August in Kürze

Gute Tat des Monats: Streit verhindert. Leckerchen auf dem Boden, von jeder Seite ein Hund darauf zurennend. Zwei geöffnete Schnauzen, erstarrend, ratlose Blicke zu mir. Zweites Leckerchen dazu gelegt. Bin ich nicht klug?

Böse Tat des Monats: Kalle angeschrien. Ganz böses Frauchen, ich weiß. Aber kann ihm nicht mal jemand die Grundsätze der positiven Verstärkung erklären? Ich möchte nicht immer über Schreckreize erzogen werden. Jedes Mal, wenn ein Auto vor dem Haus hält, bellt er so laut und plötzlich, dass mir fast das Herz stehen bleibt. Kann er nicht stattdessen klickern, wenn ich zum Fenster gehe und nachschaue? Trotz allem hat mich seine Reaktion im Nachhinein gefreut: Er kam zu mir und stupste an meine Hand. Früher wäre er zurückgewichen und hätte mich angeknurrt. Mittlerweile weiß er, dass ich ihm nichts tue, auch wenn ich wütend auf ihn bin.

Rätsel des Monats: Was ist das?

Eine Rebellion? Der Kotbeutel als Akt des zivilen Ungehorsams? Eine Art Kunstprojekt? Oder einfach nur Blödheit? Im Monatsrückblick Juni hatte ich ja über die hiesige Mülleimersituation berichtet. Aber liebe Leute, das hier scheint mir die denkbar schlechteste Lösung zu sein.

Erkenntnis des Monats: Moblitätsübungen mit trickerfahrenem Hund sind nicht einfach. Da wollte ich die Übungen von Doggy Fitness mit Mia ausprobieren. Sie war anderer Meinung: Warum denn langweilige Sitz-Platz-Wechsel? Ich kann doch Männchen-Winken-Rolle-Kriechen-Dreh-Hop-Betteln-Rückwärts-Peng!

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Dummheit des Monats: Festgestellt, dass meine alte Inlinerausrüstung noch passt. Den Schätersky geschnappt und Inlinerfahren gegangen. Bedenken hinsichtlich der Kombination aus zu Panik und Wut neigendem Hund und rollendem Frauchen ausgeblendet. Ging aber alles gut. Bergab war ein wenig wacklig. Kalle aber rücksichtsvoll und kooperativ. „Das ist aber ein braver Hund“, meinte die vorbeifahrende Omi. Wenn die wüsste.

Verrücktheit des Monats: Der Deklarationswahnsinn. Hat nicht unbedingt etwas mit Hunden zu tun, muss ich jetzt aber mal loswerden. Die ganze Zeit keine Zahnpasta mit Vitamin B12-Zusatz, weil auf der Verpackung nicht stand, dass die Wirksamkeit nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist. Hat ja auch keiner behauptet. Ich möchte ja kein Paper darüber lesen, sondern meine B12-Versorgung verbessern. Und das ist da enthalten und wird anscheinend auch vom Körper aufgenommen, sonst wären meine Werte nicht in Ordnung. Auch die Tofuwürstchen dürfen nicht mehr so heißen. Könnte ja jemand auf die Idee kommen, sie seien aus Fleisch. Wenn er die erste Hälfte des Worts überliest. Was ist denn jetzt mit der Sonnenmilch? Enthält keine Milch! Betrug! Gleichzeitig dürfen Plastikverpackungen viel zu groß sein und unnötigen Müll produzieren. Besonders bei Hundefutter ärgert mich das immer wieder. Von den Haltungsbedingungen sogannter Nutztiere fange ich jetzt gar nicht erst an. Nur eines: Tofuwürstchen sind nicht der wahre Feind.

Buch des Monats: „Dogwalk“ von Ursula Löckenhoff. Nach der tollen Rezension bei The Pell-Mell Pack konnte ich nicht widerstehen, als mir dieses Buch bei einem „zufälligen“ Besuch in der Buchhandlung „zufällig“ begegnete. Ursula Löckenhoff ist mir sehr sympathisch und ich mache viele Dinge bereits so, wie sie es in ihrem Buch vorschlägt. Obwohl ich das mit so vielen Hunden vermutlich nicht könnte. Außerdem schafft sie es, sich knapp und präzise auszudrücken, was das Lesen wirklich angenehm macht. Drei wichtige Dinge, die ich dazu gelernt habe: Ich könnte meine Stimme mehr einsetzen, besonders zur Motivation der Hunde. Ich bin immer so auf Körpersprache konzentriert, dass ich das naheliegendste Instrument zur Kommunikation womöglich nicht genug nutze. Außerdem sollte ich Mia vielleicht mehr einbinden. Während Kalle als „Bodyguard“ eine Art „Dauerauftrag“ hat (zumindest in Bereitschaft), ist meine „Diplomatin“ doch häufig sich selbst überlassen und mehr mit Mäusen beschäftigt als mit uns. Drittens das Fliegerspiel: Ich renne mit ausgebreiteten Armen, Richtung und Tempo variierend, die Hunde sollen mir folgen. Besonders für Kalle, der beim Rennen sehr schnell hochfährt, eine tolle Übung. Zur Zeit habe ich noch leichte Schwierigkeiten: Motiviere ich ihn, schießt er leicht an mir vorbei. Bremse ich, lässt er sich zurückfallen. Ich arbeite daran, die Intensität meiner Signale weiter herunterzuschrauben.

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Begegnung des Monats: Der Hund, der uns anbellt, ist unsicher und ängstlich. Ich sitze auf dem Boden und versuche, Ruhe und Friedfertigkeit auszustrahlen. Meine Hunde stehen hinter mir und schauen demonstrativ in eine andere Richtung. (Kalle brauchte ein wenig Unterstützung meinerseits, hat aber nun zur Ruhe gefunden.) „Der ist harmlos“, ruft uns der Besitzer zu. Das ist ja nun nicht das Schlechteste, das man rufen kann. Besser als „Der tut nichts“, weil klarer definiert. Und es stimmt: Dieser Hund ist wirklich harmlos. Trotzdem gibt es Verbesserungsbedarf. Erstens ist diese Information überflüssig. Wenn ich Zweifel an der Harmlosigkeit eines Hundes habe, bringe ich mein Gesicht wohl kaum auf die Höhe seiner Zähne. Zweitens ist das kein Grund, ihn sich selbst zu überlassen. Er bräuchte Unterstützung durch seinen Menschen, wird aber stattdessen mit der Gefahr (also uns) alleine gelassen.

Glücksmoment des Monats: Kalle beim Schlafen in der Sonne beobachtet. Es gibt keinen friedlicheren Anblick als den eines schlafenden Hundes. Und dass er mittlerweile draußen so entspannen kann, kommt mir noch immer wie ein kleines Wunder vor.

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Spannend. Nur bitte nicht zu spannend

Das Thema der Blogparade, zu der Julia von miDoggy diesen Monat aufgerufen hat, lautet „Gassigehen – so findet euer Hund es wieder spannend“.

Nun ist Kalle kein Hund, bei dem Langeweile aufkommt. Für ihn ist jedes Rascheln ein möglicher Hinweis auf einen versteckten Attentäter, jede Bewegung eine potentielle Beute. Leider ist Kalle auch kein Hund, der auf Spaziergängen einfach seinen Interessen nachgehen kann. Denn der Attentäter ist möglicherweise ein Spaziergänger, das nicht angebellt werden möchte, und die Beute ein Radfahrer, der nicht gejagt werden möchte. Einfach Leine ab und los wie bei Mia: geht nicht. Also stand ich bald vor der Frage, wie ich Kalle auf Spaziergängen sowohl Auslastung als auch Entspannung biete und gleichzeitig meine Mitmenschen und –Tiere nicht belästige oder ängstige. Dazu unterteile ich Spaziergänge in verschiedene Kategorien, aus denen ich täglich zwei auswähle.

  1. Streuobstwiese

Diese Variante macht den größten Anteil unserer Spaziergänge aus, die Umgebung ist uns am liebsten. Schmale Wege führen durch Wiesen und Büsche, hier sind wenige Menschen unterwegs. Wir kennen jede Kreuzung, wissen um die Luftströmungen und die Akustik an jeder Stelle. Unwahrscheinlich, dass uns jemand überrascht. Kalle darf frei laufen, bleibt aber aufgrund der Unübersichtlichkeit der Wege meistens hinter mir.

Typ 1A: Einfach so

Wir gehen. Die Hunde schnüffeln. Wir achten auf unsere Umgebung, um rechtzeitig reagieren zu können, falls sich jemand nähert. Abhängig von der Witterung machen wir Pause. Sitzen träumend im Gras. Rennen über Wiesen. Selbstverständlich nachdem wir sie kontrolliert haben. Hier darf Kalle voraus laufen. Bevor wir wieder auf den Weg kommen, wartet er auf mich. Wir reihen uns wieder auf und kommen zur Ruhe. Dann geht es weiter.

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Ich mag diese Landschaft
Typ 1B: Beschäftigung

Ähnlich Typ 1A. Statt aber weit zu laufen, suchen wir uns eine gemähte Wiese. Wir trainieren Tricks. Umrunden bietet sich häufig an, Fußarbeit und Arbeit auf Distanz. Oder ich werfe Leckerchen und lasse die Hunde suchen. Oder ich lege Fährten. Oder verstecke Spielzeug. Die Hunde dürfen anwechslend suchen, der jeweils andere wartet. Impulskontrolle und so. Danach spielen Kalle und ich. Ohne Spielzeug, nur wir beide. Dann fallen wir ins Gras und ruhen uns aus.

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Gemeinsame Pause
  1. Wald

Im Wald sind mehr Leute unterwegs, außerdem gibt es Rehe. Die Übersichtlichkeit ist durch erhöhte Baumdichte stark eingeschränkt. Nicht allzu erstaunlich. Kalle bleibt an der Schleppleine.

Typ 2A: Normaler Weg

Dieser Typ kommt eigentlich nur bei starkem Regen in Frage. Ansonsten wird man ständig von irgendwelchen Tutnixen überrannt oder Radfahrern überfahren. Wenn es aber regnet, hält sich der Verkehr in Grenzen und Typ 2A ist der Spaziergang mit den trockensten Füßen. Sonst passiert nichts Spannendes.

Typ 2B: Abenteuerweg

Deutlich interessanter: Wir verlassen die breiten Wege und begeben uns auf Pfade, die eigentlich zum Holzfällen gedacht waren. Oder auf sogenannte Reitwege, die so zugewachsen sind, dass Reiten dort kein Vergnügen ist. Zu Fuß ist es aber okay. Die Hunde haben die Nasen am Boden und saugen die Wildgerüche ein. Für jede Rehsichtung stopfe ich sie mit Futter voll. Dann rennen wir in die entgegengesetzte Richtung. Baumstämme laden zum Springen und Balancieren ein. Äste-Mikado trainiert die Koordination. Auf Baumstümpfen lässt es sich gut posieren. Moos ist weich und fluffig und wunderbar wälzgeeignet. Nach negativer Rehkontrolle kann man auch mal auf einer Lichtung ohne Leine rennen.

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Klettern
  1. Felder

Landschaftlich ist es nicht ganz so reizvoll. Dafür kann man hier sehr weit schauen. Keine überraschenden Begegnungen. Man kann allen Tutnixen aus dem Weg gehen. Ein Problem sind die Hasen, die sich in Senken verstecken und plötzlich aufspringen können. Kalles Lieblingsbeute. Er bleibt angeleint. Keine Ausnahmen.

Typ 3A: Schleppleine

Hier nutzt Kalle die zehn Meter Leine voll aus. Schnüffeln, rennen, warten, neben mir laufen, abwechselnd. Ich werfe Leckerchen oder „verliere“ Gegenstände und schicke die Hunde zum Suchen zurück. Wir trainieren an Bewegungsreizen mit Hilfe der weit entfernten Straße, auf der Autos vorbeiflitzen. Nicht losstürmen, kommst eh nicht weit dank Leine. Mich anschauen und Leckerlie jagen bringt mehr Spaß. Und zur Zeit ist besonders Strohballenhopsen sehr angesagt. Ansonsten einfach mal eine Weile laufen und nur Hund sein.

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Hier sehen wir die eigentlich nicht existente Ausnahme. Aber echt nur bei Strohballen.
Typ 3B: Fahrrad

Mit Kalle fahre ich sehr gerne Rad. Für Mias alte Gelenke ist das leider nichts mehr. Ohne Leine würde er schnell überdrehen. Wenn ich aber mit Leine ein gleichmäßiges Tempo vorgebe, findet er schnell seinen Rhythmus und läuft ganz entspannt. Reine körperliche Bewegung ohne geistige Anstrengung tut auch mal gut.

 

  1. Entdeckungen

Ein Spezialfall ist Kategorie 4, die Entdeckungsreisen. Wir fahren mit dem Auto an verschiedene Stellen und erforschen Neuland. Kombination aus Elementen der anderen Kategorien. Ein ganz eigener Zauber, der im Unbekannten liegt.

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Pause auf einer Wanderung
So versuche ich, unsere Spaziergänge abwechslungsreich und spannend zu gestalten, und gleichzeitig Kalle die Struktur zu geben, die er braucht. Zu viel Spannung ist dann auch nicht gut, sonst neigt er zur Überdrehtheit.

Ich kann mich nicht beklagen, dass Kalle mich nicht spannend genug fände. (Mia findet vor allem die Leckerchen spannend, die ich einstecken habe. Ist ja auch okay.) Eher im Gegenteil. Er klebt sehr an mir und manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es ihn in seiner Freiheit einschränkt. Aber das ist einfach seine Persönlichkeit. Wenn er es für seinen Auftrag hält, mich zu beschützen, dann tut er das auch. Und das geht nicht, wenn er sich von mir entfernt. Ich sehe es ähnlich, nur umgekehrt. Denn meiner Meinung nach ist er hier derjenige, auf den man aufpassen muss.

Der Schätersky – eine Gebrauchsanleitung

Vor einiger Zeit hat Lizzy auf ihrem Blog eine Gebrauchsanweisung für den Wildfang und das Indianermädchen geschrieben. Tatsächlich habe ich auch schon mal so eine Anleitung für Kalle geschrieben. Nicht für die Komplettbetreuung (das wäre dann wohl eher ein Buch), sondern nur für den Spaziergang. Für Hundebegegnungen, um genau zu sein. Denn die sind mit Kalle schon eine Wissenschaft für sich (wie meine Oma gesagt hätte). Diese Anleitung war für meine Mutter bestimmt, die regelmäßig mit den Hunden spazieren geht, wenn ich länger an der Uni bin. Jetzt gibt es sie hier exclusiv und einmalig zu lesen.

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Er mag keine Hunde. Dinosaurier sind okay.
Vorher noch kurz das übliche Gedisclaimere: Diese Anleitung wurde von einem bestimmten Menschen (mir) für einen bestimmten Hund (Kalle) geschrieben. Insbesondere ist Kalle ein Hund, der keine Gefahr für andere Hunde darstellt und niemanden verletzt. Andere Hunde können anders sein. Ich mag Kalle-Spezialistin sein, bin aber ansonsten keine Expertin. Nachahmung auf eigene Gefahr.

Und noch etwas, bevor ich Ärger bekomme: Ich verwende als Abbruchsignal ein Scht. Nein, das stimmt nicht von Cesar Millan und ich wende seine Methoden nicht an. Dieses Signal hat den Vorteil, dass hund es auch in geringer Lautstärke gut hört. Cesar Millan ist nicht der Einzige, der es verwendet. Tatsächlich schrieb Dorit  Feddersen-Petersen bereits 2004: „Ein zeitgerechtes Strafen (Wegstoßen mit zischendem Laut ö. Ä.) indes, bedeutet nicht selten den Beginn eines mühevollen Prozesses – und ist biologisch sinnvoll.“ [1] Und wenn mir irgendjemand mit einer Urangst vor Schlangen kommt, werde ich… etwas gaaanz Schreckliches tun. Denjenigen Anzischen! Hunde haben keine Urangst vor Schlangen. Das kann man leicht bestätigen. Man benötigt nur zwei Zutaten: Einen Hund und eine Schlange. Sollte gerade keine Schlange zur Hand sein, kann man ein längliches Objekt schlängelnd durch hohes Gras bewegen und zuschauen, wie der Hund darauf hopst. Übrigens ist das wichtig zu wissen, wenn man tatsächlich in Gebieten unterwegs ist, in denen es gefährliche Schlangen gibt. Die meisten Hunde reagieren auf Schlangen mit Interesse oder Beutefangverhalten. Bitte niemals davon ausgehen, dass der Hund sich instinktiv von Schlangen fernhält!

Okay, jetzt bin ich wohl ein bisschen vom Thema abgekommen. Klammer zu, weiter im Text. Aus Gründen der Faulheit Authentizität habe ich den Text nicht abgetippt, sondern das handgeschriebene Original gescannt. Erfreulicherweise sehen die Seiten so aus, als seien sie tatsächlich mehr als ein Mal gelesen worden. Falls irgendetwas unleserlich geworden ist, bitte Laut geben.

Seite 1

Seite 2

Seite 3

Tolle Grafik

Gerade überlege ich, ob mir das peinlich ist. Ein bisschen vielleicht… aber doch nicht so sehr.

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Lieber in Deckung bleiben.

[1] Dorit Feddersen-Petersen, Hundepsychologie, Kosmos, 2004

Juli in Kürze

Gute Tat des Monats: Bei der Vorbereitung einer Konferenz geholfen. Zehn Theoretiker, fünfzehn Posterwände, dreißig Standbeine, ein Wagen zu bepacken. Diskussionen über Instabilität. Umpacken. Eine Tür, nicht besonders breit. Umpacken. Instabilität. Wände schließlich getragen. Mehrfach die Frage, ob wir (die einzige andere Frau und ich) das schaffen. Männer.

Böse Tat des Monats: Reh erschreckt. Eines rennt in einiger Entfernung vor uns. Ich halte die Hunde bei mir. Nachdem es einige Zeit außer Sichtweite ist, dürfen sie zur Belohnung die Spur am Boden verfolgen, während sie hinter mir im Schritttempo laufen (Kalle sicherheitshalber an der Schleppleine). Ein letztes Stück möchte ich mit ihnen rennen und dann von der Spur abbiegen, was sie im Eifer nicht bemerken werden. Sobald ich sie freigegeben habe, springt direkt neben uns ein zweites Reh auf und läuft keinen Meter an Kalle vorbei. Hat Glück, dass er keinerlei Ansätze von Beutefangverhalten zeigt. Tatsächlich habe ich ihn nie auch nur ein Spielzeug schütteln sehen. Trotzdem. Sorry, Reh. Wie geplant renne ich in die falsche Richtung. Hunde anstandslos hinterher, obwohl Reh noch zu sehen. Staune immer, dass so etwas funktioniert. Spricht entweder für ihr Vertrauen in mich oder gegen ihre Intelligenz…

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Rätsel des Monats: Warum vergehen Sommermonate so viel schneller als Wintermonate?

Erkenntnis des Monats: Das Zusammenleben mit einem Geheimagenten ist prägend. Bei meiner Mutter zu Besuch, ohne Hunde. Als ich gehe, wartet meine Schwester im Flur darauf, von einer Freundin abgeholt zu werden. Ich verlasse das Haus wie gewohnt: Tür einen Spalt öffnen. Um die Ecken spähen, die Umgebung scannen. Dann erst hinausgehen. Hinter mir bricht meine Schwester in Lachen aus. Gewohnte Sicherheitsmaßnahmen halten sich eben auch außerhalb des Dienstes.

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Dummheit des Monats: Hundewurst: 85% Fleisch und Innereien, 10% Brühe. Hätte mir eigentlich denken können, in welchem Aggregatzustand sich die bei 30°C befindet. Und was passiert, wenn man die Hülle mit stumpfem Messer und entsprechendem Druck aufschneidet.

Verrücktheit des Monats: Draußen auf einer Wiese. Kalle hat etwas in der Nase. Aufgeregtes Kreisen, die Nase geht tiefer, saugt sich an einer Stelle fest. Er fällt in sein Anzeigeplatz. Ich schaue vor ihn. Nichts. Ich schaue Kalle an. Strahlenwedelnde Begeisterung. Ich gehe zu ihm, untersuche den Boden vor ihm. Nichts. Ich schaue Kalle an. Strahlenwedelnde Begeisterung. Ich gehe in die Hocke, kämme das Gras auseinander. Stoße auf etwas Kleines, Glitschiges. Ein Stück toter Regenwurm. Ich schaue Kalle an. Strahlenwedelnde, funkensprühende, ansteckende Begeisterung. Ich lobe, freue mich. Dann gebe ich ihm den Wurm. Seligkeit.

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Buch des Monats: „An Introduction to Quantum Field Theory“ von Michael E. Peskin und Daniel V. Schroeder. Tja, diesen Monat bin ich nicht dazu gekommen, ein Nichtfachbuch zu lesen. Macht aber nichts. Dieses Buch ist toll geschrieben und schön zu lesen. Und natürlich sehr spannend, sofern man sich für Quantenfeldtheorie interessiert. Andernfalls eignet es sich auch gut als Kopfkissen.

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Begegnung des Monats: Mensch und Schmetterling in der U-Bahn. Ist das nicht seltsam? Dass sich zwei fremde Menschen zusammentun, um ein Insekt zu retten? Vielleicht ist die Menschheit doch nicht verloren.

Glücksmoment des Monats: Spielen mit Mia. Hätte nicht geglaubt, dass wir irgendwann mal ohne Spielzeug spielen werden. Haben wir aber. Mit Kalle zu spielen ist eine Gratwanderung zwischen seiner Unsicherheit und Überdrehtheit. Wenn mein altes Mäuschen mal spielt, ist alles leicht.

Juni in Kürze

Gute Tat des Monats: Schnecken aus Pfützen gerettet. Warum kriecht man dort hinein? Kann man sich nicht denken, dass man ertrinkt? Kann man überhaupt denken als Schnecke? Ist man so langsam, dass man von der Sturmflut der anschwellenden Pfütze überrascht wird?

Böse Tat des Monats: Bei Hitze Kalle einen Essensbrocken zugeworfen. Zu kurz geworfen. Es stürzte den armen Hund in einen tiefen inneren Konflikt: Steht man auf, um sich das Futter zu holen? Glücklicherweise nahm die Geschichte einen guten Ausgang. Er streckte sich gaaanz weit, machte die Zunge gaaanz lang – und konnte das Aufstehen bei Futteraufnahme vermeiden.

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Rätsel des Monats: Impfe ich gegen Leptospirose oder nicht? Je mehr ich mich informiere, desto unsicherer werde ich. Sollte es nicht eigentlich umgekehrt sein?

Erkenntnis des Monats: Der Trick „auf den Rücken springen“ ist besser für eine Kombination aus kleinerem Hund und größerem Menschen geeignet. Der Hund sollte keine Neigung zum Kopfklettern besitzen. Der Mensch keine Neigung zu Lachanfällen. Beide sollten mit einem besseren Gleichgewichtssinn ausgestattet sein.

Dummheit des Monats: Ganz dummer Fehler in einem Massenplot. Hat mich wochenlange Arbeit gekostet. Zeit ist nicht verschwendet, wenn man etwas gelernt hat. Sage ich mir immer wieder.

Verrücktheit des Monats: Hundekot ist ein echtes Problem. Viele Gemeinden reagieren da vorbildlich. Sie stellen Mülleimer und Kotbeutelspender auf, die rücksichtsvolle Hundebesitzer gerne benutzen. Unsere Gemeinde hat da eine andere Lösung. Es gibt keine Beutelspender und genau zwei Mülleimer. Die stehen jeweils neben einer Bank und quellen über vor Kotbeuteln. Was das Sitzvergnügen auf diesen Bänken deutlich schmälert. Sicher fehlt da das Geld. Das wurde anderweitig äußerst sinnvoll investiert. Diesen Monat war es soweit: Wir gerieten in eine der gefürchteten Kotbeutelkontrollen. Durchgeführt von zwei höchst motivierte Polizisten, die sich samstags abends (!) sicher keine schönere Beschäftigung vorstellen konnten. Kotbeutel dabei zu haben ist ja schon mal ein Anfang. Der zweite Schritt wäre, sie auch zu benutzen. Was wenig Spaß bringt, wenn es keine Möglichkeit zur Entsorgung gibt.

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Buch des Monats: Es war mein Glücksmonat. Zwei neue Bücher meiner beiden Lieblingsautorinnen. Das eine ist „Grey“ von Leonie Swann: Augustus Huff ist Dozent an der Universität von Cambridge. Einer seiner Studenten stürzt in den Tod und hinterlässt Huff eine Menge Unordnung und einen Graupapagei namens Grey. Huff verabscheut Unordnung. Gemeinsam mit Grey beginnt er, den Todesfall – im wahrsten Wortsinn – aufzuklären. Nach den Schafen von Glennkill hatte ich hohe Erwartungen an dieses Buch. Sie wurden nicht enttäuscht. Das zweite Buch ist „Will sei Dank“ von Patricia McConnel. Dazu habe ich einiges zu schreiben. Es wird einen eigenen Artikel geben.

Begegnung des Monats: Mit Kalle Fahrrad gefahren. Fremder Hund kam auf uns zu, ohne Leine. Abgestiegen, sich neben Kalle aufgebaut, den anderen warnend angeschaut. Er bleib stehen. Machte dann probeweise noch ein paar Schritte in unsere Richtung. Kalle angeschaut: sein Part. Er hob leise grollend die Lefzen, schaffte es ruhig zu bleiben, keine Hysterie dieses Mal. Fremder Hund beeindruckt, machte einen Bogen um uns. Perfekt, Kleiner. Dann der Besitzer. Auf meinen Gruß ein giftiges: „Hab den Hund nicht gesehen!“ „Kein Problem, ist doch alles gut gegangen.“ Erst irritiert gewesen: Wäre ein „Guten Morgen“ zu viel verlangt? Doch eigentlich war er wie Kalle: Sicher greift mich jemand an, da wehre ich mich gleich mal vorsichtshalber.

Glücksmoment des Monats: Den ersten Kirschbaum mit reifen Früchten entdeckt. Eine der wenigen Speisen, für die wir die Begeisterung teilen. Eine für dich, eine für dich, eine für mich. Mit kirschgefüllten Bäuchen im Gras gesessen. Sommer.

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Ein Hund und die Schule 3 – Spielgruppe

Im Vergleich zu Hundebegegnungen draußen haben Spielgruppen entscheidende Vorteile. Wenn ich keine Leine in der Hand halte, die mich mit Kalle verbindet, muss er selbst diese Verbindung halten. Ich kann weggehen, ohne dass er versucht, mich in die entgegengesetzte Richtung zu zerren. Dann muss er mitkommen. Mich alleine gehen zu lassen, kommt für ihn nicht in Frage. Durch die höhere Anzahl an Hunden sinkt die Aufmerksamkeit, die einzelne Artgenossen auf ihn richten. Außerdem habe ich die Gewissheit, dass ich Konflikte unter den Hunden nicht alleine lösen muss, da die anwesenden Trainerinnen ein Auge auf alle haben.

Trotzdem waren die ersten Stunden recht anstrengend. Ich musste praktisch ständig in Bewegung bleiben (natürlich immer mit vierbeinigem Anhang), Bögen und Schleifen laufen, um Frontalbegegnungen aus dem Weg zu gehen und spielenden Hunden auszuweichen. Blieb ich stehen, nutzte Kalle meinen Standort als Ausgangspunkt für Ausfälle gegenüber jedem Hund, der in die Nähe unserer imaginären Festung kam.

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Bei Hundebegegnungen komme ich nicht zum Fotografieren. Daher an dieser Stelle ein paar Frisbee-Bilder.

Aber es wurde besser. Kontakt wollte Kalle noch immer nicht, spielen erst recht nicht. Jeder, der ihn beschnüffeln wollte, bekam eins auf den Deckel. Doch er entspannte sich zusehends. Andere durften an ihm vorbeilaufen, ohne dass es zu Explosionen kam. Die ersten Minuten einer Stunde musste ich weiterhin kreiseln. Aber sobald sich der erste Trubel gelegt hatte, konnte ich mich hinsetzen und Kalle legte sich ruhig neben mich. Auch ich wurde entspannter. Irgendwann hatte ich angefangen, die anderen Hunde mit Kalles Augen zu sehen und als Bedrohung wahrzunehmen. Doch das waren sie nicht. Sie waren einfach Hunde. Und ich liebe Hunde!

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Ich begann, Kontakt zu anderen Hunden aufzunehmen, hier einen freundlichen Blick auszutauschen, dort ein Ohr zu kraulen. Kalle ließ mich gewähren, obwohl er immer ein wachsames Auge darauf hatte, was sich fremde Hunde bei mir erlauben durften und was nicht. Wer mich anspringen wollte, wurde verjagt. Ich hatte die Hoffnung, dass Kalle ebenfalls irgendwann Kontakt zulassen würde, möglicherweise sogar Freunde finden würde. Leider vergeblich. Auch nach über einem Jahr blieb er auf Abstand und beobachtete nur.

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Auch ich beobachtete. Und ich lernte von den Hunden, was ich von Menschen nicht gelernt hatte. Wenn ein Hund einen Konflikt zwischen zwei anderen lösen will, ruft er nicht „Sitz“ und hofft, dass die beiden ihren sich anbahnenden Streit unterbrechen. Schon gar nicht brüllt er „Nein!!!“ oder schimpft. Er versucht nicht, sie durch Futter voneinander abzulenken. Sondern er stellt sich dazwischen und und schaut sie fest an. Ist er willensstark und souverän, lassen die anderen voneinander ab und wenden sich anderen Dingen zu, ohne dass er aktiv etwas tun muss. Ich versuche, das nachzuahmen, und fühle mich lächerlich. Es sieht ganz sicher albern aus. Aber erstaunlicherweise funktioniert es häufig. Wenn heute auf Spaziergängen freilaufende Hunde auf uns zu kommen, genügt meistens ein Schritt auf sie zu in Verbindung mit diesem Blick, um sie auf Abstand zu halten. (Manchmal allerdings auch nicht.) Auch Kalle gebe ich so zu verstehen, dass er sich zurückhalten soll. Ich fordere kein bestimmtes Verhalten mehr (wie Sitz), sondern lasse ihn selbst eine Alternative finden, mit der er sich wohlfühlt. Manchmal ist das tatsächlich Sitz (wenn der Raum begrenzt ist), häufiger jedoch betont langsames Bogenlaufen und am Boden schnüffeln, das dem anderen zeigt, dass kein Kontakt gewünscht ist. Für dieses Verhalten lob ich ihn verbal.

Das Anzeigen fremder Hunde auf Entfernung belohne ich mit Futter. In der Situation selbst jedoch lasse ich die Leckerchen in der Tasche, damit wir uns auf die zwischenhundliche Kommunikation konzentrieren können. Hin und wieder versucht Kalle, sich knurrend an mir vorbei zu schieben und den anderen zu provozieren. Dann schiebe ich einfach zurück. Und zwar so lange, bis das Knurren aufhört.

Bleiben die Situationen, in denen der fremde Hund trotz meiner Bitte nicht auf Abstand bleibt. Ist er jung und übermütig, lasse ich Kalle nun eine Ansage machen. Dazu genügt ein kleiner Schritt zur Seite. Kalle stemmt sich dann in die Leine und knurrt, als gelte es, mein Leben gegen einen Grizzly zu verteidigen. Meist ist der andere Hund fasziniert von dieser Darbietung, hütet sich jedoch, sich in Zahnreichweite zu begeben. Da Kalle sich schnell in so etwas hineinsteigert, unterbreche ich ihn gleich wieder mit „Das reicht.“, schiebe ihn wieder zurück und gehe mit ihm weiter. Ist der andere Hund jedoch selbst unsicher und hält uns für eine Bedrohung oder ist auf Ärger aus, lasse ich Kalle hinter mir, kniee mich auf den Boden, halte ihn mit einer Hand am Geschirr fest. Dann rufe ich den anderen Hund zu mir. Kommt er nicht bis zu mir, ist alles gut. Kommt er doch, lobe ich ihn freundlich, halte ihn vorsichtig fest und achte dabei darauf, dass ich immer zwischen den Hunden bleibe. Ich erzähle beiden Hunden, wie absolut großartig sie sind, und halte sie beide auf Armlänge auseinander. Dann warte ich, bis der Besitzer seinen Hund abholt. Dieses Vorgehen ist vielleicht nicht optimal, aber das beste und konfliktärmste, das mir einfällt.

Und mit diesem Zustand können wir sehr gut leben.

Ein Hund und die Schule 2 – Einzelstunden

Also machte ich mich auf die Suche. Eine Hundeschule, die erreichbar war und eine gut geführte Spielgruppe für erwachsene Hunde anbot. Schließlich fand ich eine. Voraussetzung für die Teilnahme an den Spielstunden war die Buchung von Einzelstunden. Das war vollkommen in Ordnung für mich, eine Gelegenheit, mehr zu lernen.

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Motiviert

Die erste Einzelstunde. Leider hatten wir etwas Pech mit unserer Trainerin. Sie war gerade erst in diesen Beruf eingestiegen und irgendwie ein wenig planlos. In der ersten Stunde wollte sie meinen Hund mit Angstproblematik an einen Baum binden, damit er Frustrationstoleranz lernt. Dumm wie ich bin, dachte ich mir, die wird es schon wissen, und band ihn tatsächlich an diesen Baum. (Ich schäme mich noch heute dafür. Und bin Kalle dankbar, dass er mir trotz meiner Blödheit noch vertraut.) Allerdings entfernte ich mich nicht von ihm (wie ich eigentlich sollte), sondern blieb neben ihm stehen. Trotzdem bekam er natürlich Panik und ich bestand endlich darauf, diese Übung zu beenden. Alles in allem kein guter Start.

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Rückruf mit Abkenkung

Ich schaffte es nicht, der Trainerin zu vermitteln, wo eigentlich unser Problem lag. Nicht in mangelnder Bindung, nicht in mangelndem Gehorsam, sondern in beidseitiger Unsicherheit, eben ganz besonders bei Hundebegegnungen. Ich bekam eine Liste mit Hausstandsregeln. Zu diesem Zeitpunkt war ich froh, dass Kalle nicht mehr ständig in Alarmbereitschaft war und entspannt liegen blieb, wenn ich zu Hause an ihm vorbei ging. Jetzt sollte ich ihn aufstehen lassen, wenn ich vorbei wollte. Nur um zu beweisen, dass ich es konnte. Ich sollte ihn nicht auf das Sofa lassen, weil er sonst die Weltherrschaft übernehmen würde. Ich sollte in draußen an der Leine nicht markieren lassen, dabei war ich doch froh, dass er sich endlich für seine Umgebung interessierte, statt ständig in Fluchtbereitschaft zu sein. Es mag Hunde geben, die derart auf Status aus sind, dass man ihnen auf diese Art zeigen muss, dass sie nicht die Welt beherrschen. Kalle gehört nicht dazu. Er möchte sich nicht durch Türen drängen oder auf Spaziergängen den Weg bestimmen. Sondern ist froh, wenn ich voraus gehe. Was ich auch tue. Natürlich braucht gerade ein unsicherer Hund Führung, aber doch nicht in Form von sinnlosen Regeln, die nur den eigenen Status betonen sollen. Sondern in Form von Schutz und klaren Grenzen. Ich kann eine Schüssel voller Wurst auf den Boden stellen, Kalle mit einem kurzen Blich darauf hinweisen, dass sie mir gehört, und den Raum verlassen. Kalle würde sich nie in die Nähe dieser Wurst begeben! Er wird entweder liegen bleiben oder die Schüssel ignorieren und mir folgen. Ich bekam die Empfehlung, keine Bälle zu werfen, weil der Hund sich dann von mir entfernt und etwas Positives damit verknüpft. Aber hey, genau das wollte ich doch. Die Welt geht nicht unter, wenn Kalle sich ein Stück von mir entfernt. Ich sterbe nicht, er stirbt nicht, und dann kann er mit seiner Beute zu mir zurück kommen! Natürlich schadet exzessives Ballspielen der körperlichen und seelischen Gesundheit eines Hundes, aber doch nicht hin und wieder einen Ball zu werfen.

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Ablegen

Nach der ersten Stunde überlegte ich, das Ganze abzubrechen. Aber irgendwie hatte ich keine wirkliche Alternative zu dieser Hundeschule. Ich überlegte, darum zu bitten, mit einer erfahreneren Trainerin arbeiten zu dürfen und darauf eben etwas länger zu warten. Aber ich traute mich nicht. Ich meine, jeder fängt einmal an und jeder hält seine eigenen Probleme für die größten und wichtigsten. Sicher waren die Trainerinnen untereinander befreundet und ich konnte ja nicht erzählen, dass unsere Trainerin offensichtlich nicht in der Lage war, Angst von Frust zu unterscheiden. Also beschloss ich weiterzumachen. Und nie wieder zu denken, irgendjemand wisse irgendetwas, das Kalle betrifft, besser als ich.

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Rückwärts geht auch

Die weiteren Stunden waren besser als die erste, obwohl wir nie an der eigentlichen Problematik arbeiteten. Um ehrlich zu sein, wollte ich das auch nicht mehr. Wir übten Sitz, Platz, Bleib, Aus und Rückruf. In allen diesen Dingen waren wir gut (Kalle konnte das meiste längst), holten uns unser Lob ab und waren zufrieden. Ich gab vor, mich in die Hausregeln zu halten, und hörte mir an, welch positive Auswirkungen dies auf seinen Gehorsam hätte. Die einzige hilfreiche Stunde war die, in der wir mit dem Hund der Trainerin arbeiteten. Klein und irgendwo zwischen alt und scheintot, stellte dieser nicht mal in Kalles Augen eine Bedrohung dar und die beiden konnten entspannt nebeneinander herlaufen. Wobei ich mir nicht sicher war, ob der Kleine Kalle überhaupt wahrnahm. Ich verstand, warum die Trainerin unsere Probleme nicht nachvollziehen konnte.

Hätte es hiermit geendet, hätte ich die ganze Aktion für eine Verschwendung von Zeit und Geld gehalten. Aber endlich konnten wir an der Spielstunde teilnehmen.

Fortsetzung folgt!