Das Signal

„Außerirdische Intelligenz“, murmelt meine Klientin, “ die Kontakt mit uns aufnehmen will, bei jedem Pulsarsignal der gleiche Schwachsinn.“

Furchtbarer Schwachsinn, solange ich hier für die Sicherheit zuständig bin, nimmt überhaupt niemand Kontakt zu uns auf, schon gar keine außerirdische Intelligenz, wo kämen wir denn da hin?

„Ich kann mir genau vorstellen, wie das Interview ablief: Könnte es nicht außerirdische Intelligenz sein? – Nein, das ist ein Pulsar, der diese typischen regelmäßigen Signale sendet, nennt man übrigens Lighthouse effect, entsteht durch schnelle Rotation massiver Neutronensterne, die elektromagnetische Felder…“

Das klingt gar nicht gut, wenn ich an den massiven Schäferhund vom anderen Ende der Straße und den elektrischen Zaun bei den Wolltieren denke (nicht zu spaßen mit beidem), sollte ich wohl lieber…

„- Aber können Sie denn hundertprozentig ausschließen, dass es Außerirdische waren? – Wie soll man denn so etwas hundertprozentig ausschließen, wird ein genervter Astrophysiker geantwortet haben, aber es ist extrem unwahrscheinlich,…“

…  gleich Alarmstufe blau ausrufen.

„…FRB 121102 ist nach unserer Theorie ein Millisekunden-Magnetar, umgeben von einem Supernovaüberrest und Pulsarwindnebel…“

Oh nein, wie furchtbar, eine Nora ist ja schon fantastisch, da muss eine Supernora unglaublich großartig gewesen sein – und nun wurden ihre Überreste gefunden, wahrscheinlich ermordet von diesem massiven Elektrowesen. Vergesst Alarmstufe blau, das hier ist Alarmstufe ultraviolett!

2018_03_2_lz | 365tageasatzaday

Ein Beitrag zu den abc Etüden. Die Graphik ist wieder von Ludwig .

Der Vollständigkeit halber die Literatur:

D. Michilli,  A. SeymourJ. W. T. HesselsL. G. SpitlerV. GajjarA. M. ArchibaldG. C. BowerS. ChatterjeeJ. M. CordesK. GourdjiG. H. HealdV. M. KaspiC. J. LawC. SobeyE. A. K. AdamsC. G. BassaS. BogdanovC. BrinkmanP. DemorestF. FernandezG. HellbourgT. J. W. LazioR. S. LynchN. MaddoxB. MarcoteM. A. McLaughlinZ. ParagiS. M. RansomP. ScholzA. P. V. SiemionS. P. TendulkarP. Van RooyR. S. Wharton D. Whitlow: An extreme magneto-ionic environment associated with the fast radio burst source FRB 121102, Nature 553, 182–185 (11 January 2018) doi:10.1038/nature25149

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Die bewegende, tief berührende Geschichte eines untalentierten Kamels fernab der Heimat

Kamel

Im Flussbett

Kann nicht klöppeln

Es möchte nach Hause

Langwierig

2017_48.17_zwei_lz | 365tageasatzaday
Graphik von ludwigzeidler.de

Siehst du, liebes Schwesterchen, ich veröffentliche unser Gedicht zu den abc.etüden tatsächlich. Dein Einfall mit dem Elfchen war wirklich grandios. Und das Kamel als Protagonist und Sympathieträger in diesem Werk ist geradezu ein literarischer Geniestreich von dir. Als genügsames Wüsten- und Lastentier, dem dank fehlender Daumen die Genüsse der Handarbeit versagt bleiben, passt es perfekt in die trostlose Atmosphäre des ausgetrockneten Flussbettes. Dies kann man durchaus als Metapher für die Entfremdung des Menschen von seiner Hände Arbeit betrachten, die trotz aller Sehnsucht nach Heimat in einer tiefen Heimatlosigkeit  resultiert. Dabei erscheint das Unterfangen, einem Kamel das Klöppeln beizubringen, langwierig, gleichsam aussichtslos. Hier müssen sicher Alternativen gesucht werden. Somit erhält der Text eine zukunftsweisende Richtung, die Raum lässt für eigene Kreativität und Lösungsansätze für eine schwerwiegende gesellschaftlich Problematik. In hundert Jahren wird jedes Kind im Deutschunterricht unser Elfchen behandeln. Bestimmt!

An den Leser: Ein Elfchen ist ein Gedicht aus genau elf Wörtern. Kennst du vielleicht aus der Grundschule. Der Rest ist ausgemachter Blödsinn. Erstaunlich, dass du bis hierher gelesen hast.

Vor einem Jahr…

… habe ich meinen ersten Gastbeitrag für Issn‘ Rüde geschrieben. Eigentlich um meinem Ärger über Rücksichtslosigkeit ein bisschen Luft zu machen und ein paar Anekdoten über andere Hundebesitzer loszuwerden. Dabei habe ich dann gemerkt, dass mir das Schreiben ziemlich Spaß macht. Der Gedanke an eigenen Blog kam auf. Schließlich hat es erstmal noch ein Weilchen gedauert, bis ich diesen Gedanken umgesetzt habe. Ein weiterer Gastbeitrag, ein bisschen überlegen und planen. Eifrig andere Blogs lesen. Bis ich letzten April diesen Blog hier begann. So war das.

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Heute also nur ein sehr kurzer Text. Und die Einladung, den oben verlinkten Beitrag zu lesen, wenn man möchte…

Fridolin

2017_45.17_zwei_lz | 365tageasatzaday

Sie sah sie nicht, so sehr sie sich auch anstrengte. Sie betrachtete das silberne Ahornblatt, blickte auf die kahle Stelle an der Wand und versuchte sich das Gefühl in Erinnerung zu rufen, wie sie sich mit der Kette um den Hals betrachtet hatte in dem Spiegel, der ihr mittlerweile unerträglich geworden war, sich vielleicht nicht schön, aber doch recht hübsch gefunden hatte. Die Schönheit des Anhängers war verschwunden, so wie alle Schönheit verschwunden war.  Langsam legte sie die Kette auf den Nachttisch zurück und ließ sich wieder auf ihr Kissen sinken. Sie hatte aufstehen wollen, hatte es wirklich versucht, wenigstens für ein Glas Wasser, doch schon der Weg in die Küche kam ihr wie eine Chinareise vor, unvorstellbar das momentan zu schaffen. Fridolin der Dackel, der zusammengerollt neben ihrem Kissen geschlafen hatte, krabbelte zu ihr herüber und leckte ihr Ohr. Er musste schrecklich hungrig sein, sie war die schlechteste Hundehalterin der Welt. Seine dunkelbraunen Augen blickten sie mit einer Wärme und Zuneigung an, die sie nicht im Geringsten verdient hatte. Und in diesem Blick sah sie – nicht die Schönheit zwar, doch eine Ahnung ihrer Existenz, als ob sie bloß irgendwo versteckt wäre, als ob sie sie irgendwie wiederfinden könnte. Plötzlich wurde ihr klar, dass sie für ihn nach China reisen und in die Küche gehen würde, um Futter in seinen Napf zu füllen, dass sie für ihn durch die Sahara wandern und nach draußen gehen würde, um ihn spazieren zu führen, und dass sie vielleicht, ganz vielleicht auch für ihn zum Mond fliegen würde, zum Telefon greifen und eine Nummer wählen und sich auf die Suche nach der verlorenen Schönheit machen würde.

Wieder mal im letzten Moment ein Beitrag zu den abc.etüden. Die Graphik ist von  ludwigzeidler.de.

Parallelwelt in _.214

2017_44.17_eins_lz | 365tageasatzaday

Hyperknall, er hatte tatsächlich Hyperknall gesagt. Dieses Wort existierte nicht einmal, dessen war sie sich sicher. Bei allem Respekt vor deren Arbeit hatte sie die explosiven Vorlieben einiger ihrer Kollegen aus dem Nachbargebäude nie ganz nachvollziehen können. Langsam goss sie flüssigen Stickstoff in das Behältnis und betrachtete die eiskalte Wüste aus Nebel, die sich schlagartig bildete, Wanderdünen im Zeitraffer und Oasen aus Flüssigkeit, die in Sekundenschnelle verdampften. Sie füllte nochmals nach und lehnte sich dann zurück, um auf das Wunder des verschwindenden Widerstands zu warten, das die Messgeräte anzeigen würden, sobald die kritische Temperatur erreicht wäre. Gewiss, sie konnte die Schönheit nicht bestreiten. Und trotzdem, ihr Reich war es nicht. Erst als sie wieder in ihrem Büro im Theoriegebäude war – solide Bücher statt empfindlicher Instrumente, leise summende Computern statt aufdringlich brummender Vakuumpumpen – war sie zu Hause. Genau hier, umgeben von Gleichungen, in denen die Welt lag, fühlte sie sich pudelwohl.

Hihi, diese abc.etüden machen irgendwie Spaß. Und diesmal kam ja auch ein Hund in einem der Wörter vor, passt also zu mir, oder? Obwohl ich dem Wort Hyperknall tatsächlich noch nie begegnet bin. Die Illustration ist wieder von ludwigzeidler.de.

Fremdentod [abc.etüden]

Sonnige Tupfen aus Gold auf braungesprenkelter Rinde, oben blau zwischen herbstfarbenbunt. Der Asphalt ist gleichgültig grau. Die erloschene Laterne wird von einem einsamen Teddybären bewacht, mitgenommen von Regen und Staub, die Blumen daneben verwelkt. Ich kannte dich nicht, dein Tod betrifft mich nicht und trifft mich doch, hier und jetzt, ohne Grund. Es gibt doch so viele wie dich. Ich würde gerne für dich beten, doch das habe ich verlernt, irgendwann, es gelingt nicht mehr. Mein Schlüsselanhänger hat die Form eines Hundes. Ich lege ihn neben deine Laterne, als Unterstützung für den einsamen Bären. Mehr kann ich nicht tun. Was bleibt, ist ein Gefühl der Beklommenheit, das mich noch lange nicht loslässt.

Ein Beitrag zu den abc.etüden. Die Illustration stammt von ludwigzeidler.de.

The Mystery Blogger Award 2.0

Wir wurden schon zum zweiten Mal zum Mystery Blogger Award nominiert, dieses Mal von den Cavaliermädchen. Ganz herzlichen Dank an Doxa, Hayley und Darida, wir fühlen uns geehrt.

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Die Regeln und den ganzen Kram könnt ihr gerne in meinem ersten Beitrag hierzu nachlesen, jetzt habe ich keine Lust, es nochmal aufzuschreiben. Nur Okoto Enigma, die den Award ins Leben gerufen hat, verlinke ich nochmal brav.

Also zunächst wieder drei Dinge über uns:

  1. Mia steht nicht auf, um mich zu begrüßen, wenn ich nach Hause komme. Zum Gassigehen muss ich sie zweimal rufen. Aber wenn ich mich in die Nähe des Sofas begebe, springt sie sofort auf und steht vor mir. Es könnte ja sein, dass ich ihre Decke darauf lege und sie es sich dort bequem machen kann.
  2. Kalle entspannt sich (ganz hundeuntypisch), wenn ich ihn umarme. Ist er unruhig und kann nicht schlafen, lege ich mich neben ihn und ziehe ihn in meine Arme, wo er innerhalb weniger Minuten einschläft.
  3. Mein Herz schlägt ja für Mischlinge. Würde ich mir aber einen Rassehund aussuchen, wäre das ein Silken Windsprite.

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Doxas Fragen an uns:

Wenn du für einen Tag das Leben mit deinem Hund tauschen könntet, wie würde dieser Tag für dich aussehen?

Aufstehen, gekuschelt werden, spazieren gehen, frühstücken. Den Vormittag schmusend auf dem Sofa verbringen. Mittagsschläfchen, dann noch ein langer Spaziergang. Ein Nickerchen, buntes Unterhaltungsprogramm, währenddessen wird das Abendessen verzehrt. Kleine Runde schmusen, Nickerchen, Nachtisch in Form eines Kauartikels. Nickerchen, Abendkuscheln, schlafen. Hund müsste man sein.

Was liebst du am meisten an deinem Hund?

Mia: Ihre Freundlichkeit, Zuverlässigkeit und Unkompliziertheit. Dass man sie einfach mal irgendwohin mitnehmen kann, ohne Katastrophen zu befürchten. Wie sie das Näschen kräuselt, bevor sie mir einmal schnell und entschlossen über das Gesicht leckt. Wie sie beim Tauziehen knurrt, als würde sie gegen ein Rudel Wölfe kämpfen.

Kalle: Seine Wärme und Lebendigkeit, wie er Nähe sucht, sich über Kleinigkeiten freut und dauerschmust. Seine Empathie, wie er auf jeden meiner Gedanken, jede Gefühlsregung reagiert. Sein Vertrauen, seinen Mut. Wie er seine Nase in meine Hand oder seinen Kopf in meinen Bauch drückt, seine Pfoten auf mich legt, sich an mein Bein lehnt. Wie er an mich gekuschelt schläft.

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Gibt es etwas, das du an deinem Hund ändern würdest? Wenn ja, was wäre das?

Für Mia würde ich mir ein bisschen mehr von besagter Lebendigkeit wünschen. Falls sie sich über Dinge freut, zeigt sie das nicht so wirklich. Selbst in Erwartung von Futter ist sie eher ungeduldig als freudig. Für Kalle wünsche ich mir natürlich weniger Angst und mehr Selbstbewusstsein. Ein winziges bisschen besser mit anderen Hunden auszukommen wäre auch nicht schlecht.

Was ist dein momentanes Trainingsziel mit deinem Hund?

Mit Mia habe ich keines mehr. (Oder ist es ein Trainingsziel, wenn ich ihr beibringen möchte, Gegenstände rückwärts zu umrunden?) Und Kalle hat eben seine beiden Dauerbaustellen: Angst und Hundebegnungen. Erstere soll weiter abnehmen, letztere sollen noch entspannter werden. Insbesondere trainiere ich weiter das Anzeigen anderer Hunde, damit das wirklich zuverlässig funktioniert.

Warum bloggst du?

Oh, das ist alles Teil des Großen Plans. In Wirklichkeit ist der Blog nur Tarnung, um Geheimbotschaften mit Kollegen auszutauschen. Dass ich gerne schreibe und das mehr Spaß macht, wenn meine Texte gelesen und kommentiert werden, ich außerdem den Austausch mit anderen Bloggern mag, das ist alles nebensächlich.

Links zu meinen Beiträgen habe ich schon geteilt, nominiert habe ich auch erst und es waren jetzt ja auch schon so viele dran. Ich überspringe das mal. Wer Lust hat, darf  sich gerne mit meinen Fragen vom letzten Mal nominiert fühlen.