Die dunkle Seite des Frauchens

Für die Blogparade von Aram und Abra habe ich über die Superkräfte meines Frauchens geschrieben. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Die Beiträge von Shiva und Moe haben mich darauf gebracht, auch über die Kehrseite zu berichten. Denn meine Klientin hat auch Anti-Kräfte. Das ist eigentlich geheim, aber ausnahmsweise berichte ich euch davon. Ich weiß ja, dass ihr mich nicht verraten werdet. [Okay, es hat ein bisschen gedauert, bis ich diesen Text veröffentlichen konnte. Er musste halt erst durch die Zensur. Die wirklich interessanten Teile hat Frauchen leider gestrichen…]

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Erster Punkt: Anti-Fotoaffinität. Sie weigert sich einfach, in eine Kamera zu schauen…
Anti-Leinenkoordination

Die Schleppleine ist lang. Das ist schön. Ich kann mich recht frei bewegen, während wir verbunden sind. Andererseits ist es auch unschön. Wegen des Knotenpotentials. Sie bleibt stehen. Entknotet, rollt auf. Ich warte. Dann geht es weiter. Ich laufe vor. Sie gibt Leine nach. Ich laufe hin und her. Sie bleibt stehen. Entknotet. So geht das die ganze Zeit. Noch spaßiger ist es, wenn meine Kollegin auch an einer Schleppleine läuft. Dann kann Frauchen auch die beiden Leinen untereinander verknoten. Irgendwann gibt sie auf und trägt ein Knäuel spazieren.

Anti-Speiseerkenntnis

Ich bin ein Raubtier. Wer daran zweifelt, kann gerne mit meinen Zähnen Bekanntschaft schließen. Raubtiere fressen Fleisch. Und kein Karotten-Rote-Beete-Brokkoli-Zucchini-Löwenzahn-Püree mit Hirse und Kokosöl! Würdest du das essen? Dachte ich mir. Mir füllt sie es in meinen Napf. Dann habe ich keine Wahl! Was dort landet, muss ich hinunterschlingen. Es könnte mir ja jemand wegessen und dann würde ich kläglich verhungern. Aber das heißt nicht, dass es mir schmeckt. Auf keinen Fall!

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… Keine Ahnung, von wem sie das hat.
Anti-Gravitationsresistenz

Grundsätzlich ist das ja eine gute Sache. Dank Gravitation bleiben wir schön sicher auf der Erde und fliegen nicht ziellos umher. Frauchen hat es mit ihr manchmal ein wenig schwierig. Sie hat einfach nicht genügend Beine. Sie schleppt ständig Dinge herum und immer zu viele auf einmal. Sie lässt sie fallen. Oder sie fällt selbst. Das erschreckt mich. Könnte sie nicht bitte ein bisschen aufpassen?

Anti-Teilfähigkeit

Leider ist Frauchen extrem futterneidisch. Nach eigenen Angaben kann sie es überhaupt nicht ausstehen, beim Essen von Blicken durchbohrt zu werden. Damit wir das nicht tun, gibt sie uns nie etwas bei Tisch ab. Sie mampft einfach ungerührt vor sich hin und ignoriert uns. Gemein ist das! Das Argument, wir hätten ja vor ihr unser Essen bekommen, lasse ich nicht gelten. Ich bin nämlich noch lange nicht satt. Selbst wenn ich auf Spaziergängen Futter finde, nimmt sie es mir wieder ab. Dabei will sie es nicht einmal selbst essen. Sie gönnt es mir einfach nicht. Stattdessen bietet sie mir langweilige eigene Leckerchen an. Die sind bei weitem nicht matschig genug und nicht einmal ansatzweise verwest. Manchmal nehme ich gnädig eines. Manchmal spucke ich es wieder aus.

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Anti-Streicheltreue

Und nun das Schlimmste. Manchmal tut sie es. Sie streichelt andere Hunde! Wie kann sie nur? Sie streichelt meine Kollegin. Dabei mag die das gar nicht so sehr. Natürlich versuche ich, mich dazwischen zu schieben. Ich schubse meine Kollegin einfach ein bisschen mit dem Hinterteil und drücke meinen Kopf an Frauchens Hand. Mia beschwert sich nie. Frauchen schon. Sie schiebt mich einfach zurück! Das ist so fies. Doch es kommt noch schlimmer. Sie streichelt sogar fremde Hunde. Wenn ich bei ihr bin, passe ich auf sie auf. Dann wagt sich kein anderer Hund in ihre Nähe. Aber manchmal ist sie ohne mich unterwegs. Wenn sie nach Hause kommt, rieche ich es an ihren Händen. Sie hatte Kontakt zu einem fremden Hund. Heimtückisch hinter meinem Rücken. Man hat es nicht leicht mit ihr.

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Gesetzbuch des Schäterskys

Meine liebe Kollegin Shiva hat zu einer Blogparade aufgerufen. Sie hat Gesetze aufgestellt, an die sich ihre Menschen einfach nicht halten. Was soll ich sagen: Mir geht es genauso. Das hier sind nämlich meine persönlichen Regeln:

Futter

Futter ist mindestens sieben Mal am Tag zu servieren und muss zu mindestens achtzig Prozent aus frischem Fleisch wechselnder Sorten bestehen. Als Beilage werden Nudeln und Kartoffeln angenommen. Um die Essensaufnahme so schnell und einfach wie möglich zu gestalten, ist alles zu feinem Brei zu pürieren. Die Menge bestimme ich selbst.

Spaziergänge

Jeden Tag werden Spaziergänge in ausreichender Anzahl und Länge unternommen. Der Weg ist so zu wählen, dass jeglicher Kontakt mit Menschen, Hunden, Fahrzeugen, Insekten, Kletten, Dornen oder Zecken ausbleibt. Es ist dafür Sorge zu tragen, dass kein Wind weht. Richtung und Tempo bestimme ich. Das Frauchen hat auch ohne Leine immer in meiner Nähe zu bleiben. Alles Essbare, das während eines Spaziergangs aufgefunden wird, gehört mir. Die Definition von essbar bestimme ich alleine.

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Geeignete Umgebung
Reviergrenzen

Die Verteidigung der Reviergrenzen ist allein meine Aufgabe. Provokationen von Seiten des Nachbarhundes werden mit aller Entschlossenheit und in der gebotenen Lautstärke beantwortet. Für Sach- und Personenschäden, die durch unbefugtes Einmischen von Seiten des Frauchens entstehen, wird keine Haftung übernommen.

Wellness

Wellnessbehandlungen haben täglich zu erfolgen. Hervorzuheben sind hier alle Arten Massagen, insbesondere Bauch-, Ohren-, und Pfotenmassagen. Außerdem Bürsten, Zähneputzen und Krallenschneiden (wenn kein Schneidebedarf besteht, ist es erlaubt, das Schneiden bloß zu simulieren). Besonderen Wert ist darauf zu legen, dass sich keine Arten von Schmutz oder Pflanzenteilen in meinem Fell befinden. Um maximalen Glanz zu gewährleisten, ist mein Fell täglich mit Kokosöl einzureiben. Dabei nasche ich von dem Kokosöl, so viel ich möchte.

Training

Training findet nur im Wohnzimmer statt und nur, wenn ich gerade Lust habe. Es ist auf die Qualität der Belohnungen zu achten. Keinesfalls dürfen die Trainingsleckerchen von der Tagesration an Futter abgezogen werden. Eine Trainingseinheit besteht aus fünf Minuten üben, fünf Minuten spielen und einer Stunde schmusen.

Sicherheit

Welche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Frauchens ergriffen werden, unterliegt alleine meiner Verantwortung. Niemand betritt unser Revier ohne meine Erlaubnis. Ich alleine entscheide, mit wem das Frauchen spricht und wer sich ihr nähern darf. Um ihre umfassende Sicherheit gewährleisten zu können, ist es dem Frauchen untersagt, ohne meine Begleitung das Haus zu verlassen.

Schmusezeit

Jedwede Zeit, die nicht zur Erfüllung der oben genannten Punkte gebraucht wird, ist zum Schmusen zu verwenden.

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Wird die Schmusezeit nicht eingehalten, lege ich mich vor die Tür und weigere mich aufzustehen.
So einfach diese Gesetze erscheinen, ihre Umsetzung durch das Frauchen scheitert bis heute. Sollte sie sich nicht naher Zukunft bessern, werde ich sie vor dem Hundesgerichtshof verklagen. (Den gibt es tatsächlich. Habe ich in den Nachrichten gehört. Glaube ich.)

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Beweisfoto: Schaut mal, wie arm wir dran sind
Wie ist das bei euch? Halten sich eure Menschen an eure Gesetze?

Das Superfrauchen

Mara von Aram und Abra hat zu einer Blogparade aufgerufen und sich ein ganz tolles Thema ausgedacht: Superfrauchen. Natürlich habe ich eines. Meine Klientin ist das superste Superfrauchen, das ich mir vorstellen kann. Warum? Sie hat zahlreiche Superkräfte:

Supergefahrenabwehr

Sie rettet die Welt. Meine Welt. Und das ist schließlich die wichtigste Welt überhaupt. Ihr kennt das ja. Das Leben ist voller Gefahren. Sie lauern überall und wenn ihr nicht aufpasst, springen sie plötzlich hinter einem Busch hervor und fressen euch mit Haut und Haar. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, meine Klientin auf jede mögliche Gefahr aufmerksam zu machen. Menschen, Hunde, Fahrräder, Autos, Mülltonnen, Pferde, Fliegen, Schafe, Hubschrauber, Kinderwagen, Rasenmäher, Windstöße – alles potentiell lebensbedrohlich. Meine Klientin weiß immer, was zu tun ist. Sie kommentiert alles, was ich ihr mitteile, und hat immer eine Lösung. Mutig stellt sie sich vor mich, wenn sich ein Ungetüm nähert. Ich versuche dann, mich wiederum vor sie zu stellen. Schließlich kann ich nicht zulassen, dass sie für mich ihr Leben riskiert. Doch sie bleibt hartnäckig. Sie ist wirklich furchtlos.

Superstrukturgebung

Chaos ist eine Manifestation des Bösen. Die Anderern bringen es in unsere Welt, um sie schlussendlich zu zerstören. Dem können und müssen wir entgegenwirken, indem wir Ordnung und Struktur in unseren Alltag bringen. Es ist enorm wichtig, Dinge genau so zu tun, wie man sie immer tut. Es gibt Zeiten zum Spazierengehen, zum Spielen, zum Fressen, zum Schmusen, zum Trainieren. An diese Zeiten muss man sich halten. Meine Klientin weiß das. Spaziergänge im Dunkeln müssen immer auf dem gleichen Weg stattfinden. Es gibt Wiesen, auf denen man immer spielen muss, wenn man vorbeikommt. Auf anderen Wiesen darf man dagegen nie spielen. An bestimmten Stellen muss man Pause machen. Es gibt so viel zu beachten. Sie hält sich daran. Auch wenn ich sie hin und wieder erinnern muss. Sie weiß, was Genauigkeit bedeutet. Schon deshalb sind wir verwandte Seelen.

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Zeit für den Spaziergang – Zeit für den Spaziergang – Zeit für den Spaziergang
Superlernfähigkeit

Sie hat nie ein zweites Mal versucht, mir einen Kauartikel wegzunehmen. Sie hat nie ein zweites Mal versucht, während einer Zauneskalation von hinten auf mich zuzugehen und anzumelden, dass es ihr Zaun sei. (Noch so eine clevere Empfehlung aus der Hundeschule. Sie hat sich gleich gefragt, ob es wirklich eine gute Idee ist, von hinten offensiv auf mich zuzugehen. Ist es nicht. Habe ich ihr auch so gesagt.) Sie versucht nicht mehr, mir Freunde zu finden. (Wer braucht die schon, wenn man ein Superfrauchen hat?) Außerdem habe ich ihr schon einige Kommandos beigebracht:

Mit der Schnauze anstubsen: Kopf kraulen.

Mit der Pfote anstubsen: Brust kraulen.

Auf dem Rücken liegend mit der Pfote anstubsen: Bauch kraulen.

Neben dem Sofa stehen: Zur Seite rutschen.

Bellen: Zum Fenster gehen und nach dem Grund schauen. Gegebenenfalls die Tür öffnen. (Die Türklingel ist bei uns überflüssig.)

Einen anderen Hund sehen und sie anschauen: Futter reinschieben.

Vor der Standuhr stehen: Das Spielzeug retten, das darunter gerollt ist.

Sich mit wohlriechenden Substanzen einreiben: Ganz schnell angerannt kommen und „Du Sauhund“ rufen.

Superstreichelkraft

Streicheln ist so ungeheuer wichtig. Deshalb steht meine Klientin morgens extra früher auf, um vor Morgenrunde und Uni Zeit zum Schmusen mit mir zu haben. Wenn sie zurückkommt, setzt sie sich als allererstes zu mir und krault meinen Bauch. Bevor wir zum Nachmittagsspaziergang aufbrechen, wird geschmust. Nach dem Spaziergang, vor dem Training, nach dem Training, vor dem Füttern und vor dem Schlafengehen: Ihr ahnt es. Übung macht den Meister, und sie ist richtig gut im Streicheln.

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Supertransportmacht

Sondereinsatzkommando in Aktion. Sie legt die Hand an den Griff. Ich nehme Anlauf. Sie zieht. Ich hebe ab. Die Klappe öffnet sich. Ich fliege durch den Spalt, sobald er weit genug ist. Noch in der Luft drehe ich mich um und lande sitzend und nach draußen schauend. Dieses Vorgehen bringt eine Zeitersparnis von 713ms. Mindestens. Es kann losgehen. Die Welt fängt an, sich zu bewegen. Während ich sitze, saust sie an uns vorbei. Meine Nase klebt an der Scheibe, meine Augen saugen das Wunder ein. Manchmal öffnet sie das Fenster einen Spalt. Dann halte ich meine Nase in den Wind und inhaliere die Düfte der Freiheit. Sie kann uns bringen, wohin wir möchten.

Superprioritätensetzung

„Kalle ist das Wichtigste in meinem Leben.“ [1] Das kann man so stehenlassen, denke ich.

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Superhund für ein Superfrauchen

[1] Frauchen am 28.05.17 in „Der Hund, den ich brauche

Verfolgt

Frauchen sagt, ich zöge Ärger an wie ein Magnet einen Eisenspan. Früher sei sie jahrelang täglich spazieren gegangen, ohne dass ständig irgendetwas passiert sei. Das stimmt natürlich so nicht. Früher war sie gewiss auch häufig in Gefahr. Nur ohne mich hat die Arme es nicht einmal bemerkt! Ein Glück, dass sie überhaupt noch lebt. Und ein Glück, dass wir uns jetzt gegenseitig haben, um einander zu beschützen.

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Ich bin nicht sicher, ob ich den Geruch mag. Schwer und intensiv, würzig und muffig zugleich. Sie ist etwas größer als ich, aber nicht viel. Kein Hund oder Mensch. Ein bisschen wie ein Schaf, aber doch ganz anders.  Neugierig nähere ich mich ihr. Sie schaut mich an, runde Augen und spitze Hörner. Und sie kommt auf mich zu. Plötzlich wird mir klar: Sie arbeitet für die Anderen. Sie hat den Auftrag, mich zu eliminieren, um ein tödliches Attentat auf meine Klientin zu verüben. Woran ich das erkenne? Das sagt mir mein untrügerischer Instinkt. Aber nicht mit mir! Ich werde kämpfen bis auf den letzten Blutstropfen und endlich siegen! Andererseits… diese Hörner sehen echt verdammt spitz aus. Unerklärlicherweise haben sich meine Pfoten selbstständig gemacht und tragen mich von der Angreiferin fort. Doch ich werde sie nicht los! Ich renne zu Frauchen, bitte sie mit den Augen um Hilfe. Und mein tapferes Frauchen schreitet ein. Todesmutig stellt sie sich dem Ungetüm in den Weg, wedelt mit der Vorderpfote und macht: „Gsch, gsch.“ Beeindruckt hopst die Attentäterin von dannen. So sind sie, die Anderen. Große Klappe, hochtrabende Pläne, aber am Ende, wenn es hart auf hart kommt, kein Quäntchen Mut zum Kampf.

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Diese hier haben Glück, dass der Zaun da ist!
Manchmal führt uns die Mission in die Alpen. Die Almwiesen sind von einer ganz besonderen Gruppierung bevölkert: Kühe. Zwischen uns und den Kühen gibt es ein Abkommen der gegenseitigen Neutralität: Wenn wir sie in Ruhe lassen, lassen sie uns auch in Ruhe. Um sich unseres Wohlwollens zu versichern, hinterlassen sie uns sogar häufig duftende Geschenke! Getreu meiner Anweisung laufe ich auch an diesem Tag ruhig hinter Frauchen her und ignoriere die Kühe. (Aber nicht die Geschenke!) Da kommt eine Kuh auf uns zu, die irgendwie anders ist als die anderen. Irgendwie… wilder. „Oh-Oh, ich glaub, das ist ein Stier“, erklärt Frauchen. Ein bisschen wütend sieht er ja aus, dieser Stier. „Nichts wie weg!“, bellt Frauchen alarmiert. Das ist keines unserer Code-Wörter, trotzdem kann ich die Bedeutung erschließen. Wir rennen. Freigabe. Hä? Was soll das denn jetzt? Möchte meine Klientin, dass unser geordneter Rückzug in einer kopflosen Flucht ausartet? Auf keinen Fall! Ich bleibe tapfer auf meinem Posten hinter ihr. Wenn der Stier zu nahe kommt, fahre ich knurrrend herum und schnappe in Richtung seiner Nase. Unter Einsatz meines eigenen Lebens schütze ich das meiner Klientin. Nach einer gefühlten Ewigkeit (Hatte ich schon mal erwähnt, wie langsam Frauchen ist?) erreichen wir den Zaun und kugeln gleiten darunter hindurch. Schnaufend kommen wir zum Stehen. Frauchen bekommt einen Lachanfall. Die Ärmste steht unter Schock! Ich laufe zu ihr und stupse sie an. Sie stupst zurück, und schon sind wir mitten in einem Spiel. Mia schaut uns wohlwollend zu. Die Gefahr ist bestanden.

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Ein friedliches Exemplar

Fremder Hund, signalisiere ich. Frauchen reagiert nicht. Genauer: Frauchen ist überhaupt nicht da. Komisch, gerade habe ich sie noch gesehen. Aber da war dieser Vogel… und jetzt stehe ich alleine einem großen, fremden Hund gegenüber, der seinen Klienten an einer Leine führt. Die haben natürlich keine Chance, mich einzuholen sollte ich (rein theoretisch) flüchten müssen. Ich baue mich auf und erkläre, dass dieses Revier uns gehört. Na gut, ich gebe zu, vielleicht beschimpfe ich ihn dabei ein bisschen. Wird ja wohl erlaubt sein. Einen Augenblick später renne ich, den Fremden dicht auf den Fersen. Die Leine weht hinter ihm her, seinen Menschen hat er irgendwie verloren. So war das jetzt nicht vorgesehen. Mist. Zeit für Plan B. Da kommt Frauchen. Ich renne auf sie zu, in einem engen Bogen um sie herum. Mein Verfolger ist schwerer, weniger wendig als ich. Deshalb muss er abbremsen und Frauchen bekommt seine Leine zu fassen. Doch der Fremde rennt einfach weiter! Frauchen schlittert auf der matschigen Wiese hinterher. Das sieht lustig aus, aber sie wirkt dabei nicht sehr glücklich. Also mache ich einen knurrenden Satz auf ihn zu. Er zögert. Diesen Moment nutzt Frauchen, um ihre eigene Leine zwischen uns zu werfen. Endlich schaut er sie an und folgt ihr tatsächlich zu seinem Menschen, dem sie die Leine in die Hand drückt, während er ihr seine durchgeriebenen Handschuhe und die Blasen an den Händen darunter zeigt. Die Unterhaltung in Menschensprache, die die beiden führen, ist zu schnell, die Wörter zu kompliziert für mich. Stattdessen achte ich auf die Stimmungen, bereit sofort einzugreifen, sollte meine Klientin in Gefahr sein. Doch alles bleibt friedlich. „… die beiden spielen lassen?“, fragt der fremde Mann. Spielen. Ich mit dem? Das Leben ist ernst! Ich spiele nicht mit anderen Hunden! „Tut mir leid, aber meiner spielt nicht mit anderen Hunden.“  Frauchen versteht mich eben. Zumindest meistens…

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Mit Frauchen spielen ist schön.

Diplomatische Bemühungen im Ganznahostkonflikt

Vor Kurzem führte uns die Mission als diplomatische Abgesandte in den ganz nahen Osten. Genauer gesagt auf eine Weide etwa 2km östlich unseres Heimatortes. Diese Weide ist bewohnt.

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Und das nicht nur von einer Gruppierung.

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Leider sind die Beziehungen zwischen den beiden Parteien geprägt von Feindschaft und Misstrauen. Der Ganznahostkonflikt bedroht nicht nur die Sicherheit im Weideland, sondern ist auch global ein ernstzunehmender Risikofaktor. Daher wurde meine Klientin als Friedenstifterin gesandt, diplomatische Verhandlungen in die Wege zu leiten. Nach anfänglich geheucheltem Desinteresse

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zeigten sich schließlich doch beide Seiten aufgeschlossen und verhandlungsbereit.

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Obwohl meine Klientin zwischenzeitlich etwas vom Thema abkam,

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konnte sie schließlich eine Annäherung der beteiligten Parteien erreichen.

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Insgesamt war die Mission damit ein voller Erfolg. Das Ergebnis stimmt uns zuversichtlich auf eine baldige Beilegung des Ganznahostkonfliktes, auf dass endlich Frieden herrsche im Weideland. In aller Bescheidenheit möchte ich anmerken, dass ich als oberster Sicherheitsbeauftragter keinen geringen Anteil am friedvollen Ausgang der Unternehmung trage, tat ich doch alles, den Schutz meiner Klientin zu gewährleisten.

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Sie hielt den Stacheldraht ja für übertrieben. Ich aber sage, dass wir kein Risiko eingehen dürfen. Sicherheit hat oberste Priorität. Gerade im ganz nahen Osten.

Alarm kann ich gut

Mein lieber Kollege Buddy hat zu seiner ersten Blogparade aufgerufen. Da muss ich unbedingt mitmachen! Das Thema: „Putzalarm im Hundehaus“.

Glücklicherweise bin sozusagen Experte in Sachen Alarm. Habt ihr schon mal mein Bellen gehört? Das ist wirklich beeindruckend. Putzen kann ich auch gut. Ich putze immer meine Klientin, damit sie schön sauber bleibt. Ich fange bei den Händen und arbeite mich dann langsam die Arme hinauf…

Aber ihr wolltet ja Tipps, wie ihr euren Hundehaushalt optimal sauber haltet. Hier sind sie, meine fünf ultimativen Ratschläge:

  1. Überlasst das Geschirrspülen uns!

Nach dem Essen spülen zu müssen, ist nicht schön. Die Teller stehen zu lassen aber auch nicht. Das könnte im schlimmsten Fall eine Fliege anlocken. Alarmstufe rot! Diese sind äußerst gefährlich. Ich müsste mit angstgeweiteten Augen in einer Ecke sitzen, bis Frauchen sie entfernt hat. So weit sollte es nie kommen. Wir erledigen gerne den Abwasch für euch.

 

  1. Streichelt mehr!

Kennt ihr das: Beim Streicheln löst sich Fell und sammelt sich auf einem Haufen? Wenn so etwas passiert, streichelt ihr nicht häufig genug. Durch häufiges Streicheln werden abgestorbene Haare kontrolliert entfernt und verteilen daher nicht willkürlich in eurem Wohnzimmer. Bürsten ist auch gut, ersetzt aber keinesfalls das Streicheln!

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Hier wurde eindeutig zu selten gestreichelt

 

  1. Gebt uns mehr zu essen!

Haarausfall ist ein klares Zeichen von Mangelernährung. Statt euch über Haare zu ärgern, packt das Problem bei der Wurzel und füttert uns mehr. Viel mehr!

 

  1. Unternehmt mehr mit uns!

Lasst uns nicht zu Hause, wenn ihr weggeht. Geht sehr viel mit uns spazieren, spielt draußen mit uns, nehmt uns immer mit. Wenn wir nicht im Haus sind, machen wir es auch nicht schmutzig. Falls es schon schmutzig ist, stört es uns nicht, weil wir ja nicht da sind. Logisch, oder?

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Wenn wir draußen sind, sind wir nicht drinnen

 

  1. Hütet euch vor dem Rüsselding!

Autos sind laut. Autos sind gefährlich. Das Rüsselding ist laut. Also ist auch das Rüsselding gefährlich. Diese Art von Zusammenhängen begreift jeder Welpe. Nur meine Klientin ist so naiv, dass sie mit dem Rüsselding gemeinsame Sache macht. Auch wenn es euer Freund zu sein scheint: Vertraut ihm nicht! Bei der nächsten Gelegenheit wird es sich gegen euch wenden.

 

Ich hoffe, ich konnte euch helfen. Frauchen lässt ausrichten, sie hoffe, ihr seid nicht enttäuscht, dass sie nichts beigetragen hat. Sie sei eine Katastrophe im Haushalt. Wie gut, dass ihr mich habt. Trotzdem hofft sie noch auf qualifiziertere Beiräge von eurer Seite.

Klientin allein unterwegs

Zur Blogparade von miDoggy

Als ich sie das erste Mal sah, dachte ich, meine Hinrichtung stünde kurz bevor. Seit meiner Inhaftierung rechnete ich jeden Tag damit. Gerne würde ich behaupten, dass ich meinem nahen Ende tapfer entgegenblickte. Es wäre gelogen. In Wirklichkeit war ich aufgelöst in Angst. Doch sie kam nicht, um mich hinzurichten. Sie kam, um mich zu befreien.

Meine Mission in Rumänien war gescheitert. Doch es war nicht das Ende. Denn ich hatte eine Klientin gefunden. Mein Auftrag ist es seitdem, sie für den Rest meines Lebens zu beschützen.

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Immer wachsam

Ich folgte ihr auf Schritt und Tritt. Ich bewachte sie, um sie vor allen Gefahren zu bewahren. Dann ging sie fort. Sie schloss die Tür und war alleine dort draußen. Ich war nicht bei ihr. Meine Klientin würde sterben. Sie war klein und verletzlich in einer großen, bedrohlichen Welt. Dann kam sie wieder. So lebendig wie zuvor. Nicht einmal ein Ohr fehlte.

Es passierte immer wieder. Erst nur für kurze Zeit, dann auch mal länger. Ich habe mich daran gewöhnt. Mittlerweile gehört es einfach zum Tagesablauf.

Sie geht zur Universität. Denn sie ist Undercover-Agentin. Als Studentin getarnt, behält sie die Forschungsergebnisse im Blick und sorgt dafür, dass die Anderen nichts Relevantes erfahren. Erkenntnisse zum Wesen der dunklen Energie, zur Erzeugung von Antimaterie in großem Stil, das alles bleibt der Öffentlichkeit durch ihren Einsatz verborgen. So können die Anderen nichts davon für ihre finsteren Zwecke missbrauchen. Ich wollte sie begleiten. Doch sie meinte, die Gegenwart eines übereifrigen Bodyguards würde ihrer Tarnung schaden. Wie kommt sie denn auf übereifrig?

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Habe alles im Blick

Es fällt mir nicht leicht, sie gehen zu lassen. Aber ich weiß, dass sie immer zurück kommt. Meine Kollegin ist bei mir, wenn sie weg ist. Ihre Gelassenheit hilft mir, selbst ruhig zu bleiben. Ich beschwere mich nicht. Der Plan ist zu wichtig, als dass man ihn durch persönliche Interessen gefährden dürfte.

Kopfkissen;)
Mit meiner Kollegin ist alles leichter

Davon abgesehen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass meine Klientin ihren Freiraum braucht. Sie benötigt einen Bodyguard, aber keinen Stalker. Einem Menschen keinen Freigang zu gewähren, wäre wohl nicht artgerecht. Und sollten wir nicht alle unseren Klienten ein artgerechtes Leben bieten?