Blitzlichtding 2017

1.1: Die Nacht ist überstanden. Der Morgen gehört der Stille. Niemand außer uns scheint so früh auf zu sein.

5.2. : Zwei schöne Hunde. Aber dann die Frage nach der Rasse. Leichte Enttäuschung, die ich nicht verstehe. Nächstes Mal sage ich, es sei eine Designerrasse. Huferrier? Terschäfsky? Schätersky!

16.3. : Bachelorarbeit abgegeben, letzte Prüfung. Freiheit!

24.3. : Cool, wir schreiben ein Paper. Kleiner Nachteil: Freiheit schon wieder zu Ende.

9.4. : Okay, ich habe es getan. Blog erstellt, ersten Beitrag veröffentlicht. Egal, liest ohnehin niemand.

10.4. : Oh je, ich glaube, meine Texte sind ganz schrecklich. Ich lösche das lieber wieder.

10.4., später : Es hat doch schon jemand gelesen. Das Fellmonsterchen scheint die Texte gut zu finden. Ich lasse sie doch stehen.

13.4. : Die Zweite, die meinen Blog entdeckt, ist Stephie von The Pell-Mell Pack. Sie wird die fleißigste Kommentatorin hier bleiben, dicht gefolgt von Sabine von Einfach Socke. (Wie machen die beiden das? Neben ihren eigenen wundervollen und sicher nicht unaufwändigen Blogs, Hunden und Beruf lesen und kommentieren sie die Blogs von uns allen. Entweder hat ihr Tag mehr Stunden als meiner oder sie sind besser organisiert als ich. Eines von beidem.)

28.4. : Schreibe ich einen Monatsrückblick? Das ist irgendwie langweilig, so viel Besonderes erleben wir gar nicht. Außer… ich mache es ein bisschen anders. Ich denke an den Rückblick in dem Film „Marley und ich“. „Mit Marley an den Strand gegangen“ – ja, so ähnlich…

3.5.: Klientin allein unterwegs. Es wird mit 406 Aufrufen unser meistgelesener Beitrag. Auch andere Hunde scheinen die Problematik abwesender Klienten zu kennen.

21.7.: Vorlesungsende. Sehr viel Zeit liegt vor uns, die wir lernend und dösend Seite an Seite verbringen werden – natürlich unterbrochen von vielen Spaziergängen.

16.9.: Urlaub. Bachrauschen, Glockenläuten, Heuduft, Ausblick auf die Alpen. Wo gehen wir morgen wandern?

17.9.: Mia blüht auf. Die Sorge, das Wandern könne ihr zu viel sein, ist unbegründet.

23.9.: Sei brav, Kalle, ja? Eine Woche ist nicht lang. Lass den Hund nebenan am Leben. Und gib keine Kriegserklärungen ohne mein Einverständnis ab.

24.9. : Ich fliege. Seltsam leicht, ganz ohne Hunde.

24.9., später : Die Straßen von Salamanca sind leer. Ich vermisse meinen Bodyguard.

30.9. : Hundetänze, Gruppenknuddeln, endlich wieder vereint.

3.10. : Zeit für die Hunde und mich. Einer von mehreren gemeinsamen Ausflügen in dieser Woche. Es müsste viel öfter so sein.

16.10.: Und schon beginnen die Vorlesungen wieder. Achtes Semester, wie schnell das geht.

23.11.: Ich glaube, die Hunde haben den Trick Nachmachen verstanden. Ich mache einen Trick vor (Umrunden, Dreh, Platz, Touch oder Aufräumen) und sie machen es auf das Signal „Mach nach“ + Handzeichen tatsächlich nach.

25.11.: Sie haben es doch nicht verstanden. Es funktioniert nur, wenn ich in dem Moment, in dem ich das Signal gebe, an die richtige Übung denke. Habe ich mich hingelegt, stelle mir aber im Moment des Signals eine Drehung vor, drehen sich die Hunde. Wie schaffe ich es, keine unbewussten Signale zu geben?

10.12.: Schnee!!! Kurzer, steiler Abhang. Hochklettern, hinsetzen, runterschlittern. Wie Kindheit, nur schöner, weil zuhause niemand wartet und schimpft, dass man zu lange weg war und ganz nass ist und sich erkälten wird.

30.12.: Jahreskurzausschnittsrückblick? Momentaufnahmensammlung? Blitzlicht…ding!

 

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Aber der ist ganz lieb

Es gibt Hunde, die rücksichtslos und unhöflich sind. Sie kommen auf uns zugestürmt, drängen sich auf oder pöbeln uns an. Dann reagiert Kalle ungehalten. Das kann ich gut verstehen. So muss man sich ja nicht benehmen.

Dann gibt es Hunde, die anders sind. Höflich und liebenswert, zuckersüß. Ganz lieb eben. Auch dann reagiert Kalle ungehalten. Das kann ich weniger gut verstehen.

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Neulich traf ich eine junge Frau mit einer jungen Hündin. Beide waren super freundlich. Die Hündin war klein, welpenhaft, aufgeschlossen. Ihr Frauchen sprach mich an, erkundigte sich nach Kalle und war verständnisvoll für seine Probleme. Wir könnten die beiden ruhig zusammenlassen, ihre Hündin bezirze jeden, dabei sei es egal, wie der andere sich benehme. Ich glaubte ihr und lehnte ab. Eine direkte Begegnung mit Kalle wollte ich der Süßen jetzt wirklich nicht antun.

So etwas tut mir immer leid. Es tut mir leid, dass wir abweisend zu netten Menschen und Hunden sind. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit. Natürlich hab ich probiert, Kalle mit anderen Hunden zusammen zu lassen. Er lässt keinen Kontakt zu. Er beißt nicht, aber er knurrt jeden weg. (Mia ist eine absolute Ausnahme. Als sie sich kennen lernten, war Kalle so ängstlich, dass er überhaupt nicht reagierte. Und sie interessierte sich einfach nicht für ihn.)

Manchmal träume ich. Ich träume, dass wir einem anderen Hund begegnen. Zuerst ist Kalle abweisend, doch dann lässt er sich auf den anderen ein. Die beiden beginnen zu spielen. In diesem Moment bin ich glücklich. Ich hoffe, dass es nicht nur ein Traum ist. Dann wache ich auf, und natürlich war es ein Traum.

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Mit mir spielt er. Aber ich bin darin einfach nicht so gut wie ein Hund.
Ich weiß nicht, warum Kalle sich so verhält. Aber ich weiß, dass ich ihn nicht zwingen kann, Freunde zu finden. Es ist seine Entscheidung, nicht meine. Und die muss ich akzeptieren. Auch wenn ich manchmal wünschte, es wäre anders.

Und bitte: Vielleicht ist es meine Schuld. Vielleicht mache ich alles falsch. Aber liebe Gruppe gemeinsam spazierengehender Damen, Sie waren nie in meiner Situation. Sie wissen nicht, ob Sie es besser machen würden. Würden Sie bitte die Höflichkeit besitzen, mit dem Lästern zu warten, bis ich außer Hörweite bin? Das ist einfach nicht nett.

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Auch wenn ich manchmal ein bisschen jammere: Ich liebe diesen Hund
So endete dieser Text ursprünglich. Beim erneuten Durchlesen kam mir dieses Ende aber dann doch etwas zu trübsinnig vor. Die positive Sicht der Dinge:

In unserer Nähe wohnt eine Hündin, die ebenfalls ängstlich ist, aber im Gegensatz zu gewissen anderen Hunden (Hallo Kalle!) ein sehr sanftes und zurückhaltendes Wesen hat. Vor Kurzem habe ich aus einiger Entfernung beobachtet, wie mehrere freilaufende Hunde sie bedrängten. Sie selbst war angeleint, hatte Angst und fühlte sich sichtlich unwohl, aber die anderen Hundebesitzer hielten es nicht für nötig, ihre Hunde zu sich zu holen. Bis wir näher kamen. Plötzlich waren alle Hunde brav an der Leine. Wir sind ja hinreichend bekannt (oder berüchtigt?) in der Gegend. Manchmal hat das echt Vorteile. 😉

November in Kürze

Gute Tat des Monats: Diesmal von Kalles Seite: Nicht ausgerastet. Nicht mal geknurrt. Winzling kommt auf uns zugestürmt, ich gebe Kalle die Erlaubnis sich mitzuteilen, damit der Kleine nicht blindlings in den Schrecken seines Lebens rennt. Kalle bleibt ruhig. Schaut ihn nur direkt an. Winzling bleibt stehen. Siehst du, Kalle, du kannst es doch.

Böse Tat des Monats: War ich nicht. Irgendein Bauer ist schuld. Hat einfach die Wiese eingezäunt und Schafe darauf gestellt. Die Wiese, auf der der Grasbüschel steht. Der Grasbüschel, an den Kalle jeden Abend gepinkelt hat. Ohne Ausnahme. Bis der Zaun kam. Weltuntergang.

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Rätsel des Monats: An dieser Stelle stand bis gerade eben wieder mal eine Beschwerde über andere Hundehalter. Nach der schönen ersten Adventstürchengeschichte von Buddy habe ich jetzt aber beschlossen, das Meckern in der Vorweihnachtszeit mal sein zu lassen. (Oh Mist, worüber schreibe ich denn dann jetzt?)

Erkenntnis des Monats: Meine beiden Hunde sind so verschieden. Wenn ich körpersprachlich mit ihnen arbeite, muss ich mich immer je nach Hund umstellen. Was ausreicht, um Kalle zu stoppen, verlangsamt Mia höchstens ein bisschen. Was Mia zum Anhalten braucht, lässt Kalle schon rückwärts laufen. Aber mit beiden macht das Arbeiten Spaß.

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Reaktionszeiten, wenn ich sie beide rufe
Dummheit des Monats: Mitten in einem philosophischen Disput über die Essbarkeit von Wollt-ihr-nicht-wissen hören wir ein Halsband klirren. Wir reagieren innerhalb von Sekundenbruchteilen. Kalle fährt mit gesträubtem Fell hoch. Ich springe ihm in den Weg, verschwende keine Zeit, mich umzuschauen. Antäuschen, einander fixieren, dann gibt er nach, ich kann in sein Geschirr greifen, nun kann ich mich um den anderen Hund kümmern. Ich schaue mich um. Gähnende, ausgestorbene Idylle. Ist der Hund schon wieder weg? Plötzlich wieder das Klirren. Kalle knurrt. Ich schaue mich um, hektischer. Dann sehe ich es. An einem Ast in der Nähe hängt einsam ein Halsband und schaukelt im Wind. Mia sieht uns an, als hätten wir den Verstand verloren.

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Verrücktheit des Monats: Die eines gewissen Fuchses. Entfernt sich eigentlich von uns, bemerkt dann die Hunde, dreht sich um und rennt geradewegs auf sie zu. Zum Glück an ihnen vorbei, und zum Glück kommen die Hunde auf meinen Ruf. Aber was denkt der sich?

Begegnung des Monats: Diejenigen, die nicht stattgefunden haben. „Da kommt Nora mit Kalle, gehen wir lieber einen anderen Weg.“ Pflichtschuldiges Winken. Sozialfaktor Hund: läuft.

Glücksmoment des Monats: Schnee!!! Und davor der erste Frost. Früher mochte ich den November nicht. Dank Kalle hat sich das geändert.

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Schnee!!! Bei der Geschwindigkeit kommt die Handykamera nicht mehr mit.
Wunder des Monats: Ein lauter Knall während des Spaziergangs, ganz nah. Kalle erschrickt, rennt los. Bleibt dann stehen und dreht sich zu mir um. Kommt sofort, als ich ihn rufe und bleibt ohne Leine bei mir.

Oktober in Kürze

Gute Tat des Monats: Leine festgehalten. Obwohl die Versuchung groß war, ein kleines bisschen nachzugeben. Stimmungsübertragung funktioniert ja in beide Richtungen. Und dieser eine Hund regt Kalle ganz besonders auf. Mich regen die dazugehörigen Menschen auf, weil sie so gar keine Einsicht, kein Verständnis zeigen. Dieser Hund läuft immer frei, hört kein bisschen und provoziert Kalle mit Absicht, immer knapp außerhalb der Reichweite der Leine bleibend. Aber wenn ich ein kleines bisschen nachgeben würde…

Böse Tat des Monats: Mich über dummen Kommentar geärgert, statt ihn zu ignorieren. („Warum lassen Sie den nicht einfach mal von der Leine?“) Muss an meiner emotionalen Kontrolle arbeiten. Sicher hat das Schicksal mir Kalle geschickt, damit ich zu einer buddhistischen Ruhe finde. Wenn ich mich über jemanden ärgere, knurrt er denjenigen an. Zumindest muss ich dann nicht mehr erklären. „Genau deshalb“ reicht.

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Und noch eine böse Tat: Versucht, Mia für Halloween zu verkleiden. Äh, ja.
Rätsel des Monats: Interpretiere ich Kalles Signale falsch? Mirko Tomasini in Tiere suchen ein Zuhause. (Die Sendung findet ihr hier.) Freut Kalle sich bei der Begrüßung überhaupt nicht, mich zu sehen? Drückt er seinen Kopf wirklich deshalb in meinen Bauch, um ihn niedriger zu halten als meinen? (Meine Nase steckt in seinem Fell.) Das fände ich sehr traurig. Aber er drückt sich doch an mich? Legt er sich nicht deshalb auf den Rücken, damit ich seinen Bauch kraulen kann, sondern um Kontakt aus dem Weg zu gehen? Aber er schaut mir doch in die Augen? Er zieht meine Hand mit der Pfote zu sich! Drückt sich die Qualität einer Beziehung wirklich so sehr im Spiel aus? Kalle ist ziemlich passiv beim Spielen (egal ob mit Mia oder mir). Ich kann zwar eine Weile mit ihm spielen, aber so ganz ungezwungen ist es nie. Beim Mantrailing habe ich mal einen Hund getroffen, mit dem ich auf Anhieb wundervoll spielen konnte. („Diese kindliche Ausgelassenheit fehlt uns einfach“, kommentierte eine Teilnehmerin. Tja, schade für euch!) Wir waren uns zwar sympathisch – aber ich hatte sicher keine bessere Beziehung zu ihm als zu meinen eigenen Hunden. Ich beschließe, trotz allem meiner Intuition zu vertrauen und anzunehmen, dass wir eine gute Beziehung haben. Und diesen Bindungstest hätten wir in jedem Fall bestanden. Keiner meiner Hunde würde mit einem Fremden mitgehen.

Erkenntnis des Monats: Gegenkonditionierung ist eine tolle Sache. Man sollte es nur nicht übertreiben. Sonst kann man nicht mehr saugen, ohne dass die Hunde kommen und futtern wollen.

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Dummheit des Monats: Nicht gut genug aufgepasst. Hund kam von hinten auf Kalle zugerannt, Kalle nicht an der Leine, entgegengerannt und den anderen angebellt. Anderer hat verständlicherweise zurück gemeckert. Als ich ein paar Sekunden später ankam und mich dazwischen stellte, wurde ich von beiden Hunden begrüßt, als hätte ich gerade die Welt gerettet. Dabei waren sie doch erst wegen mir in diese Situation gekommen. Ziemlich schlechtes Gewissen.

Verrücktheit des Monats: Meine Hunde verstehen ein Prinzip, das vielen Menschen unbegreiflich ist. Stellt euch folgenden Versuchsaufbau vor: Ein verschlossener Futterbehälter, ein Hund steht davor. Wenn der Hund nun möchte, dass ich den Behälter öffne, weiß er, dass er aus dem Weg gehen muss. Sonst komme ich da nicht hin. Anders bei vielen Menschen. Sobald im Bus alle Sitzplätze belegt sind, bleiben die Leute in der Tür stehen. Das ist schade, weil dann niemand mehr einsteigen und der Bus nicht weiterfahren kann. Bitte ich darum, doch ein bisschen weiter in den Gang zu gehen, schaut man mich erstaunt an, bevor brav hineingerückt wird.

Begegnung des Monats: Der Hund hat die traurigsten Augen, die ich je gesehen habe. Sein Frauchen meckert ununterbrochen an ihm herum, obwohl er nie etwas tut, was das rechtfertigen könnte. Wenn wir uns begegnen, halte ich seinen Blick fest. Ich möchte, dass er weiß, dass jemand ihn sieht. Neulich kam er zu mir und hat mit der Schnauze meine Hand berührt.

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Glücksmoment des Monats: Über abgegraste Wiesen rennen. Die Welt ist wieder weit, die Luft kühl und Kalle schafft es mittlerweile tatsächlich, die Schafsköttel liegen zu lassen.

September: Zwischen Alpen und Hadronen

Gute Tat des Monats: Im Allgäuurlaub jeden Tag mit den Hunden wandern gegangen. Auch wenn es kalt war und geregnet hat. Dieser Urlaub gehörte den Hunden. So als Ausgleich für die böse Tat.

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Obwohl natürlich gemeinsames Dösen auch nicht zu unterschätzen ist.
Böse Tat des Monats: Ohne die Hündchen verreist. Schon ein leicht schlechtes Gewissen gehabt. Aber da war diese Konferenz, die Gelegenheit, Physiker aus aller Welt zu treffen, Neues zu lernen. Eigene Ergebnisse vorzustellen, auch wenn ich mich mit meiner Bachelorarbeit zwischen all den Forschungsprojekten zuerst ein wenig fehl am Platz fühlte. Und eine Reise in eine schöne Stadt bezahlt zu bekommen. Also habe ich es gewagt. Die beiden sehr vermisst. Dafür war das Wiedersehen um so schöner.

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Eingang zu meiner ersten Konferenz: Hadron 2017. 
Rätsel des Monats: Wie wandert man am besten mit angeleintem Hund bei Regen? Schleppleine und Schirm lassen sich nicht gleichzeitig halten. Flexileine mag ich nicht. Kurze Leine mag Kalle nicht. Kapuze schränkt Sichtfeld ein und dämpft Geräusche, mag ich nicht. Dann lieber nass werden. Vielleicht kaufe ich mir einen Regenhut. Damit würde ich zwar komisch aussehen, wäre aber praktisch.

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Vorsichtshalber an der Leine. Nicht dass er auf die Idee kommt, den senkrechten Weg zu nehmen.
Erkenntnis des Monats: Kalle auf Augenhöhe zu fotografieren ist nicht einfach. Sobald ich in die Hocke gehe, setzt er sich neben mich. Natürlich mit dem Rücken zu mir. Das minimiert die Wahrscheinlichkeit eines Überraschungsangriffs durch die Anderen. Allerdings auch die Wahrscheinlichkeit eines schönen Fotos.

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So nicht.
Sitz. Und Bleib. BLEEIIIB.

Jo fein! Geht doch.

Dummheit des Monats: Sonst geht es hier ja um meine eigene Dummheit. Dieses Mal kann ich es nicht lassen, über die Dummheit anderer zu meckern. Wahlergebnisse. AfD drittstärkste Partei. Leute, denkt doch mal ein kleines bisschen darüber nach, wen ihr da wählt.

Verrücktheit des Monats: Wasserfälle besichtigt. Zumindest in Kalles Augen eine ziemliche Verrücktheit. Die sind laut und nass und warum sollte man sich da freiwillig in die Nähe begeben?

Buch des Monats: „Hartmann und der böse Wolf“ von Michael Frey Dodillet. Ich liebe die Krawallmausbücher. Dieses Mal ein Krimi. Kann er auch.

Begegnungen des Monats: Alle Physiker, die ich in Salamanca kennen lernen durfte. War ein begegnungsreicher Monat.

Glücksmomente des Monats: Sonnenschein, Wiesen und Berge.

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Glücklich.
Wiedersehen mit den Hunden.

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Angekommen

August in Kürze

Gute Tat des Monats: Streit verhindert. Leckerchen auf dem Boden, von jeder Seite ein Hund darauf zurennend. Zwei geöffnete Schnauzen, erstarrend, ratlose Blicke zu mir. Zweites Leckerchen dazu gelegt. Bin ich nicht klug?

Böse Tat des Monats: Kalle angeschrien. Ganz böses Frauchen, ich weiß. Aber kann ihm nicht mal jemand die Grundsätze der positiven Verstärkung erklären? Ich möchte nicht immer über Schreckreize erzogen werden. Jedes Mal, wenn ein Auto vor dem Haus hält, bellt er so laut und plötzlich, dass mir fast das Herz stehen bleibt. Kann er nicht stattdessen klickern, wenn ich zum Fenster gehe und nachschaue? Trotz allem hat mich seine Reaktion im Nachhinein gefreut: Er kam zu mir und stupste an meine Hand. Früher wäre er zurückgewichen und hätte mich angeknurrt. Mittlerweile weiß er, dass ich ihm nichts tue, auch wenn ich wütend auf ihn bin.

Rätsel des Monats: Was ist das?

Eine Rebellion? Der Kotbeutel als Akt des zivilen Ungehorsams? Eine Art Kunstprojekt? Oder einfach nur Blödheit? Im Monatsrückblick Juni hatte ich ja über die hiesige Mülleimersituation berichtet. Aber liebe Leute, das hier scheint mir die denkbar schlechteste Lösung zu sein.

Erkenntnis des Monats: Moblitätsübungen mit trickerfahrenem Hund sind nicht einfach. Da wollte ich die Übungen von Doggy Fitness mit Mia ausprobieren. Sie war anderer Meinung: Warum denn langweilige Sitz-Platz-Wechsel? Ich kann doch Männchen-Winken-Rolle-Kriechen-Dreh-Hop-Betteln-Rückwärts-Peng!

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Dummheit des Monats: Festgestellt, dass meine alte Inlinerausrüstung noch passt. Den Schätersky geschnappt und Inlinerfahren gegangen. Bedenken hinsichtlich der Kombination aus zu Panik und Wut neigendem Hund und rollendem Frauchen ausgeblendet. Ging aber alles gut. Bergab war ein wenig wacklig. Kalle aber rücksichtsvoll und kooperativ. „Das ist aber ein braver Hund“, meinte die vorbeifahrende Omi. Wenn die wüsste.

Verrücktheit des Monats: Der Deklarationswahnsinn. Hat nicht unbedingt etwas mit Hunden zu tun, muss ich jetzt aber mal loswerden. Die ganze Zeit keine Zahnpasta mit Vitamin B12-Zusatz, weil auf der Verpackung nicht stand, dass die Wirksamkeit nicht ausreichend wissenschaftlich belegt ist. Hat ja auch keiner behauptet. Ich möchte ja kein Paper darüber lesen, sondern meine B12-Versorgung verbessern. Und das ist da enthalten und wird anscheinend auch vom Körper aufgenommen, sonst wären meine Werte nicht in Ordnung. Auch die Tofuwürstchen dürfen nicht mehr so heißen. Könnte ja jemand auf die Idee kommen, sie seien aus Fleisch. Wenn er die erste Hälfte des Worts überliest. Was ist denn jetzt mit der Sonnenmilch? Enthält keine Milch! Betrug! Gleichzeitig dürfen Plastikverpackungen viel zu groß sein und unnötigen Müll produzieren. Besonders bei Hundefutter ärgert mich das immer wieder. Von den Haltungsbedingungen sogannter Nutztiere fange ich jetzt gar nicht erst an. Nur eines: Tofuwürstchen sind nicht der wahre Feind.

Buch des Monats: „Dogwalk“ von Ursula Löckenhoff. Nach der tollen Rezension bei The Pell-Mell Pack konnte ich nicht widerstehen, als mir dieses Buch bei einem „zufälligen“ Besuch in der Buchhandlung „zufällig“ begegnete. Ursula Löckenhoff ist mir sehr sympathisch und ich mache viele Dinge bereits so, wie sie es in ihrem Buch vorschlägt. Obwohl ich das mit so vielen Hunden vermutlich nicht könnte. Außerdem schafft sie es, sich knapp und präzise auszudrücken, was das Lesen wirklich angenehm macht. Drei wichtige Dinge, die ich dazu gelernt habe: Ich könnte meine Stimme mehr einsetzen, besonders zur Motivation der Hunde. Ich bin immer so auf Körpersprache konzentriert, dass ich das naheliegendste Instrument zur Kommunikation womöglich nicht genug nutze. Außerdem sollte ich Mia vielleicht mehr einbinden. Während Kalle als „Bodyguard“ eine Art „Dauerauftrag“ hat (zumindest in Bereitschaft), ist meine „Diplomatin“ doch häufig sich selbst überlassen und mehr mit Mäusen beschäftigt als mit uns. Drittens das Fliegerspiel: Ich renne mit ausgebreiteten Armen, Richtung und Tempo variierend, die Hunde sollen mir folgen. Besonders für Kalle, der beim Rennen sehr schnell hochfährt, eine tolle Übung. Zur Zeit habe ich noch leichte Schwierigkeiten: Motiviere ich ihn, schießt er leicht an mir vorbei. Bremse ich, lässt er sich zurückfallen. Ich arbeite daran, die Intensität meiner Signale weiter herunterzuschrauben.

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Begegnung des Monats: Der Hund, der uns anbellt, ist unsicher und ängstlich. Ich sitze auf dem Boden und versuche, Ruhe und Friedfertigkeit auszustrahlen. Meine Hunde stehen hinter mir und schauen demonstrativ in eine andere Richtung. (Kalle brauchte ein wenig Unterstützung meinerseits, hat aber nun zur Ruhe gefunden.) „Der ist harmlos“, ruft uns der Besitzer zu. Das ist ja nun nicht das Schlechteste, das man rufen kann. Besser als „Der tut nichts“, weil klarer definiert. Und es stimmt: Dieser Hund ist wirklich harmlos. Trotzdem gibt es Verbesserungsbedarf. Erstens ist diese Information überflüssig. Wenn ich Zweifel an der Harmlosigkeit eines Hundes habe, bringe ich mein Gesicht wohl kaum auf die Höhe seiner Zähne. Zweitens ist das kein Grund, ihn sich selbst zu überlassen. Er bräuchte Unterstützung durch seinen Menschen, wird aber stattdessen mit der Gefahr (also uns) alleine gelassen.

Glücksmoment des Monats: Kalle beim Schlafen in der Sonne beobachtet. Es gibt keinen friedlicheren Anblick als den eines schlafenden Hundes. Und dass er mittlerweile draußen so entspannen kann, kommt mir noch immer wie ein kleines Wunder vor.

Spannend. Nur bitte nicht zu spannend

Das Thema der Blogparade, zu der Julia von miDoggy diesen Monat aufgerufen hat, lautet „Gassigehen – so findet euer Hund es wieder spannend“.

Nun ist Kalle kein Hund, bei dem Langeweile aufkommt. Für ihn ist jedes Rascheln ein möglicher Hinweis auf einen versteckten Attentäter, jede Bewegung eine potentielle Beute. Leider ist Kalle auch kein Hund, der auf Spaziergängen einfach seinen Interessen nachgehen kann. Denn der Attentäter ist möglicherweise ein Spaziergänger, das nicht angebellt werden möchte, und die Beute ein Radfahrer, der nicht gejagt werden möchte. Einfach Leine ab und los wie bei Mia: geht nicht. Also stand ich bald vor der Frage, wie ich Kalle auf Spaziergängen sowohl Auslastung als auch Entspannung biete und gleichzeitig meine Mitmenschen und –Tiere nicht belästige oder ängstige. Dazu unterteile ich Spaziergänge in verschiedene Kategorien, aus denen ich täglich zwei auswähle.

  1. Streuobstwiese

Diese Variante macht den größten Anteil unserer Spaziergänge aus, die Umgebung ist uns am liebsten. Schmale Wege führen durch Wiesen und Büsche, hier sind wenige Menschen unterwegs. Wir kennen jede Kreuzung, wissen um die Luftströmungen und die Akustik an jeder Stelle. Unwahrscheinlich, dass uns jemand überrascht. Kalle darf frei laufen, bleibt aber aufgrund der Unübersichtlichkeit der Wege meistens hinter mir.

Typ 1A: Einfach so

Wir gehen. Die Hunde schnüffeln. Wir achten auf unsere Umgebung, um rechtzeitig reagieren zu können, falls sich jemand nähert. Abhängig von der Witterung machen wir Pause. Sitzen träumend im Gras. Rennen über Wiesen. Selbstverständlich nachdem wir sie kontrolliert haben. Hier darf Kalle voraus laufen. Bevor wir wieder auf den Weg kommen, wartet er auf mich. Wir reihen uns wieder auf und kommen zur Ruhe. Dann geht es weiter.

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Ich mag diese Landschaft
Typ 1B: Beschäftigung

Ähnlich Typ 1A. Statt aber weit zu laufen, suchen wir uns eine gemähte Wiese. Wir trainieren Tricks. Umrunden bietet sich häufig an, Fußarbeit und Arbeit auf Distanz. Oder ich werfe Leckerchen und lasse die Hunde suchen. Oder ich lege Fährten. Oder verstecke Spielzeug. Die Hunde dürfen anwechslend suchen, der jeweils andere wartet. Impulskontrolle und so. Danach spielen Kalle und ich. Ohne Spielzeug, nur wir beide. Dann fallen wir ins Gras und ruhen uns aus.

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Gemeinsame Pause
  1. Wald

Im Wald sind mehr Leute unterwegs, außerdem gibt es Rehe. Die Übersichtlichkeit ist durch erhöhte Baumdichte stark eingeschränkt. Nicht allzu erstaunlich. Kalle bleibt an der Schleppleine.

Typ 2A: Normaler Weg

Dieser Typ kommt eigentlich nur bei starkem Regen in Frage. Ansonsten wird man ständig von irgendwelchen Tutnixen überrannt oder Radfahrern überfahren. Wenn es aber regnet, hält sich der Verkehr in Grenzen und Typ 2A ist der Spaziergang mit den trockensten Füßen. Sonst passiert nichts Spannendes.

Typ 2B: Abenteuerweg

Deutlich interessanter: Wir verlassen die breiten Wege und begeben uns auf Pfade, die eigentlich zum Holzfällen gedacht waren. Oder auf sogenannte Reitwege, die so zugewachsen sind, dass Reiten dort kein Vergnügen ist. Zu Fuß ist es aber okay. Die Hunde haben die Nasen am Boden und saugen die Wildgerüche ein. Für jede Rehsichtung stopfe ich sie mit Futter voll. Dann rennen wir in die entgegengesetzte Richtung. Baumstämme laden zum Springen und Balancieren ein. Äste-Mikado trainiert die Koordination. Auf Baumstümpfen lässt es sich gut posieren. Moos ist weich und fluffig und wunderbar wälzgeeignet. Nach negativer Rehkontrolle kann man auch mal auf einer Lichtung ohne Leine rennen.

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Klettern
  1. Felder

Landschaftlich ist es nicht ganz so reizvoll. Dafür kann man hier sehr weit schauen. Keine überraschenden Begegnungen. Man kann allen Tutnixen aus dem Weg gehen. Ein Problem sind die Hasen, die sich in Senken verstecken und plötzlich aufspringen können. Kalles Lieblingsbeute. Er bleibt angeleint. Keine Ausnahmen.

Typ 3A: Schleppleine

Hier nutzt Kalle die zehn Meter Leine voll aus. Schnüffeln, rennen, warten, neben mir laufen, abwechselnd. Ich werfe Leckerchen oder „verliere“ Gegenstände und schicke die Hunde zum Suchen zurück. Wir trainieren an Bewegungsreizen mit Hilfe der weit entfernten Straße, auf der Autos vorbeiflitzen. Nicht losstürmen, kommst eh nicht weit dank Leine. Mich anschauen und Leckerlie jagen bringt mehr Spaß. Und zur Zeit ist besonders Strohballenhopsen sehr angesagt. Ansonsten einfach mal eine Weile laufen und nur Hund sein.

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Hier sehen wir die eigentlich nicht existente Ausnahme. Aber echt nur bei Strohballen.
Typ 3B: Fahrrad

Mit Kalle fahre ich sehr gerne Rad. Für Mias alte Gelenke ist das leider nichts mehr. Ohne Leine würde er schnell überdrehen. Wenn ich aber mit Leine ein gleichmäßiges Tempo vorgebe, findet er schnell seinen Rhythmus und läuft ganz entspannt. Reine körperliche Bewegung ohne geistige Anstrengung tut auch mal gut.

 

  1. Entdeckungen

Ein Spezialfall ist Kategorie 4, die Entdeckungsreisen. Wir fahren mit dem Auto an verschiedene Stellen und erforschen Neuland. Kombination aus Elementen der anderen Kategorien. Ein ganz eigener Zauber, der im Unbekannten liegt.

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Pause auf einer Wanderung
So versuche ich, unsere Spaziergänge abwechslungsreich und spannend zu gestalten, und gleichzeitig Kalle die Struktur zu geben, die er braucht. Zu viel Spannung ist dann auch nicht gut, sonst neigt er zur Überdrehtheit.

Ich kann mich nicht beklagen, dass Kalle mich nicht spannend genug fände. (Mia findet vor allem die Leckerchen spannend, die ich einstecken habe. Ist ja auch okay.) Eher im Gegenteil. Er klebt sehr an mir und manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, weil es ihn in seiner Freiheit einschränkt. Aber das ist einfach seine Persönlichkeit. Wenn er es für seinen Auftrag hält, mich zu beschützen, dann tut er das auch. Und das geht nicht, wenn er sich von mir entfernt. Ich sehe es ähnlich, nur umgekehrt. Denn meiner Meinung nach ist er hier derjenige, auf den man aufpassen muss.