Die Sammlung, die Insel, der Hundetag

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Da hat man gerade stolz seinen ersten Liebster Award vollendet und wird dann ganz dreist zurück nominiert. Ich fühle mich geschmeichelt. Ganz besonders, weil die Nominierung mit so netten Komplimenten verbunden ist. Verrückt, frech und albern. Das hört man doch gerne.

Im Ernst, großen Dank an Undercover Labrador. Ich freue mich sehr, dass du meine Antworten hören möchtest. Hier sind sie:

  1. Wenn dein Hund mit einem anderen Tier gekreuzt wäre, welches wäre das?

Für Kalle habe ich das schon mal in deinen Kommentaren geschrieben. Da ich ein bequemer Mensch bin, kopiere ich es einfach mal:

Ziege (Gras fressen und Bocksprünge), Katze (auf Bäume klettern und Fellpflege), Igel (ängstlich und stachlig, wenn man ihm dann zu nahe kommt) und Bärenmama (wenn er glaubt, ich sei in Gefahr).

Bei Mia ist es ein Schaf, nett und brav und… na ja… ein klein wenig schafig.

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  1. Kylar hat ein großes Problem, er kackt nur bei hohem Gras und hier wurden einfach alle Wiesen gemäht. Welche verrückte Macke hat euer Hund beim Geschäft verrichten?

Solche Fragen können nur Hundemenschen stellen. Kalle mag hohes Gras gar nicht. Am Hintern kitzelnd ist es einfach doof. Außerdem braucht er Rundumblick, falls wir gerade in diesem Moment angegriffen werden. Mia benötigt vor allem Abstand zu anderen Hinterlassenschaften. Wo andere schon waren, geht sie nicht mehr in die Nähe.

  1. Welcher Spruch steht auf eurem Kaffeebecher?

Leider habe ich keinen Kaffeebecher mit Spruch. Aber schauen wir mal, ob ich wenigsten einen mit Aufschrift finde. Blick in den Schrank:

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Hm, ein Überbleibsel aus meiner Ministrantenzeit. Und dort ganz hinten?

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Ups, der gehört wohl meiner Schwester.

  1. Welche Eigenschaft teilt ihr mit eurem Hund?

Das ist eine spannende Frage, die ich schon beim letzten Mal hier beantwortet habe.

  1. Von was sammelt ihr zu viel? Bzw. eure Hunde?
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    Von hinten oben links nach unten rechts: Beppo, Kira, Sunny, Nelli, Sheena, Bibi, Kitty, Tommy, Timo, Lara, Winnie, Pettie, Sarah, Franzi, Donkey, Ignaz, Wilma, Flipsi, Luise Charlotte, Schoko, Leo, Judy, Wuschel, Koko, Nici, Penny, Murks, Curry, Stella, Trixie, Lorenz, Lina, Timmy, Katie, Lena
  2. Was ist unter eurem Bett?

Einige verlorene Hundehaare. Der Schatten eines verblassten Traums. Ein großkanonisches Ensemble von Luftmolekülen. Ein ungedachter Gedanke. Eine kleine Vakuumfluktuation. Eine erinnerte Kindheit. Ein bisschen Staub. Ein verworfener Plan. Eine Gruselgeschichte. Ein schweigendes Geheimnis.

  1. Jackpot, du fährst auf eine einsame Insel, natürlich kommt dein Hund mit, was würdest du ihm zuhause noch beibringen, bevor ihr ganz auf euch gestellt seid?

Das Wichtigste können sie bereits, denke ich. Sie sind sehr gut im Essen aufspüren und könnten auch jagen, wenn sie dürften. Mia hat eine gute Orientierung und findet Wege auch in schwierigem Gelände. Wasser findet sie ebenfalls leicht. Kalle ist aufmerksam und würde jede Gefahr sofort erkennen. Und sein Leben einsetzen, um uns zu beschützen. Außerdem macht er sich gut als Wärmflasche.

Ich dagegen müsste noch Einiges lernen. Feuer machen zum Beispiel, einen Unterschlupf bauen, alles über essbare Wildpflanzen und über Heilkräuter. Wenn ich genug Zeit habe, bringe ich ihnen bei, auf Signal bestimmte Kräuter zu finden und anzuzeigen. Bei Pfefferminze können sie es schon, den Rest lernen sie bestimmt.

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  1. Wenn du einen Tag im Körper deines Hundes wärest, was würdest du tun? Auch der Nachbarshündin hinterher laufen?

Ich würde rennen. Leichtigkeit in wirbelnden Pfoten und fließender Kraft. Fliegend.

Ich würde spielen. Jagend und kugelnd und nackenfellzerrend. Nicht denkend.

Ich würde schnuppern. Dreidimensional und scharf unterscheidend. Versinkend.

Ich würde mir ziemliche Sorgen machen, ob Kalle nun in meinem Körper ist. Möchte nicht wissen, was er dort anstellen würde. Und wie sollte ich das am nächsten Tag erklären? Beunruhigend!

  1. Du hast gepupst, deine Freunde schauen dich lächelnd an, schiebst du es auf den Hund?

Das kommt nicht vor. Es war immer der Hund.

  1. Bei einem Horrorfilm, kuschelst du mit dem Hund oder mit deinem Partner?

Ich schaue keine Horrorfilme. Mal ehrlich, die Welt ist so schon schrecklich genug. Außerdem bin ich schreckhaft. Einer ist allerdings noch schreckhafter als ich: Kalle. Würden wir zusammen einen Horrorfilm schauen, würde ich an irgendeiner Stelle zusammenzucken. Kalle würde aufspringen und vorsichtshalber in Alarmbellen explodieren. Uns beiden würde fast das Herz stehen bleiben.

An dieser Stelle sollte ich weitere Blogs nominieren. Allerdings fallen mir so schnell keine neuen Fragen ein. Deshalb werde ich dieses Mal nicht nominieren. Wer sich meinen verrückten Fragen von letztem Mal stellen möchte, ist herzlich eingeladen.

Gemeinsamkeiten, Ärgernisse, Unwiderstehliches

Wir wurden von der lieben Fely von Taos wildes Leben zum Liebster Award nominiert. Das freut uns sehr! Lieben Dank für die Nominierung und die spannenden Fragen. Und hier sind meine Antworten:

Wo bist du neben deinem Blog noch so zu finden?

Im Internet vor allem auf Instagram. Nach meinem Rauswurf aus FB ist Instagram schnell zu meinem liebsten sozialen Medium geworden, auf dem ich zur Zeit fast täglich unterwegs bin. Außerdem gibt es uns auch auf Twitter. Im echten Leben findet man mich häufig am Institut für Theoretische Physik Frankfurt oder mit meinen Hunden in den Wäldern und Wiesen der Umgebung.

Wovon kannst du nicht genug haben?

Hunden!!! Diese Antwort musste natürlich sein. Besonders vom Schmusen mit meinen Hunden. Schokolade, Erdbeeren und Bücher kann es auch nie genug geben.

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Genug Kalle geht nicht

Wo kann/können dein/e Hund/e einfach nicht widerstehen?

Kalle: Zu meinem Leidwesen das Hetzen von allem, was sich von ihm wegbewegt. Ein einziges Mal habe ich ihn in  übersichtlichem Umfeld von der Leine gelassen – nicht ohne genau zu prüfen, dass kein Wild in der Nähe ist. Ein fahrendes Auto auf einer weit entferneten Straße, und weg war der Hund. Ich sah ihn als einsamen Punkt am Horizont entschwinden. Irgendwann fand ich ihn auf einem Feld sitzend wieder. Seitdem lasse ich ihn nur noch dort von der Leine, wo man nicht weit schauen kann. Die zweite Situation, in der er nicht widerstehen, ist erfreulicher: Schmusen. Sobald ich mich auf den Boden setze, habe ich einen Hund auf dem Schoß. Selbst während ich Futter vorbereite, versucht er, Streicheleinheiten abzustauben. Während Mia maulend daneben steht und mit stechendem Collieblick „schneller-schneller-schneller“ denkt.

Mia: Mäusejagd ist ihre große Leidenschaft. Bei heißem Wetter gehen wir auf unseren Nachmittagsspaziergängen nur bis zur nächsten Wiese und knallen uns dort in den Schatten. Das heißt, Kalle und ich tun das. Mia hüpft fröhlich in brennender Hitze über die Wiesen und sucht Mäuse. Wenn ich ihr irgendwann eine Pause verordne, schaut sie mich an wie ein Kind, dem man sein Lieblingsstofftier weggenommen hat.

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erzwungene Pause
Was machst du, wenn du dich nicht mit deinem/n Hund/en beschäftigst, gerne?

Neben Hunden gilt meine Leidenschaft der Physik. Zur Zeit schreibe ich an einem Paper zur Isospinverletzung im erweiterten Linearen Sigma-Modell. (Nein, das kann man nicht essen.) Da sowohl die Hunde als auch Studium und Forschung recht zeitintensiv sind, gibt es wenig, das ich außerdem noch mache. Wenn ich Zeit habe, lese ich sehr gerne. Und blogge eben neuerdings.

Was ärgert dich an deinem/n Vierbeiner/n am meisten und warum?

Kalle: Sein Verhalten gegenüber anderen Hunden. Zum Beispiel heute: Wir haben eine Frau mit ihrer Hündin getroffen, die Mia und ich seit zwölf Jahren kennen. Während ich mich mit ihr unterhalte, steht ihre kleine und inzwischen vierzehnjährige Hündin zwei Meter von uns entfernt und fragt sehr höflich, ob sie bittebitte näherkommen und mich begrüßen darf. Kalle: „NEIN!“ Ich hätte so gerne ja gesagt. Leute, die uns nicht kennen, denken häufig, ich würde Kalle den Umgang mit anderen Hunden verbieten. In Wirklichkeit ist es umgekehrt.

Mia: Ihre Langsamkeit. Wenn jemand so wahnsinnig langsam ist, kann mich das echt auf die Palme bringen. Manchmal sogar bei einem Hund.

In welchen Punkten ähneln sich du und dein Hund?

Kalle: Wir sind introvertiert, zurückhaltend gegenüber Fremden (vorsichtig ausgedrückt) und recht unsicher. Außerdem sind wir zuverlässig, loyal und können den ganzen Tag schmusen. Wir beide nehmen Dinge sehr genau, was vermutlich einer der Gründe ist, weshalb wir so gerne zusammenarbeiten. An Regeln, die wir sinnvoll finden, halten wir uns kompromisslos, andernfalls finden wir gerne Wege, sie zu umgehen. Wir haben beide einen Hang zum Perfektionismus und wollen gerne alles gut und richtig machen. Für einen Hund denkt Kalle ungewöhnlich logisch und scheint die Grundprinzipien der Kausalität zu verstehen. Auch wenn es ein wenig arrogant ist, würde ich logische Intelligenz und Kreativität beim Finden von Lösungsansätzen als eine weitere unserer Gemeinsamkeiten nennen. Wir sind große Quatschgurken und bringen einander gerne zum Lachen. Kalle ist einer dieser Hunde, die richtig lachen können – selbst wenn er den Witz nicht verstanden hat, lässt er sich von mir anstecken. Und wir essen beide sehr gerne!

Mia: Ist ebenfalls introvertiert und zurückhaltend. Wir sind beide ruhige Persönlichkeiten. Außerdem teilen sie und ich die Liebe zur Sonne und zu Kaninchen und unsere Neugierde.

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Und natürlich mögen wir alle drei Spaziergänge.
Nun habe ich zehn Fragen und ein Problem.

Zuerst das Problem: Den Liebster Award gibt es schon seit Längerem. Die meisten wurden bereits mehrfach nominiert und ich weiß nicht, wer überhaupt noch möchte. Ich habe nun versucht, von denjenigen Blogs, die ich klasse finde, diejenigen zu nominieren, die (hoffentlich habe ich nichts übersehen) noch nicht allzu häufig dran waren. Das sind:

Undercover Labrador

Vier Pfoten zum Glück

Es rumort

Wohlstandshund

Buddy schreibt

Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr mitmacht. Und hier sind die Fragen:

  1. In welchen Momenten bist du am glücklichsten?
  2. Wenn dein Hund ein Mensch wäre, welchen Beruf hätte er wohl?
  3. Wenn du ein Hund wärst, welche Rasse (bezüglich der typischen Eigenschaften) wärst du?
  4. Was ist dein Lieblingsgeruch?
  5. Dass dein Hund magisch ist, wusstest du schon immer. Nun kommt er nach Dogwarts auf die Hundeschule für Hexerei und Zauberei. Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw, Slytherin – in welchem Haus landet er?
  6. Welche Eigenschaften schätzt du an anderen Menschen am meisten?
  7. Und an Hunden?
  8. Wenn du kein Geld mehr verdienen müsstest, würdest du deine jetzige Beschäftigung weitermachen. Falls nein, was würdest du stattdessen tun?
  9. Was ist das Wichtigste, das du von deinem Hund gelernt hast?
  10. Herzlichen Glückwunsch, soeben hast du die Weltherrschaft erlangt. Was ist deine erste Änderung?

 

 

Das Facebook

Wenn du dazugehören möchtest, musst du…

… mit Murmeln spielen. (2. Klasse)

… Diddl-Blätter sammeln. (4. Klasse)

… in der Akrobatik-AG sein und keinesfalls in der Bienen-AG. (6. Klasse)

… Modezeitschriften lesen und Markenkleidung tragen. (8. Klasse)

… bei Facebook sein. (10. Klasse – und es hat nie aufgehört.)

Das konnte ich noch nie leiden!

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Dabei sind Bienen so toll

Direkt nachdem ich eine Seite für diesen Blog erstellt hatte, wurde mein FB-Konto gesperrt. Die Begründung: „Verdächtige Aktivität“. Ich habe nichts gepostet, das auch nur annähernd verdächtig wäre. Außer die nehmen meine Schätersky-Geschichten ernst. Jedenfalls sollte ich ein Foto von mir schicken. (Wollen die überprüfen, ob ich verdächtig aussehe, oder was?) Brav wie ich bin, habe ich das getan. Es hieß, die wollten mich „innerhalb von 72 Stunden“ darüber informieren, ob das Bild ihren „Anforderungen genügt“. Das ist nun mehrere Wochen her.

Ich habe nichts mehr gehört. Mein Konto ist und bleibt gesperrt. Um gegen die Sperrung Einspruch zu erheben, müsste ich meinen Ausweis einsenden.

Das werde ich nicht tun. Ich sehe es überhaupt nicht ein. Die haben kein Recht darauf, meinen Ausweis zu sehen. Die denken, sie könnten sich alles erlauben, weil sie unverzichtbar sind. Aber nicht mit mir. So.

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Wir werden beobachtet

Kann man ohne FB leben? Ja.

Wird mein Blog ohne FB bekannt werden? Vermutlich nicht.

Wäre er mit FB bekannt geworden? Vermutlich nicht.

Wenn die sich nicht melden, werde ich es dabei belassen. Und wenn die die Welt beherrschen, werde ich frei bleiben.

Na ja, nicht ganz frei. Wir sind nun auf Instagram und Twitter zu finden.

Blogparade: Was ist in meiner Hundetasche?

Katrin von der Monstermeute hat uns zur Blogparade „What’s in my dog’s bag“ nominiert. Das freut uns sehr und ich lege gleich mal los.

Zunächst muss ich gestehen: Meine Hunde haben gar keine Tasche. Auf normalen Spaziergängen wird alles in Jacken- und Hosentaschen gestopft.  Das sind: Taschentücher in der rechten Tasche, Schlüssel, Leckerlie und Kotbeutel in der linken. Diese strikte Aufteilung ist notwendig, da ich es nicht ausstehen kann, wenn meine Taschentücher nach Huhn-und-Fisch-Kroketten in fluider Form riechen. Besonders im Sommer behalten die Leckerchen ihren Ursprungszustand in der Regel nicht bei.  Und das war es auch schon. Ich schleppe ungern unnötiges Zeugs durch die Gegend.

Für Wanderungen reicht das natürlich nicht. Dann kommt der Rucksack zum Einsatz. Er enthält ebenfalls Taschentücher und Kotbeutel, außerdem mein Handy, mein Portemonnaie, Bonbons, Wasser für die Hunde und mich, einen leichten Blechnapf, Proviant für uns alle, eine Ersatzleine, je nach Wetterlage zusätzliche Kleidung für mich, Verbandsmaterial, eine Zeckenzange, ein Taschenmesser, einen Kompass, ggf. eine Karte und eine Rettungsdecke. Damit sind wir hoffentlich für alles gerüstet.

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Standardausrüstung

Manchmal nehme ich noch den Futterbeutel mit, um unterwegs Suchspiele zu machen.  Oft benutze ich dafür aber auch etwas, das ich ohnehin dabeihabe und dann „verliere“, sodass die Hunde suchen dürfen. Meine Kamera ist ebenfalls häufig dabei, wird aber griffbereit am Gürtel befestigt.

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So, jetzt zum schwierigen Teil. Wer hat noch nicht teilgenommen und möchte über den Inhalt seiner Tasche berichten? Wie wäre es mit Bolle Bollito, wenn Sarah möchte?  Ansonsten freuen wir uns natürlich auch über andere Taschen, in die wir unsere Nasen stecken dürfen.

 

Von der Friedfertigkeit der knurrenden Hunde

Was ich hätte sagen können

„Passen Sie auf, der Hund da vorne ist aggresiv!“ Die Stimme der Dame neben mir hat einen verschwörerischen Unterton. Sie weist auf einen schwarzen Mischlingshund, der ein Stück entfernt angeleint ruhig neben seinem Frauchen herläuft.  Seine Körperhaltung ist unsicher und er schaut immer wieder zum anderen Leinenende auf. „Der hat meinen vorhin angeknurrt!“ Gerechte Empörung schwingt in diesen Worten mit. In diesem Moment prescht ihr freilaufender Labrador in uns hinein. Woraufhin Kalle – genau – knurrt. Das Gespräch findet ein vorzeitiges Ende.

Leider war ich in diesem Moment sprachlos. Leider war das keine Ausnahme. Irgendwie geht mir das ständig so. Nachfolgend eine Sammlung von Aussagen über knurrende Hunde, die ich schon mehrfach gehört habe. Und was ich darauf hätte sagen können.

„Ein Hund, der knurrt, ist aggressiv.“

Paula und Lukas sind Schulkinder. Paula ist hübsch, aber unsicher und ein wenig ängstlich. Lukas ist eben ein Junge in einem gewissen Alter, in dem er glaubt, sich ständig beweisen zu müssen. Auf dem Pausenhof kommt es zu folgender Situation: Paula sitzt alleine auf einer Bank. Sie fühlt sich heute nicht so wohl und die anderen Kinder sind ihr momentan zu laut und anstrengend. Lukas und seine Freunde kommen an der Bank vorbei. Lukas grinst Paula an. Sie weicht seinem Blick aus und schaut in ein Buch, das sie auf dem Schoß hält. Trotzdem geht er zu ihr und setzt sich neben sie: „Hey, was läuft bei dir?“ „Nichts…“, murmelt sie. Sie müsse jetzt hineingehen. Aber natürlich kann Lukas nicht hinnehmen, dass Paula ihn zurückweist. Seine Freunde sehen ja zu. Also hält er sie Handgelenk fest und beginnt auf sie einzureden. Paula versucht sich loszumachen, aber Lukas ignoriert sie. Er wollte ja nur freundlich sein, da muss sie ihn jetzt nicht so behandeln. Dann hat Paula genug. „Jetzt lass mich los, du Blödmann!“ Sie tritt nach seinem Bein. Da greift der aufsichtsführende Lehrer, der die ganze Zeit zugeschaut hat, ein und trennt die Kinder, entsetzt über Paulas Verhalten. Nach Schulschluss telefoniert er mit Paulas Eltern und berichtet ihnen von dem Aggressionsproblem ihrer Tochter. Er gib ihnen zu verstehen, dass sie Paula ja überhaupt nicht im Griff hätten. In der Erziehung müsse ja einiges falschgelaufen, überhaupt hätten sie als Eltern in ganzer Linie versagt.

Kommt Ihnen das Verhalten des Lehrers merkwürdig vor? Würden sie seiner Interpretation von Paulas Verhalten zustimmen?

Jetzt sind Paula und Lukas Hunde auf der Hundewiese. Paula liegt etwas abseits der spielenden Hunde im Gras. Jungrüde Lukas sieht sie an und wedelt begeistert. Sie weicht seinem Blick aus und schnuppert an einem Grashalm. Trotzdem kommt er auf sie zugesprungen und beschnüffelt sie. Paula steht auf, schüttelt sich und möchte weggehen. Doch Lukas verperrt ihr den Weg und fordert sie zum Spielen auf. Erfolglos versucht sie, der Situation zu entkommen. Lukas bleibt hartnäckig und lässt sie nicht gehen. Dann hat Paula genug. Sie knurrt Lukas an und schnappt nach seiner Seite.

Unterscheidet sich die zweite Paula so sehr von der ersten?[1]

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Knurren ist normale Kommunikation

„Ein Hund, der knurrt, ist dominant.“

Erstmal ist Dominanz ein situativer Begriff. Ein Lebewesen kann sich in einer bestimmten Situation dominant gegenüber einem anderen verhalten. Nämlich genau dann, wenn es gegenüber dem anderen seinen Willen durchsetzt. Beispiel: Kalle steht am Fenster und kläfft ein Eichhörnchen an. Das macht ihm Spaß, deshalb will er natürlich weitermachen. Ich hingegen möchte, dass er damit aufhört. Es nervt nämlich ziemlich. Deshalb schicke ich ihn auf seinen Platz. Er sieht mich finster an, gehorcht aber. Auf dem ganzen Weg vom Fenster zu seinem Korb und auch noch eine Weile danach sieht er mich an und knurrt vor sich hin. (In solchen Situationen bin ich froh, dass er nicht sprechen kann. Ich möchte nicht wissen, mit welchen Schimpfwörtern er mich bedenkt.) War er deshalb in dieser Situation dominant?

„Mein Hund hat mich nicht anzuknurren.“

Ich bin frustriert. Schon seit mehreren Stunden sitzte ich an dieser Matheaufgabe und bin noch keinen Schritt weitergekommen. Mittlerweile habe ich starke Kopfschmerzen und meine Nerven liegen blank. Und ständig bellt dieser Hund. Die Nachbarn streichen die Fassade, deshalb taucht andauernd jemand auf dem aufgestellten Gerüst auf. Jedes Mal explodiert Kalle in ohrenbetäubendem Gebell. Jetzt schon wieder. „HALT VERDAMMT NOCH MAL DEIN SCH***- MAUL!!!“, schreie ich ihn an, während ich wütend auf ihn zugehe. Er fährt herum und schießt knurrend auf mich zu. Schnappt nach meiner Hand. Ich bin erschrocken. Betroffen von meinem Verhalten. Alle Wut ist weg. Ich kniee mich hin und flüstere eine Entschuldigung. Kalle leckt meine Hand. Die andere Hand und das Kinn auch, wo er doch gerade schon dabei ist. Ich lasse Mathe Mathe sein und lege mich mit ihm auf den Boden. Beim Beschmust-Werden entspannt sich Kalle und vergisst endlich die Nachbarn.

Er hatte jedes Recht mich anzuknurren. Weil ich mich nämlich unmöglich benommen habe. Ich bin froh, dass er mir das unmissverständlich gesagt hat. Umgekehrt mache ich es ja genauso. Nur dadurch können wir uns sofort wieder versöhnen.

„Einem knurrenden Hund muss man zeigen, wer der Chef ist.“

Wer sagen muss: „Ich bin der Chef!“, ist nicht der Chef.[2] Wer sich von einem Knurren ängstigen oder provozieren lässt, ist sich seiner Position nicht sicher. Ist weder kompetent noch souverän. Wer wirklich der „Chef“ (im Sinne einer kompetenten, souveränen Führungsperson) ist, muss seinen Status nicht extra betonen, um anerkannt zu werden. Kann eigene Fehler zugeben, ohne um seine Position fürchten zu müssen. Und versucht sie ganz sicher nicht Drohungen und Gewalt zu erhalten. Weil er (oder sie) das nicht nötig hat.

„Ein Hund, der Kinder anknurrt, ist gefährlich.“

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ein äußerst gefährlicher Hund

Mia ist die Gefährtin meiner Kindheit. Schon seit über der Hälfte meines Lebens meine Freundin und Begleiterin. Wir haben zusammen gespielt: Meine Hände steckten in dünnen Handschuhen. Ich bewegte sie durch das Laub und tat, als ob es Mäuse wären. Mia sprang darauf, hielt sie erst mit den Pfoten und dann mit den Zähnen fest. Versuchte mir die Handschuhe von den Fingern zu ziehen, während ich dagegenhielt. Diese Spiele verliefen teilweise recht wild. Aber sie hat mich dabei nie verletzt. (Allerdings wunderten sich meine Eltern, warum meine Handschuhe ständig kaputt waren…) Einmal waren wir zu zweit im Wald unterwegs und in ein Spiel vertieft. Plötzlich das Gefühl, das mich jemand ansah. Ich blickte auf und traf den Blick eines fremden Mannes. Aus irgendeinem Grund war er mir unheimlich. Ein Gefühl der Angst durchströmte mich. Sofort hatte Mia ihren Stock vergessen und stellte sich vor mich, während sie den Fremden anbellte. Er ging weiter. Wahrscheinlich wäre ich überhaupt nicht in Gefahr gewesen. Trotzdem war ich ihr sehr dankbar. Jede meiner Ideen hat sie mitgemacht. Auch die weniger guten. Wenn ich so etwas mit meinem Kaninchen versucht hätte, hätte es mich gebissen. Und unsere Katze hätte Hackfleisch aus mir gemacht. (Dank dieser Katze konnte ich früh die Erfahrung machen, dass Tiere kein Spielzeug sind. Dass sie das Recht haben, nicht von kleinen Patschehändchen angefasst werden zu wollen.) Meine Mia war für mich schon viel, aber niemals gefährlich. Für andere natürlich auch nicht. Selbst die Kaninchen sind bei ihr gut aufgehoben.

Weihnachten vor einigen Jahren. Die ganze Familie (mein Großvater, seine vier Kinder, deren Partner und Kinder, letztere teilweise wiederum mit Partnern und Kindern, meine Mia) sitzt an einem Tisch. Bis auf die kleine Tochter meiner Cousine und Mia, die sitzen unter dem Tisch. Mia darf nicht auf einem Stuhl sitzen. Die Kleine möchte nicht. Sie ist begeistert von dem Wau-Wau. Einige Zeit lässt der sich ihr Streicheln und am-Fell-Herumzupfen gefallen. Als sie jedoch an den Ohren zupft, sieht Mia das Mädchen streng an, hebt nachdrücklich die Lefze und knurrt leise. Ohne Aggression, nur ein deutliches „Nein.“ Da wir das Ganze natürlich beobachtet haben, können wir die Kleine wegholen und mit etwas anderem beschäftigen. Das Knurren hat eine Konfliktsituation im Ansatz aufgelöst. Ein unsicherer Hund hätte vielleicht stattdessen beschwichtigt. Auch dann hätten wir die Situation natürlich aufgelöst. Doch Beschwichtigungssignale werden leider von vielen übersehen. Knurren ist viel deutlicher. Knurrende Hunde sind im Allgemeinen nicht gefährlich. Gefährlich sind die Hunde, die „ohne Vorwarnung“ zubeißen, weil man ihnen das Warnen durch Strafe abgewöhnt hat und die Beschwichtigungssignale übersieht

[1] Die Kinder Paula und Lukas sind frei erfunden. Bei den Hunden wurden die Namen geändert.

[2] Frei nach George R. Martin

Monatspfoto April

Da ich die Monatspfotos immer total toll finde, mache ich diesen Monat auch mal mit. Obwohl ich gerade erst mit dem Bloggen angefangen habe und meine Fotos nicht allzu professionell sind…

Anja von dunkelbunterhund hat diesen Monat das Motto „Frühlingsfrische“ ausgewählt. Wie erleben wir also das Frühlingsfeeling?

Auf jeden Fall auf Wanderungen. Das warme, trockene Wetter in den letzten Wochen war dafür natürlich ideal.

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Sogar die Badesaison wurde von meinen Hunden schon eingeleitet.

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Auch ein sicheres Zeichen von Frühling: die vielen Kaulquappen.

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Und Frühling bedeutet Blumen.

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Mitten darin liegen und sich den Frühlingswind um die Nase wehen lassen. Einfach mal nichts tun.

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Monatspfoto!

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Lauflie und Schätersky

Es gibt unzählige verschiedene Hunderassen. Neben Labrador und Pudel, Mops und Beagle seit einiger Zeit auch Labradoodle und Puggle. Designerhunde, passend zu Designerschuhen und Designerhemden. Noch niedlicher, noch braver, noch freundlicher, einfach noch besser. Behaupten die Züchter. Sehr fragwürdig insgesamt. Warum sollten sich ausgerechnet die Friedfertigkeit und Fröhlichkeit des Beagles sowie die leichte Erziehbarkeit des Mopses durchsetzen? Jetzt nur mal als Beispiel. Was ist, wenn der Puggle den Jagdtrieb, die Sturheit und Verfressenheit des Beagles mit dem Schnarchen und der Neigung zur Fettleibigkeit des Mopses vereint? Niemals, werden vielleicht einige aufschreien. Oder vielleicht bei anderen. Aber wir/unsere Züchter wählen die Elterntiere sorgfältig aus. Da kann gar nichts schief gehen. Unsere Hunde sind vollkommen.

Sie haben recht. Alle Ihre Hunde sind vollkommen, so wie sie sind. Meine sind es auch. Mein Lauflie (Laufhund-(Kurzhaar-)Collie-Mix) und mein Schätersky (Schäferhund-Terrier-Husky-Mix) sind die besten Hunde, die man sich vorstellen kann. Ich möchte sie genau so haben, wie sie sind. Und nicht anders. Vor einiger Zeit habe ich gehört, wie sich zwei Besitzer von Hunden derselben Rasse unterhielten. Über die vielen nur guten Eigenschaften dieser Rasse und speziell der eigenen Hunde. Diese Leute leben anscheinend mit Heiligen zusammen. Und ich frage mich, wie sie sich dabei fühlen. Ganz ehrlich, ich würde mich schrecklich fühlen! Denn ich bin selbst alles andere als perfekt. Manchmal bin ich unsicher. Manchmal bin ich genervt und wütend. Manchmal esse ich zu viel Schokolade. Meine Hunde lieben mich trotzdem. In einer Gesellschaft, die einem häufig das Gefühl gibt, perfekt sein zu müssen, werden wir von unseren Hunden bedingungslos akzeptiert, mit allen unseren Fehlern. Sind wir ihnen nicht das Gleiche schuldig? Wie können wir Perfektion erwarten? Wie können wir uns anmaßen, andere Lebewesen designen zu wollen, als wären sie Modeartikel? Bitte legen Sie an dieser Stelle eine Minute der stillen Besinnung ein, in der Sie über die Überheblichkeit der menschlichen Spezies nachdenken.

Zurück zu meinen beiden Straßenmischlingen. Ähm, Designerhunden. Einmalige, höchst wertvolle Exemplare. Mit vielen wundervollen Eigenschaften. Lauflie Mia ist der ruhigste, entspannteste Hund, den man sich vorstellen kann. Durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Bleibt immer gelassen. Auch wenn sie auf der Straße steht. Und gerade ein Auto kommt. Und ich sie dringlichst rufe. Schaut sie mich mit diesem Blick an. Der sagt: „Mach nicht so einen Stress. Das Auto wird schon bremsen.“ Dann kommt sie. In ihrem Tempo. Das leider nicht besonders schnell ist. Von ihr lerne ich, was es heißt, sich nicht von seiner Umgebung unter Druck setzen zu lassen. Und dass Hunde in Straßennähe an der Leine am besten aufgehoben sind. Trotzdem habe ich von ihr nicht so viel gelernt wie von Schätersky Kalle. Man werfe die Neigung zum eigenständigen Handeln des Huskys, den Schutztrieb des Schäferhunds und das Hau-drauf-Temperament des Terriers in einen Topf, rühre gut um und würze das ganze mit einem guten Schuss Ängstlichkeit, die von Erlebnissen im Welpenalter herrührt. Das Ergebnis lässt in Sachen Lernerfahrung nichts zu wünschen übrig. In fremder Umgebung überwiegt die Ängstlichkeit. Ich lerne, unbeirrbar voran zu gehen. Und wie sehr Hunde vertrauen können. Kalle ist mutiger, als ich es je sein werde. Auch ist er wahnsinnig aufmerksam. Reagiert auf die kleinsten Veränderungen meiner Körpersprache. Lässt sich mit kleinsten Gesten und Blicken, oft sogar durch Gedanken lenken. Und er reagiert auch auf die kleinsten Veränderungen in der Umgebung. Ein Auto fährt vor unserem Haus vorbei? Das muss man Frauchen unbedingt mitteilen. Lautstark! Auf einem Spaziergang kommt ein Mensch oder anderer Hund in Sicht? Sofortiger Handlungsbedarf! Durch Erstarren und einen Blick in die relevante Richtung zeigt er mir den Gegenstand seiner Beunruhigung an. Dann muss ich eine Entscheidung treffen, was zu tun ist, und sie ihm mitteilen. Und zwar schnell. Sonst entscheidet er nämlich selbst! Und die Konsequenzen so einer Schätersky-Entscheidung sind für keinen der Beteiligten angenehm. Ich lerne immer aufmerksam zu sein. Entscheiden, ohne zu zögern. Und dann hinter dieser Entscheidung zu stehen. Auch wenn sie dem Herrn Schätersky gerade nicht passt. Und dann sind da noch die Momente im eigenen Revier, am Zaun mit dem Nachbarshund auf der anderen Seite. Reine, ungehemmte Wut. Ansprechbarkeit gleich Null. Nur Knurren, Adrenalin und schnappende Zähne. Hier lerne ich, dass man Wut nicht mit Wut bekämpfen kann. Nur ruhiges, standhaftes Dagegenhalten hilft. Dass Hunde nicht nur Schmusetiere sind, sondern auch Raubtiere. Dass Aggression dazugehört, die wir so gerne ausblenden und unterdrücken. Und dass auch nach der heftigsten Auseinandersetzung Versöhnung möglich ist. Dass die Verbindung zwischen meinen Hunden und mir so stark ist, dass sie jedem Streit standhält. Ist das nicht schön?

Ich gebe zu, dass insbesondere Kalle nicht zu jedem Menschen in jeder Lebenssituation passen würde. Aber ich bin überzeugt, dass jeder im Tierheim einen Hund finden kann, mit dem er sich so gut versteht wie meine Hunde und ich. Vielleicht ist es ein Labweiler oder ein Staffmatiner oder ein kleiner Zwergschnauckel. Oder einfach der bekannte Lastrami. Viellleicht auch einer der vielen Schäferhunde und sogenannter Kampfhunde, die nur wegen ihrer Rassezugehörigkeit übersehen im Tierheim festsitzen. Alle diese Hunde sind sicher nicht perfekt. Dafür sollten wir dankbar sein. Denn Perfektion bedeutet das Ende des Lernens. Doch Lernen ist Entwicklung und Entwicklung ist Leben.