendet. Tatsächlich schrieb Dorit  Feddersen-Petersen bereits 2004: „Ein zeitgerechtes Strafen (Wegstoßen mit zischendem Laut ö. Ä.) indes, bedeutet nicht selten den Beginn eines mühevollen Prozesses – und ist biologisch sinnvoll.“ [1] Und wenn mir irgendjemand mit einer Urangst vor Schlangen kommt, werde ich… etwas gaaanz Schreckliches tun. Denjenigen Anzischen! Hunde haben keine Urangst vor Schlangen. Das kann man leicht bestätigen. Man benötigt nur zwei Zutaten: Einen Hund und eine Schlange. Sollte gerade keine Schlange zur Hand sein, kann man ein längliches Objekt schlängelnd durch hohes Gras bewegen und zuschauen, wie der Hund darauf hopst. Übrigens ist das wichtig zu wissen, wenn man tatsächlich in Gebieten unterwegs ist, in denen es gefährliche Schlangen gibt. Die meisten Hunde reagieren auf Schlangen mit Interesse oder Beutefangverhalten. Bitte niemals davon ausgehen, dass der Hund sich instinktiv von Schlangen fernhält!

Okay, jetzt bin ich wohl ein bisschen vom Thema abgekommen. Klammer zu, weiter im Text. Aus Gründen der Faulheit Authentizität habe ich den Text nicht abgetippt, sondern das handgeschriebene Original gescannt. Erfreulicherweise sehen die Seiten so aus, als seien sie tatsächlich mehr als ein Mal gelesen worden. Falls irgendetwas unleserlich geworden ist, bitte Laut geben.

Seite 1

Seite 2

Seite 3

Tolle Grafik

Gerade überlege ich, ob mir das peinlich ist. Ein bisschen vielleicht… aber doch nicht so sehr.

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Lieber in Deckung bleiben.

[1] Dorit Feddersen-Petersen, Hundepsychologie, Kosmos, 2004

Das Superfrauchen

Mara von Aram und Abra hat zu einer Blogparade aufgerufen und sich ein ganz tolles Thema ausgedacht: Superfrauchen. Natürlich habe ich eines. Meine Klientin ist das superste Superfrauchen, das ich mir vorstellen kann. Warum? Sie hat zahlreiche Superkräfte:

Supergefahrenabwehr

Sie rettet die Welt. Meine Welt. Und das ist schließlich die wichtigste Welt überhaupt. Ihr kennt das ja. Das Leben ist voller Gefahren. Sie lauern überall und wenn ihr nicht aufpasst, springen sie plötzlich hinter einem Busch hervor und fressen euch mit Haut und Haar. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, meine Klientin auf jede mögliche Gefahr aufmerksam zu machen. Menschen, Hunde, Fahrräder, Autos, Mülltonnen, Pferde, Fliegen, Schafe, Hubschrauber, Kinderwagen, Rasenmäher, Windstöße – alles potentiell lebensbedrohlich. Meine Klientin weiß immer, was zu tun ist. Sie kommentiert alles, was ich ihr mitteile, und hat immer eine Lösung. Mutig stellt sie sich vor mich, wenn sich ein Ungetüm nähert. Ich versuche dann, mich wiederum vor sie zu stellen. Schließlich kann ich nicht zulassen, dass sie für mich ihr Leben riskiert. Doch sie bleibt hartnäckig. Sie ist wirklich furchtlos.

Superstrukturgebung

Chaos ist eine Manifestation des Bösen. Die Anderern bringen es in unsere Welt, um sie schlussendlich zu zerstören. Dem können und müssen wir entgegenwirken, indem wir Ordnung und Struktur in unseren Alltag bringen. Es ist enorm wichtig, Dinge genau so zu tun, wie man sie immer tut. Es gibt Zeiten zum Spazierengehen, zum Spielen, zum Fressen, zum Schmusen, zum Trainieren. An diese Zeiten muss man sich halten. Meine Klientin weiß das. Spaziergänge im Dunkeln müssen immer auf dem gleichen Weg stattfinden. Es gibt Wiesen, auf denen man immer spielen muss, wenn man vorbeikommt. Auf anderen Wiesen darf man dagegen nie spielen. An bestimmten Stellen muss man Pause machen. Es gibt so viel zu beachten. Sie hält sich daran. Auch wenn ich sie hin und wieder erinnern muss. Sie weiß, was Genauigkeit bedeutet. Schon deshalb sind wir verwandte Seelen.

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Zeit für den Spaziergang – Zeit für den Spaziergang – Zeit für den Spaziergang
Superlernfähigkeit

Sie hat nie ein zweites Mal versucht, mir einen Kauartikel wegzunehmen. Sie hat nie ein zweites Mal versucht, während einer Zauneskalation von hinten auf mich zuzugehen und anzumelden, dass es ihr Zaun sei. (Noch so eine clevere Empfehlung aus der Hundeschule. Sie hat sich gleich gefragt, ob es wirklich eine gute Idee ist, von hinten offensiv auf mich zuzugehen. Ist es nicht. Habe ich ihr auch so gesagt.) Sie versucht nicht mehr, mir Freunde zu finden. (Wer braucht die schon, wenn man ein Superfrauchen hat?) Außerdem habe ich ihr schon einige Kommandos beigebracht:

Mit der Schnauze anstubsen: Kopf kraulen.

Mit der Pfote anstubsen: Brust kraulen.

Auf dem Rücken liegend mit der Pfote anstubsen: Bauch kraulen.

Neben dem Sofa stehen: Zur Seite rutschen.

Bellen: Zum Fenster gehen und nach dem Grund schauen. Gegebenenfalls die Tür öffnen. (Die Türklingel ist bei uns überflüssig.)

Einen anderen Hund sehen und sie anschauen: Futter reinschieben.

Vor der Standuhr stehen: Das Spielzeug retten, das darunter gerollt ist.

Sich mit wohlriechenden Substanzen einreiben: Ganz schnell angerannt kommen und „Du Sauhund“ rufen.

Superstreichelkraft

Streicheln ist so ungeheuer wichtig. Deshalb steht meine Klientin morgens extra früher auf, um vor Morgenrunde und Uni Zeit zum Schmusen mit mir zu haben. Wenn sie zurückkommt, setzt sie sich als allererstes zu mir und krault meinen Bauch. Bevor wir zum Nachmittagsspaziergang aufbrechen, wird geschmust. Nach dem Spaziergang, vor dem Training, nach dem Training, vor dem Füttern und vor dem Schlafengehen: Ihr ahnt es. Übung macht den Meister, und sie ist richtig gut im Streicheln.

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Supertransportmacht

Sondereinsatzkommando in Aktion. Sie legt die Hand an den Griff. Ich nehme Anlauf. Sie zieht. Ich hebe ab. Die Klappe öffnet sich. Ich fliege durch den Spalt, sobald er weit genug ist. Noch in der Luft drehe ich mich um und lande sitzend und nach draußen schauend. Dieses Vorgehen bringt eine Zeitersparnis von 713ms. Mindestens. Es kann losgehen. Die Welt fängt an, sich zu bewegen. Während ich sitze, saust sie an uns vorbei. Meine Nase klebt an der Scheibe, meine Augen saugen das Wunder ein. Manchmal öffnet sie das Fenster einen Spalt. Dann halte ich meine Nase in den Wind und inhaliere die Düfte der Freiheit. Sie kann uns bringen, wohin wir möchten.

Superprioritätensetzung

„Kalle ist das Wichtigste in meinem Leben.“ [1] Das kann man so stehenlassen, denke ich.

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Superhund für ein Superfrauchen

[1] Frauchen am 28.05.17 in „Der Hund, den ich brauche