Hundeleben im April

Ihre Monatsrückblicke werden langsam langweilig. Meiner Klientin, sie zu schreiben, und euch, sie zu lesen. Die Zahl der Aufrufe ist monoton fallend, ganze neunzehn hatte der letzte. Deshalb habe ich beschlossen, die Sache mal zwischen meine kundigen Zähne zu nehmen. Rückblick auf Hundeart.

Sie jammert. „Keine Brille“, nörgelt sie. Nichts sehe sie. „Keine Jacke“. Sie friere. Irgendetwas von wegen Schlafanzug und hoffentlich keine Nachbarn. Ich ziehe sie entschlossen weiter durchs Gestrüpp, auf der Suche nach dem perfekten Busch. Ich habe ganz genaue Vorstellungen von optimaler Größe und idealem Geruch. Kompromisse kommen nicht in Frage. So dringend ist es nun auch wieder nicht. So dringend, dass ich sie um fünf Uhr morgens durch Alarmbellen aus dem Schlaf reißen musste, wie ein Sirenenflummi jaulend vor der Tür hüpfen musste, das ja. Aber nicht so dringend, dass ich mit einem zweitklassigen Busch Vorlieb nehmen würde.

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Die Frau schaut meine Klientin an und fragt sich wohl, ob sie das ernst meint. Meine Klientin lächelt nicht, denn sie meint es ernst. Dann kommt Bewegung in die Sache. Ein Hund wird hektisch eingefangen und angeleint. Der tue nichts, ist behauptet worden. Offensichtlich inkorrekt, denn er tat etwas. Nerven zum Beispiel. „Meiner schon“, hat sie korrekterweise erwidert. Atmen zum Beispiel, in die Luft schauen, oder auch Nervensägen anknurren. Das braucht sie aber gar nicht weiter auszuführen, denn schon sind Frau und Hund verschwunden. Diese beiden Worte sind wirklich eine Zauberformel.

Sie jammert schon wieder. Dieses Mal nicht wegen mir. Sie hat vorhin Brennnesseln gepflückt. Sie in ihre Tasche gesteckt. Dieselbe Tasche, in der sonst das Handy ist. In die sie gewohnheitsmäßig ständig hineintastet, um zu kontrollieren, dass das Handy noch da ist. Es war nicht ihre beste Idee.

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Es ist einer der Anderen. Er guckt. Er provoziert mich! Da hat er sich mit dem Falschen angelegt! Ich lasse meine messerscharfen Zähne blitzen, grolle furchterregend, stürze los. Knalle gegen das Fahrrad meiner Klientin. Sie flucht. Ich humpele winselnd auf drei Beinen. Sie hört auf zu schimpfen. Untersucht mein Bein, findet keine Anzeichen einer Verletzung. Das ist kein Wunder, denn mit dem Bein ist alles in Ordnung. Das muss sie nur noch nicht wissen. Ich lasse mich eine Weile trösten. Dann kann es weitergehen. Ein bisschen schneller bitte, ja?

„Leinenphobie“, erklärt sie mir. „Das ist mittlerweile zur Volkskrankheit geworden.“ Sie drehen um, gehen andere Wege, kämpfen sich durchs Unterholz, sie schleudern Bälle oder winken mit Futter, um ihre Hunde abzulenken (erfolglos meistens). Alles, um zu vermeiden, mal kurz die Leine hervorzuholen, um an uns vorbeizugehen. Wir verstehen das nicht. Wir mögen die Leine. Wir haben einander gerne in der Nähe und die Leine ist eine Verbindung zwischen uns.

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Plötzlich bin ich frei. Flüchtender Feldhase direkt vor, Klientin liegt im Matsch, Leine weht hinter mir her. Der Jagdrausch hat mich gepackt. Die letzte richtige Jagd ist so lange her. Und nun, unverhofft, nichts mehr, das mich zurückhält. Niemand, der mich zurückhält. Keine Klientin. Ich bleibe stehen. Dann renne ich zurück, so schnell ich kann. Da ist sie. Sie streichelt mich, ich drücke mich an sie. Wann ist sie mir wichtiger geworden als Hasen? Das ist ja fast peinlich.

Und zu guter Letzt: Der Zwölftelblick im April.

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Seltsames

Frauchens Stimme reißt mich aus meinem Schlummer: „Hallo.“ Das ist eines unserer Codewörter. Es bedeutet: Fremde auf unserem Revier. Sofort bin ich hellwach. Alarmbellen und gesträubtes Fell. Ich schieße in den Flur, komme schlitternd zum Stehen und schaue mich hektisch um. Wo ist der Eindringling? Frauchen sieht mich stirnrunzelnd an und bedeutet mir, still zu sein. „Entschuldigung, der Hund hat gerade irgendetwas gehört.“ Offenbar spricht sie nicht mit mir. Mittlerweile habe ich die Luft geprüft und bin mir sicher, dass sonst niemand da ist. Ist Frauchen verrückt geworden? Sie redet mit dem Plastik-und-Metall-Ding in ihrer Hand! Verwirrt knurre ich und lehne mich an ihr Bein. Dann antwortet das Ding. Seine Stimme klingt menschlich, aber nicht ganz. Äußerst verwirrend das Ganze. Ich schaue zu Frauchen auf, die beruhigend lächelt. Es scheint keine Gefahr zu bestehen. Ratlos gehe ich wieder schlafen.

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Frauchen tut seltsame Dinge. Einen großen Teil ihrer Zeit verbringt sie mit etwas, das sie „Lernen“ nennt. Dabei starrt sie auf platte Dinger, die entfernt nach Holz riechen, aber doch nicht ganz. Da ich selbst gerne lerne, habe ich das mal ausprobiert. Ich habe so lange und intensiv gestarrt, wie ich konnte. Und habe ich etwas gelernt? Nicht die Bohne! Trotz der offensichtlichen Aussichtslosigkeit lässt sie sich nicht von ihren Lernversuchen abbringen und starrt unermüdlich weiter. Mir ist das ganz recht, denn dabei hat sie die Hände frei! Das bedeutet, sie kann meinen Bauch kraulen. Nebeneinander auf dem Sofa liegen und schmusen, gibt es etwas Schöneres?

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Na ja, eine Sache gibt es, die mindestens genauso schön ist: Essen. Und dabei ist Frauchen erst recht seltsam. Rinderkopfhaut, Kamelpansen und Hühnerfüße werden von ihr genauso verschmäht wie Pferdeäpfel und verweste Regenwürmer (meine persönlichen Lieblingsspeisen). Sie rührt tatsächlich keine Art von Fleisch an. Aus ethischen Gründen, sagt sie.1 Stattdessen isst sie so merkwürdige Dinge wie Tofu und Seitan. (Einmal hat sie mir etwas davon angeboten. Es erinnerte mich an die Gummimatte, die ich in meiner Jugend einmal halb verspeist habe…) Ich sehe es positiv: Sie macht mir nie mein Futter streitig!

Was ich ganz und gar nicht positiv sehe, ist ihre Vorliebe für unappetitliche Gerüche. Einmal habe ich mich an ihr nacktes Bein gelehnt (meine Klientin kann ihr Fell ablegen – eine weitere Merkwürdigkeit) und genoss die kraulende Hand an meinem Ohr. Dann nahm ich den Geruch wahr. Sie hatte übelriechende Schmiere auf ihren Beinen verteilt! (Frangipani-Duft, sagt sie. Keine Ahnung, was das ist, aber es klingt giftig.) Ihr könnt euch mein Gesicht vorstellen, als ich merkte, dass ich das Zeug nun ebenfalls an meinem Fell hatte. Menschen können so eklig sein…

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Und sonst? Es gäbe noch viel Seltsames zu berichten. Wie sie lärmend mit dem Rüssel-Ding durch die Zimmer zieht. Wie sie zu ihrem Vergnügen Futter in das Gummi-mit-Loch-Ding stopft, sodass ich mich dann abmühen muss, um es wieder heraus zu bekommen. Wie sie… eben alle diese unsinnigen Menschen-Dinge tut, die kein vernünftiger Hund je tun würde. Aber lassen wir das. Wir wollen sie ja nicht zu sehr in Verlegenheit bringen.

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1Tische können bei der Nahrungsbeschaffung ein ernstes Problem darstellen. Während Essbares auf dem Sofatisch noch recht gut zu erreichen ist, sieht das beim Küchentisch schon anders aus. Und dieser Etisch muss wirklich ungeheuer hoch sein, wenn sogar Frauchen ihn nicht überwinden kann…

Katze!!!

Es ist eines unserer Codewörter. Möglicherweise eines der wichtigsten. Es bedeutet: Katze auf unserem Revier. Katzen gehören zu den Anderen. Allesamt.

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Erst tun sie ganz lieb und nett
Sie bedrohen unsere Sicherheit. Besonders die meiner Miniklienten. Die Miniklienten sind klein, langohrig und wehrlos. Am Anfang dachte ich ja, das sei unser Fleischvorrat. Aber sie sind Frauchen wichtig, also müssen sie eine große Rolle im Plan spielen. Die Katzen haben es auf sie abgesehen. Wenn wir es zuließen, würden sie sie zu ihrem Vergnügen quälen. Das zu verhindern ist Teil meiner Mission.

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…und klein und niedlich
Sie sind heimtückisch. Sie kommen angeschlichen, verborgen hinter Gebüsch. Sie laufen nicht auf dem Boden wie anständige Hunde. Sie laufen auf Mauern! Sie laufen feige dort, wo ich sie nicht erreichen kann!

Sie sind leise. Bellen und Knurren nicht. Sie operieren im Geheimen.

Sie haben keinerlei Ehre. Einem fairen Zweikampf weichen sie aus. Sie vergehen sich an Schwächeren, aber meiden die Begegnung mit echten Gegnern.

Wenn das Codewort erklingt, gibt es kein Halten mehr. Ich springe auf, rase durch die Tür, stürze mich nach draußen. Ich lasse mein bedrohlichstes Knurren hören und springe in meiner eindrucksvollsten Haltung am Zaun entlang. Die Katze rennt. Ich hoffe, sie kommt nie zurück.

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…und zärtlich
Katzen sind schwach, weil sie alleine sind, während ich den Rückhalt meines Rudels habe. Weil sie für sich selbst agieren, während ich das große Ganze im Blick habe. Weil sie arrogant und egoistisch sind, während ich mich selbstlos für unsere Sicherheit aufopfere.

Ich tue, was ich tun muss. Mit Bedauern, aber mit der Gewissheit, dass es das Richtige ist.

Es wurde behauptet, dass ich Katzen verjage, weil es mir Spaß macht. Das ist eine Lüge.

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… und planen dabei den nächsten Diebstahl
[Anm. d. Übersetzung: Dieser Artikel spiegelt die persönliche Meinung eines Hundes wider. Die Übersetzerin ist Antispeziesistin und distanziert sich ausdrücklich von jeglichen katzenfeindlichen Inhalten.]

Konkurrenz

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Der versucht sich doch tatsächlich an mein Mädchen ranzumachen, glaubt wohl, er könne ihr den Kopf verdrehen mit seinen blonden Haaren und seinem großspurigen Charme. „Lass deine dreckigen Pfoten von ihr, du verdammte Pissnelke“, brülle ich. Das Wort habe ich irgendwo aufgeschnappt und finde es außerordentlich beeindruckend. „Du Kacklilie, du Furzrose, du stinkendes Gänseblümchen“, setze ich nach. Ich kann mir keine schlimmere Beleidigung als einen Blumennamen vorstellen, außer vielleicht – „du Lavendelkatze“, triumphiere ich. Bam, das hat gesessen. Und wenn meine Klientin mich nicht zurückhielte, wenn ich nicht verpflichtet wäre, sie zu beschützen, sie niemals zu verletzen, dann würde ich diesen Aufschneider in Grund und Boden prügeln.

„Er hat dir gefallen, gib’s zu“, sage ich, während ich meine Kollegin gründlich beschnüffele. „Ach was“, schnaubt sie, „dieser kleine Krümel von Mops, nie im Leben.“ „Ganz genau, ein mickriger, jämmerlicher, kümmerlicher, krümeliger Krümel“, stimme ich zu und versuche, mir meine Erleichterung nicht anmerken zu lassen.

Ein Beitrag zu den abc-etüden. Die Graphik ist wie immer von  ludwigzeidler.de.

Die dunkle Seite des Frauchens

Für die Blogparade von Aram und Abra habe ich über die Superkräfte meines Frauchens geschrieben. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Die Beiträge von Shiva und Moe haben mich darauf gebracht, auch über die Kehrseite zu berichten. Denn meine Klientin hat auch Anti-Kräfte. Das ist eigentlich geheim, aber ausnahmsweise berichte ich euch davon. Ich weiß ja, dass ihr mich nicht verraten werdet. [Okay, es hat ein bisschen gedauert, bis ich diesen Text veröffentlichen konnte. Er musste halt erst durch die Zensur. Die wirklich interessanten Teile hat Frauchen leider gestrichen…]

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Erster Punkt: Anti-Fotoaffinität. Sie weigert sich einfach, in eine Kamera zu schauen…
Anti-Leinenkoordination

Die Schleppleine ist lang. Das ist schön. Ich kann mich recht frei bewegen, während wir verbunden sind. Andererseits ist es auch unschön. Wegen des Knotenpotentials. Sie bleibt stehen. Entknotet, rollt auf. Ich warte. Dann geht es weiter. Ich laufe vor. Sie gibt Leine nach. Ich laufe hin und her. Sie bleibt stehen. Entknotet. So geht das die ganze Zeit. Noch spaßiger ist es, wenn meine Kollegin auch an einer Schleppleine läuft. Dann kann Frauchen auch die beiden Leinen untereinander verknoten. Irgendwann gibt sie auf und trägt ein Knäuel spazieren.

Anti-Speiseerkenntnis

Ich bin ein Raubtier. Wer daran zweifelt, kann gerne mit meinen Zähnen Bekanntschaft schließen. Raubtiere fressen Fleisch. Und kein Karotten-Rote-Beete-Brokkoli-Zucchini-Löwenzahn-Püree mit Hirse und Kokosöl! Würdest du das essen? Dachte ich mir. Mir füllt sie es in meinen Napf. Dann habe ich keine Wahl! Was dort landet, muss ich hinunterschlingen. Es könnte mir ja jemand wegessen und dann würde ich kläglich verhungern. Aber das heißt nicht, dass es mir schmeckt. Auf keinen Fall!

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… Keine Ahnung, von wem sie das hat.
Anti-Gravitationsresistenz

Grundsätzlich ist das ja eine gute Sache. Dank Gravitation bleiben wir schön sicher auf der Erde und fliegen nicht ziellos umher. Frauchen hat es mit ihr manchmal ein wenig schwierig. Sie hat einfach nicht genügend Beine. Sie schleppt ständig Dinge herum und immer zu viele auf einmal. Sie lässt sie fallen. Oder sie fällt selbst. Das erschreckt mich. Könnte sie nicht bitte ein bisschen aufpassen?

Anti-Teilfähigkeit

Leider ist Frauchen extrem futterneidisch. Nach eigenen Angaben kann sie es überhaupt nicht ausstehen, beim Essen von Blicken durchbohrt zu werden. Damit wir das nicht tun, gibt sie uns nie etwas bei Tisch ab. Sie mampft einfach ungerührt vor sich hin und ignoriert uns. Gemein ist das! Das Argument, wir hätten ja vor ihr unser Essen bekommen, lasse ich nicht gelten. Ich bin nämlich noch lange nicht satt. Selbst wenn ich auf Spaziergängen Futter finde, nimmt sie es mir wieder ab. Dabei will sie es nicht einmal selbst essen. Sie gönnt es mir einfach nicht. Stattdessen bietet sie mir langweilige eigene Leckerchen an. Die sind bei weitem nicht matschig genug und nicht einmal ansatzweise verwest. Manchmal nehme ich gnädig eines. Manchmal spucke ich es wieder aus.

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Anti-Streicheltreue

Und nun das Schlimmste. Manchmal tut sie es. Sie streichelt andere Hunde! Wie kann sie nur? Sie streichelt meine Kollegin. Dabei mag die das gar nicht so sehr. Natürlich versuche ich, mich dazwischen zu schieben. Ich schubse meine Kollegin einfach ein bisschen mit dem Hinterteil und drücke meinen Kopf an Frauchens Hand. Mia beschwert sich nie. Frauchen schon. Sie schiebt mich einfach zurück! Das ist so fies. Doch es kommt noch schlimmer. Sie streichelt sogar fremde Hunde. Wenn ich bei ihr bin, passe ich auf sie auf. Dann wagt sich kein anderer Hund in ihre Nähe. Aber manchmal ist sie ohne mich unterwegs. Wenn sie nach Hause kommt, rieche ich es an ihren Händen. Sie hatte Kontakt zu einem fremden Hund. Heimtückisch hinter meinem Rücken. Man hat es nicht leicht mit ihr.

Gesetzbuch des Schäterskys

Meine liebe Kollegin Shiva hat zu einer Blogparade aufgerufen. Sie hat Gesetze aufgestellt, an die sich ihre Menschen einfach nicht halten. Was soll ich sagen: Mir geht es genauso. Das hier sind nämlich meine persönlichen Regeln:

Futter

Futter ist mindestens sieben Mal am Tag zu servieren und muss zu mindestens achtzig Prozent aus frischem Fleisch wechselnder Sorten bestehen. Als Beilage werden Nudeln und Kartoffeln angenommen. Um die Essensaufnahme so schnell und einfach wie möglich zu gestalten, ist alles zu feinem Brei zu pürieren. Die Menge bestimme ich selbst.

Spaziergänge

Jeden Tag werden Spaziergänge in ausreichender Anzahl und Länge unternommen. Der Weg ist so zu wählen, dass jeglicher Kontakt mit Menschen, Hunden, Fahrzeugen, Insekten, Kletten, Dornen oder Zecken ausbleibt. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass kein Wind weht. Richtung und Tempo bestimme ich. Das Frauchen hat auch ohne Leine immer in meiner Nähe zu bleiben. Alles Essbare, das während eines Spaziergangs aufgefunden wird, gehört mir. Die Definition von essbar bestimme ich alleine.

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Geeignete Umgebung
Reviergrenzen

Die Verteidigung der Reviergrenzen ist allein meine Aufgabe. Provokationen von Seiten des Nachbarhundes werden mit aller Entschlossenheit und in der gebotenen Lautstärke beantwortet. Für Sach- und Personenschäden, die durch unbefugtes Einmischen von Seiten des Frauchens entstehen, wird keine Haftung übernommen.

Wellness

Wellnessbehandlungen haben täglich zu erfolgen. Hervorzuheben sind hier alle Arten Massagen, insbesondere Bauch-, Ohren-, und Pfotenmassagen. Außerdem Bürsten, Zähneputzen und Krallenschneiden (wenn kein Schneidebedarf besteht, ist es erlaubt, das Schneiden bloß zu simulieren). Besonderen Wert ist darauf zu legen, dass sich keine Arten von Schmutz oder Pflanzenteilen in meinem Fell befinden. Um maximalen Glanz zu gewährleisten, ist mein Fell täglich mit Kokosöl einzureiben. Dabei nasche ich von dem Kokosöl, so viel ich möchte.

Training

Training findet nur im Wohnzimmer statt und nur, wenn ich gerade Lust habe. Es ist auf die Qualität der Belohnungen zu achten. Keinesfalls dürfen die Trainingsleckerchen von der Tagesration an Futter abgezogen werden. Eine Trainingseinheit besteht aus fünf Minuten üben, fünf Minuten spielen und einer Stunde schmusen.

Sicherheit

Welche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Frauchens ergriffen werden, unterliegt alleine meiner Verantwortung. Niemand betritt unser Revier ohne meine Erlaubnis. Ich alleine entscheide, mit wem das Frauchen spricht und wer sich ihr nähern darf. Um ihre umfassende Sicherheit gewährleisten zu können, ist es dem Frauchen untersagt, ohne meine Begleitung das Haus zu verlassen.

Schmusezeit

Jedwede Zeit, die nicht zur Erfüllung der oben genannten Punkte gebraucht wird, ist zum Schmusen zu verwenden.

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Wird die Schmusezeit nicht eingehalten, lege ich mich vor die Tür und weigere mich aufzustehen.
So einfach diese Gesetze erscheinen, ihre Umsetzung durch das Frauchen scheitert bis heute. Sollte sie sich nicht naher Zukunft bessern, werde ich sie vor dem Hundesgerichtshof verklagen. (Den gibt es tatsächlich. Habe ich in den Nachrichten gehört. Glaube ich.)

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Beweisfoto: Schaut mal, wie arm wir dran sind
Wie ist das bei euch? Halten sich eure Menschen an eure Gesetze?

Das Superfrauchen

Mara von Aram und Abra hat zu einer Blogparade aufgerufen und sich ein ganz tolles Thema ausgedacht: Superfrauchen. Natürlich habe ich eines. Meine Klientin ist das superste Superfrauchen, das ich mir vorstellen kann. Warum? Sie hat zahlreiche Superkräfte:

Supergefahrenabwehr

Sie rettet die Welt. Meine Welt. Und das ist schließlich die wichtigste Welt überhaupt. Ihr kennt das ja. Das Leben ist voller Gefahren. Sie lauern überall und wenn ihr nicht aufpasst, springen sie plötzlich hinter einem Busch hervor und fressen euch mit Haut und Haar. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, meine Klientin auf jede mögliche Gefahr aufmerksam zu machen. Menschen, Hunde, Fahrräder, Autos, Mülltonnen, Pferde, Fliegen, Schafe, Hubschrauber, Kinderwagen, Rasenmäher, Windstöße – alles potentiell lebensbedrohlich. Meine Klientin weiß immer, was zu tun ist. Sie kommentiert alles, was ich ihr mitteile, und hat immer eine Lösung. Mutig stellt sie sich vor mich, wenn sich ein Ungetüm nähert. Ich versuche dann, mich wiederum vor sie zu stellen. Schließlich kann ich nicht zulassen, dass sie für mich ihr Leben riskiert. Doch sie bleibt hartnäckig. Sie ist wirklich furchtlos.

Superstrukturgebung

Chaos ist eine Manifestation des Bösen. Die Anderern bringen es in unsere Welt, um sie schlussendlich zu zerstören. Dem können und müssen wir entgegenwirken, indem wir Ordnung und Struktur in unseren Alltag bringen. Es ist enorm wichtig, Dinge genau so zu tun, wie man sie immer tut. Es gibt Zeiten zum Spazierengehen, zum Spielen, zum Fressen, zum Schmusen, zum Trainieren. An diese Zeiten muss man sich halten. Meine Klientin weiß das. Spaziergänge im Dunkeln müssen immer auf dem gleichen Weg stattfinden. Es gibt Wiesen, auf denen man immer spielen muss, wenn man vorbeikommt. Auf anderen Wiesen darf man dagegen nie spielen. An bestimmten Stellen muss man Pause machen. Es gibt so viel zu beachten. Sie hält sich daran. Auch wenn ich sie hin und wieder erinnern muss. Sie weiß, was Genauigkeit bedeutet. Schon deshalb sind wir verwandte Seelen.

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Zeit für den Spaziergang – Zeit für den Spaziergang – Zeit für den Spaziergang
Superlernfähigkeit

Sie hat nie ein zweites Mal versucht, mir einen Kauartikel wegzunehmen. Sie hat nie ein zweites Mal versucht, während einer Zauneskalation von hinten auf mich zuzugehen und anzumelden, dass es ihr Zaun sei. (Noch so eine clevere Empfehlung aus der Hundeschule. Sie hat sich gleich gefragt, ob es wirklich eine gute Idee ist, von hinten offensiv auf mich zuzugehen. Ist es nicht. Habe ich ihr auch so gesagt.) Sie versucht nicht mehr, mir Freunde zu finden. (Wer braucht die schon, wenn man ein Superfrauchen hat?) Außerdem habe ich ihr schon einige Kommandos beigebracht:

Mit der Schnauze anstubsen: Kopf kraulen.

Mit der Pfote anstubsen: Brust kraulen.

Auf dem Rücken liegend mit der Pfote anstubsen: Bauch kraulen.

Neben dem Sofa stehen: Zur Seite rutschen.

Bellen: Zum Fenster gehen und nach dem Grund schauen. Gegebenenfalls die Tür öffnen. (Die Türklingel ist bei uns überflüssig.)

Einen anderen Hund sehen und sie anschauen: Futter reinschieben.

Vor der Standuhr stehen: Das Spielzeug retten, das darunter gerollt ist.

Sich mit wohlriechenden Substanzen einreiben: Ganz schnell angerannt kommen und „Du Sauhund“ rufen.

Superstreichelkraft

Streicheln ist so ungeheuer wichtig. Deshalb steht meine Klientin morgens extra früher auf, um vor Morgenrunde und Uni Zeit zum Schmusen mit mir zu haben. Wenn sie zurückkommt, setzt sie sich als allererstes zu mir und krault meinen Bauch. Bevor wir zum Nachmittagsspaziergang aufbrechen, wird geschmust. Nach dem Spaziergang, vor dem Training, nach dem Training, vor dem Füttern und vor dem Schlafengehen: Ihr ahnt es. Übung macht den Meister, und sie ist richtig gut im Streicheln.

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Supertransportmacht

Sondereinsatzkommando in Aktion. Sie legt die Hand an den Griff. Ich nehme Anlauf. Sie zieht. Ich hebe ab. Die Klappe öffnet sich. Ich fliege durch den Spalt, sobald er weit genug ist. Noch in der Luft drehe ich mich um und lande sitzend und nach draußen schauend. Dieses Vorgehen bringt eine Zeitersparnis von 713ms. Mindestens. Es kann losgehen. Die Welt fängt an, sich zu bewegen. Während ich sitze, saust sie an uns vorbei. Meine Nase klebt an der Scheibe, meine Augen saugen das Wunder ein. Manchmal öffnet sie das Fenster einen Spalt. Dann halte ich meine Nase in den Wind und inhaliere die Düfte der Freiheit. Sie kann uns bringen, wohin wir möchten.

Superprioritätensetzung

„Kalle ist das Wichtigste in meinem Leben.“ [1] Das kann man so stehenlassen, denke ich.

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Superhund für ein Superfrauchen

[1] Frauchen am 28.05.17 in „Der Hund, den ich brauche