März in Kürze

Zwölftelblick:

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Gute Tat des Monats: Netten Hund vor Kalle beschützt. Kalle vor weniger nettem Hund beschützt. Eigentlich nicht wirklich gute Taten, sondern selbstverständlich. Mir fällt aber nichts Besseres ein. Komisch, für die böse Tat weiß ich immer sofort etwas, bei der guten muss ich meistens länger überlegen…

Böse Tat des Monats: Ohne die Hunde weg gewesen. Schon wieder. Kalle, der die Aufbruchsstimmung registriert, an mir klebt, sich riesig freut, dass ich ihn mitnehme. Dann setze ich ihn bei meiner Mutter ab und fahre ohne ihn weiter. Der Blick, mit dem er mir nachschaut. Furchtbar schlechtes Gewissen. Natürlich fühlt er sich wohl bei meiner Mutter. Aber er mag es gar nicht, dass seine Klientin ohne ihn auf Mission geht.

Rätsel des Monats: Warum hat der Tag eigentlich nicht mehr Stunden?

Erkenntnis des Monats: Manchmal reagiert sie nicht, wenn man sie anspricht. Manchmal wacht sie nicht auf, wenn wir spazieren gehen wollen. Ich habe Mühe, sie zu wecken. Manchmal bleibt sie trotzdem lieber liegen. Mia wird alt. Es macht mich traurig.

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Dummheit des Monats: Einmal nicht aufgepasst. Kalle beim Füttern versehentlich freigegeben, nachdem er sich heimlich einen Schritt von der Stelle, an der er warten sollte, weg bewegt hat. Hatte er seit Jahren nicht mehr versucht. Nun diskutiert er jeden Abend mit mir um diesen Schritt. Testet, ob ich merke, wenn er sich bewegt. Abend für Abend schicke ich ihn zurück und versuche, Geduld zu haben. Schließlich glaubt er, unser Leben hänge von meiner Kompetenz ab. (Gut, dass es das nicht wirklich tut, sonst wären wir sicher schon mehrfach gestorben.) Wie könnte ich es auch schaffen, uns vor mörderischen Joggern zu schützen, wenn ich nicht einmal den Überblick über die korrekte Futterwartestelle behalten kann?

Verrücktheit des Monats: Die drei Stufen des Wahnsinns:

  1. Mit dem Hund reden.
  2. Mit dem Kaninchen reden.
  3. Mit der Spinne reden.

Ich beim Putzen: „Keine Angst, ich möchte dir nichts tun. Schau mal, dein Netz ist doch ganz verstaubt, damit fängst du doch gar nicht mehr gut. Ich mache es weg und du baust dir ein schönes neues, ja?“

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Begegnung des Monats: Eine virtuelle Begegnung, nämlich mit Pinterest. Nach dem Beitrag von The Pell-Mell Pack darüber habe ich mir fest vorgenommen, mir einen Account zu erstellen. Auch wenn ich während Stephies Challenge leider auf Retreat war und keine Zeit hatte. Jetzt über die Osterfeiertage kümmere ich mich endlich darum. Macht mehr Spaß, als ich gedacht hatte.

Glücksmoment des Monats: Zum ersten Mal in diesem Jahr draußen in der warmen Sonne sitzen.

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Frohe Ostern!
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Die doppelte Portion Glück oder Mussten es wirklich gleich zwei sein?

Zweithund, eine gute Idee? Diese Frage stellt Julia von miDoggy diesen Monat zur Blogparade.

Mussten es wirklich gleich zwei sein? Das frage ich mich durchaus manchmal. Besonders, wenn ich mit zwei Hunden (von denen einer altersbedingte Gelenkprobleme  hat und nicht viele Treppen laufen sollte und der andere ängstlich ist und eine ruhige Umgebung braucht) in Frankfurt eine Wohnung suche. Wenn ich mich frage, wie ich Hundehaltung und Uni in Zukunft vereinbaren soll. Einen Hund könnte ich mit zur Uni nehmen. Aber zwei? Manchmal kommt es mir heute so vor, als sei die Entscheidung für Kalle nicht besonders durchdacht gewesen. Doch das war sie eigentlich.

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Die Voraussetzungen für einen Zweithund waren lehrbuchmäßig erfüllt. Der Ersthund mit acht Jahren gefestigt, sozialverträglich, nicht perfekt, aber vollkommen alltagstauglich erzogen. Level 1 der Hundeerziehung completed, Zeit für Level 2. Während Mia bewusst als einfacher Anfängerhund ausgesucht wurde, durfte es jetzt ein Hund „mit Vergangenheit“ sein. Ein Rüde, ähnliche Größe und Statur. Laufbedürfnis und Temperament sollten zusammen passen. Das heißt ein sportlicher Hund, der gerne unterwegs ist, aber zuhause zur Ruhe kommt und sie nicht ununterbrochen nervt. Sensibel sollte er sein, Trampeligkeit mag sie gar nicht. Kalle erfüllt all das. Die beiden verstehen sich gut, es gibt keinerlei Streitigkeiten zwischen ihnen.

An dieser Stelle ein kurzer Einschub:

Über Gleichberechtigung zwischen Hund und Mensch habe ich ja bereits geschrieben. Aber was ist eigentlich mit den Hunden untereinander? Das Lehrbuch sagt, dass ich einen Hund bevorzugen muss, um sie oder ihn als Ranghöchsten zu bestärken. Das wirft direkt zwei Fragen auf.

Erstens: Welchen?

Mia, weil sie älter, eine Hündin und selbstbewusster ist?

Kalle, weil er immer vorne steht, wenn sie auf ihr Futter warten, sie ohne Protest ihrerseits aus meiner Nähe verdrängen kann und über jede ihrer Markierungen seinerseits markiert (und umgekehrt nie)?

Zweitens: Möchte ich das?

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Die Antwort auf die erste Frage kenne ich nicht. Sie interessiert mich auch nicht. Die Antwort auf die zweite Frage lautet nämlich Nein. Ich behandele meine Hunde gleichberechtigt. Dadurch haben sie keinen erkennbaren Schaden genommen. Es gibt auch keine Konflikte zwischen ihnen. Das mag am großen Altersunterschied liegen, am verschiedenen Geschlecht der beiden oder einfach daran, dass sie bislang nicht so viel Interesse an der Weltherrschaft gezeigt haben, wie ihnen gerne unterstellt wird.

Ich behandele sie nicht gleich. Kalle braucht mehr Nähe, mehr Sicherheit, einen engeren Rahmen. Mia benötigt einen gewissen Freiraum. Aber ich bevorzuge keinen allgemein, versuche keine Rangordnung durchzusetzen. Stattdessen belohne ich rücksichtsvolles, „faires“ Verhalten. Wer dem anderen Futter oder Spielzeug überlässt, bekommt etwas Neues. Es gibt genügend Liegeplätze für alle, und ich kann zwei Hunde gleichzeitig kuscheln. So entstehen Konflikte gar nicht erst. Damit ist das Zusammenleben der beiden sehr harmonisch.

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Trotzdem gibt es zwei Punkte, die ich mir anders vorgestellt hatte:

  1. Beschäftigung der Hunde miteinander. Das stellt man sich ja so vor. Dann spielen die beiden schön, kuscheln vielleicht ein bisschen und ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mal weniger Zeit habe. Nix da. Gespielt wird genau dann, wenn ich beide dazu auffordere und das Spiel aktiv am Laufen halte. Von sich aus kommen sie nie auf die Idee zu spielen. Und kuscheln miteinander sowieso nicht. Da bin nur ich gefragt. Menschen sind einfach besser im Bauchikraulen, schätze ich.
  2. Hundebegegnungen. So ein verträglicher Ersthund ist nur bedingt nützlich bei der Sozialisierung des Zweithundes. Der ist nämlich möglicherweise viel zu sehr beschäftigt, sein Vorbild eifersüchtig zu verteidigen, als dass er sich irgendwelches Verhalten abschauen würde. Seit Kalles Einzug ist zudem Mias Interesse an anderen Hunden stark gesunken. Keiner von beiden legt Wert auf Kontakte zu anderen. Wozu auch, man hat ja einander.

Ein Zweithund bedeutet mehr Arbeit und komplizierteres Planen. Für zwei Hunde braucht man die doppelte Zeit, die doppelte Aufmerksamkeit. Man muss sich mit Hundeverhalten auseinandersetzen, Verantwortung übernehmen, weil sonst die Hunde das tun und zwangsläufig überfordert sind. Ist man dazu bereit, ist das Zusammenleben mit zwei Hunden wunderschön. Ein Hund bedeutet Glück. Und ein zweiter Hund verdoppelt das Glück.

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Es gibt noch eine Frage, die sich hin und wieder in meinen Kopf schleicht. Die ich verdränge, weil ich nicht darüber nachdenken möchte. Mia ist dreizehn. Was wird, wenn sie einmal nicht mehr bei uns ist? Wird es wieder einen Zweithund geben? Ich bin optimistisch und nehme an, dass das noch eine ganze Weile hin ist. Dass ich bis dahin eine fest Arbeitsstelle und eine Wohnung habe. Wenn ich Glück habe, sind bei beidem auch zwei Hunde erlaubt. Wird Kalle sich auf eine andere Hündin einlassen? Die Voraussetzung des Gefestigtseins wird er nie erfüllen, dazu sitzt seine Angst zu tief. Er wird immer viel Aufmerksamkeit und Anleitung benötigen. Wäre es verantwortungslos, dann einen neuen Hund dazuzunehmen? Oder wäre es verantwortungslos, ihn ohne Hundegesellschaft zu lassen? Ein Hund braucht doch Sozialkontakte und auf Spaziergängen lässt er niemanden an sich heran. Auf diese Fragen habe ich bislang keine Antwort. Ich hoffe einfach, dass bis dahin noch viel Zeit ist. Und dass sich dann alles finden wird.

Friedhof der Kuscheltiere

DER NACHFOLGENDE BEITRAG IST FÜR KINDER UND JUGENDLICHE UNTER 16 JAHREN NICHT GEEIGNET. ER ENTHÄLT ANSCHAULICHE BESCHREIBUNGEN BRUTALER KUSCHELTIERMORDE UND ERSCHRECKENDES BILDMATERIAL. EMOTIONAL INSTABILE PERSONEN UND MENSCHEN, DIE KEINE FÜLLWATTE SEHEN KÖNNEN, SOLLTEN VON DER LEKTÜRE ABSTAND NEHMEN. IHR WURDET GEWARNT.

Der größte und unheimlichste Schrecken ist, wenn dir Vertrautes plötzlich fremd ist. Wenn der, den du zu kennen glaubtest, seine dunkle Seite offenbart. Wenn dein bester Freund zum Mörder wird. Wenn du plötzlich Angst vor deinem eigenen Hund hast.

Er beginnt mit den Ohren. Fein säuberlich trennt er sie vom Kopf ab. Eine gerade Linie, wie mit einem Lineal gezogen, jeder Biss präzise gesetzt.

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Präzisionsarbeit.
Danach kommen die Augen. Sorgfältig werden sie aus den Höhlen gebissen. Energisches Reißen, wenn ein Auge sich weigert, seinen angestammten Platz zu verlassen. Zurück bleiben blinde Höhlen und einsame Augäpfel, die blicklos starrend über den Boden rollen.

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Blicklos.
Nun widmet er sich der Nase. Rasiermesserscharfe Zähne entfernen sie restlos aus dem Gesicht. Sofern man die mit klaffenden Löchern versehene Kraterlandschaft noch als Gesicht bezeichnen kann.

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Gesichtslos.
Es folgt die Enthauptung. Gerne würde ich behaupten, dass es wenigstens schnell geht, aber das wäre gelogen. Das Trennen von Kopf und Rumpf ist Millimeterarbeit, durchgeführt mit kalter Genauigkeit und schrecklicher Geduld.

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Kopflos.
Schließlich reißt er die Eingeweide heraus. Er verteilt die Innereien großflächig über den Boden. Nach getaner Arbeit erlischt sein Interesse und er wendet sich gleichgültig anderen Dingen zu.

Was mich am meisten schockiert, sind nicht die Morde selbst. Es ist die mathematische Präzision, die erschreckende Effizienz seines Vorgehens. Denn dies zeigt: Wir haben es hier nicht emotionsgesteuerten Affekthandlungen zu tun. Der Hund ist ein eiskalter Profi.

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Eiskalt.
Einst habe ich hier geschrieben, mein Hund sei ungefährlich. Diese Aussage muss ich nun korrigieren. Mein Hund ist für Lebewesen ungefährlich. Als Kuscheltier aber sollte man ihm nicht in die Quere kommen. Und als Socken… Aber das ist noch mal eine andere Geschichte.

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Besiegt.

Seltsames

Frauchens Stimme reißt mich aus meinem Schlummer: „Hallo.“ Das ist eines unserer Codewörter. Es bedeutet: Fremde auf unserem Revier. Sofort bin ich hellwach. Alarmbellen und gesträubtes Fell. Ich schieße in den Flur, komme schlitternd zum Stehen und schaue mich hektisch um. Wo ist der Eindringling? Frauchen sieht mich stirnrunzelnd an und bedeutet mir, still zu sein. „Entschuldigung, der Hund hat gerade irgendetwas gehört.“ Offenbar spricht sie nicht mit mir. Mittlerweile habe ich die Luft geprüft und bin mir sicher, dass sonst niemand da ist. Ist Frauchen verrückt geworden? Sie redet mit dem Plastik-und-Metall-Ding in ihrer Hand! Verwirrt knurre ich und lehne mich an ihr Bein. Dann antwortet das Ding. Seine Stimme klingt menschlich, aber nicht ganz. Äußerst verwirrend das Ganze. Ich schaue zu Frauchen auf, die beruhigend lächelt. Es scheint keine Gefahr zu bestehen. Ratlos gehe ich wieder schlafen.

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Frauchen tut seltsame Dinge. Einen großen Teil ihrer Zeit verbringt sie mit etwas, das sie „Lernen“ nennt. Dabei starrt sie auf platte Dinger, die entfernt nach Holz riechen, aber doch nicht ganz. Da ich selbst gerne lerne, habe ich das mal ausprobiert. Ich habe so lange und intensiv gestarrt, wie ich konnte. Und habe ich etwas gelernt? Nicht die Bohne! Trotz der offensichtlichen Aussichtslosigkeit lässt sie sich nicht von ihren Lernversuchen abbringen und starrt unermüdlich weiter. Mir ist das ganz recht, denn dabei hat sie die Hände frei! Das bedeutet, sie kann meinen Bauch kraulen. Nebeneinander auf dem Sofa liegen und schmusen, gibt es etwas Schöneres?

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Na ja, eine Sache gibt es, die mindestens genauso schön ist: Essen. Und dabei ist Frauchen erst recht seltsam. Rinderkopfhaut, Kamelpansen und Hühnerfüße werden von ihr genauso verschmäht wie Pferdeäpfel und verweste Regenwürmer (meine persönlichen Lieblingsspeisen). Sie rührt tatsächlich keine Art von Fleisch an. Aus ethischen Gründen, sagt sie.1 Stattdessen isst sie so merkwürdige Dinge wie Tofu und Seitan. (Einmal hat sie mir etwas davon angeboten. Es erinnerte mich an die Gummimatte, die ich in meiner Jugend einmal halb verspeist habe…) Ich sehe es positiv: Sie macht mir nie mein Futter streitig!

Was ich ganz und gar nicht positiv sehe, ist ihre Vorliebe für unappetitliche Gerüche. Einmal habe ich mich an ihr nacktes Bein gelehnt (meine Klientin kann ihr Fell ablegen – eine weitere Merkwürdigkeit) und genoss die kraulende Hand an meinem Ohr. Dann nahm ich den Geruch wahr. Sie hatte übelriechende Schmiere auf ihren Beinen verteilt! (Frangipani-Duft, sagt sie. Keine Ahnung, was das ist, aber es klingt giftig.) Ihr könnt euch mein Gesicht vorstellen, als ich merkte, dass ich das Zeug nun ebenfalls an meinem Fell hatte. Menschen können so eklig sein…

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Und sonst? Es gäbe noch viel Seltsames zu berichten. Wie sie lärmend mit dem Rüssel-Ding durch die Zimmer zieht. Wie sie zu ihrem Vergnügen Futter in das Gummi-mit-Loch-Ding stopft, sodass ich mich dann abmühen muss, um es wieder heraus zu bekommen. Wie sie… eben alle diese unsinnigen Menschen-Dinge tut, die kein vernünftiger Hund je tun würde. Aber lassen wir das. Wir wollen sie ja nicht zu sehr in Verlegenheit bringen.

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1Tische können bei der Nahrungsbeschaffung ein ernstes Problem darstellen. Während Essbares auf dem Sofatisch noch recht gut zu erreichen ist, sieht das beim Küchentisch schon anders aus. Und dieser Etisch muss wirklich ungeheuer hoch sein, wenn sogar Frauchen ihn nicht überwinden kann…

Our Morning Glory Story

Durchdringend erhebt sich der Ruf des Eichelhähers in diesem Konzert.  Melodisch das Zwitschern der Amseln, fröhlich hell das Zirpen der Meisen, untermalt vom soliden Gurren der Tauben. Klar und süß ist die Luft, unter Kühle und Frost ist die erdige Lebendigkeit des Frühlings schon stark präsent. Warm sind die ersten Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht, wärmer noch der kleine Hundekörper, der sich sacht gegen mein Bein drückt. Unser Atem geht im Gleichklang. Es ist einer dieser vollkommen normalen Morgende, die normal vollkommen sind. What’s your story, morning glory, denke ich. Was für eine schöne Idee von Stephie für eine Blogparade. Und in meinem Kopf beginnt sich ein Text zu formen.

Also möchte ich dich heute mitnehmen. Mitnehmen auf einen ganz normalen Morgenspaziergang, auf unsere Lieblingsrunde, an einem Tag von vielen. Weil jeder einzelne dieser Tage etwas Besonderes ist.

Wie jeden Spaziergang beginnen wir auch diesen gemeinsam. Verbunden durch die Leinen, gehen wir ein Stück den Weg entlang, die Wiese hoch, noch ein Stück Weg.

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Schließlich habe ich das Gefühl, dass wir gut aufeinander eingestimmt sind. Ich löse Mias Leine, lasse Kalles Schleppleine lang. Noch darf er nicht frei laufen, hier sind einfach zu viele Hunde unterwegs. Auf diesem Abschnitt trödeln wir gerne, begrüßen jeden Grashalm einzeln, stecken den Kopf in Mäuselöcher, machen ein paar Fotos. Eine Gruppe von Hunden kommt uns entgegen, Menschen winken und drehen dann ab. Verständlicherweise wollen sie uns nicht begegnen.

Nach einer kleinen Steigung haben wir einen guten Überblick über den weiteren Weg, niemand ist in der Nähe. So wird auch Kalle abgeleint. Links auf der Weide flauschige Schäfchen, rechts ein Bach, von Schilf umgeben. Weiterhin achte ich darauf, dass keine Unruhe aufkommt, sich niemand entfernt. Die Hunde laufen entspannt hinter mir her, schnüffeln viel, markieren, schließen wieder zu mir auch.

Auf der nächsten Kreuzung steht ein älterer Herr mit Schäferhund. Letzterer wirkt jung, aufgeschlossen und verspielt. Also genau das, was Kalle nicht ausstehen kann. Wir machen einen Bogen, so groß wir möglich. Keine Angst, der sei ganz lieb, erklärt mir der Besitzer. Ich spare mir die Antwort.

Wir lassen die Kreuzung hinter uns, nehmen einen schmalen Pfad, der uns den Hang hinaufführt, sich dann durch Wiesen und Büsche schlängelt. Stille umgibt uns.

Und endlich sind wir da.

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An unserem Lieblingsort, wir haben die Wiesen ganz für uns. Und endlich wird gerannt. Leckerchen fliegen, dann der Handschuh. Ein paar Tricks, eine Runde gemeinsames Toben. Schließlich lassen wir uns ins Gras fallen, atmen. Lauschen.

Durchdringend erhebt sich der Ruf des Eichelhähers in diesem Konzert.

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Gelöst machen wir uns auf den Rückweg. Die Stimmung ist heiter, die Verbundenheit stark. Ich brauche keine Worte, um die Hunde zu lenken. In diesem Zustand kann ich zulassen, dass Kalle sich entfernt. Er bleibt mit mir in Kontakt, versinkt nicht in seiner Welt, überdreht nicht. Dass er sich sich begeistert wälzt und anschließend riecht wie ein toter Maulwurf, trübt die Idylle nur minimal. Bevor wir wieder auf den stärker frequentierten Weg kommen, bleibt er von alleine stehen und lässt sich anleinen.

Wieder kommt uns eine Gruppe Spaziergängerinnen mit Hunden entgegen. Diesmal wollen sie an uns vorbei, glücklicherweise sind alle angeleint. Kalle zeigt an, wird belohnt, im Schutz meiner Beine geht es an den anderen vorbei. Ich summe beruhigend. Er bleibt ruhig. Eine der Spaziergängerinnen grüßt mich. Wissend, dass es ein Fehler sein könnte, schaue ich sie für eine halbe Sekunde an und erwidere den Gruß. Kalle explodiert. Ich konzentriere mich wieder, schiebe ihn zurück. Nach einem letzten Brummeln geht es weiter, den Abhang hinunter, dann links auf einen Wiesenweg.

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Auf dem letzten Stück, nun ein breiter, befestigter Weg, trödeln wir nicht mehr. Eine leise Stimme in meinem Hinterkopf erinnert mich daran, dass die Arbeit sich nicht von alleine erledigt. Nicht ganz so leise Stimmen in unseren Bäuchen erinnern uns, dass Zeit für unser Frühstück ist. Also kommen wir schnell voran.

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Und so endet schließlich unser Spaziergang. Bis zum nächsten Mal.

Februar in Kürze

Zwölftelblick:

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Gute Tat des Monats: Ausgerissenes Lämmchen zurück auf Weide gebracht, Zaun hoffentlich stabil befestigt. Stolz auf die Hunde gewesen, die eine Viertelstunde lang felsenfest im Platz blieben, obwohl sie sich sicher gerne mal als Hütehunde versucht hätten.

Böse Tat des Monats: Diesen Blog etwas vernachlässigt. Aber die Kombination aus Prüfungen und Sonnenschein war fies. Jede Minute mit Lernen oder draußen mit den Hunden verbracht. (Aber heute war die letzte Prüfung! Ich bin fertig! Bis auf so eine kleine Masterarbeit zumindest.)

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Rätsel des Monats: Warum ist es immer warm, wenn man Winter möchte, und kalt, wenn man Frühling möchte?

Erkenntnis des Monats: Hundefutter auf Insektenbasis, bei Lumpino entdeckt. Die Ernährung der Hunde stellt mich ständig vor ethische Konflikte. Insekten könnten tatsächlich eine Lösung sein.

Dummheit des Monats: Eis, zwei Hunde und ich. Diese Konstellation sollte vermieden werden.

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Verrücktheit des Monats: Dass Leute ihre Kleinhunde zu uns laufen und uns verbellen lassen. Das irgendwie witzig finden, wenn Kalle Angst hat. Wir finden das kein bisschen lustig. Und wenn Kalle beschließen würde, sich zu wehren, wäre es auch für den Kleinhund nicht mehr lustig… Nicht dass er mit Absicht jemanden verletzen würde. Aber wenn der Gewichtsunterschied groß ist, bin ich doch lieber doppelt vorsichtig.

Begegnung des Monats: Waschbären. Das werden auch immer mehr.

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Glücksmoment des Monats: See gesucht, nicht gefunden. Rückweg gesucht, See gefunden.  Stille, untergehende Sonne, auf Wasser glitzernd. Zauberhaft.

 

Berufung trifft Hund

Eine Blogparade von Anna Meißner zum Thema „der Hund als Berufung“. Ein Beitrag von Kerstin, Buddy und Amber, der mich berührt hat, mir so sehr aus dem Herzen spricht. Schon beginnen die Worte zu fließen.

Etwas mit Tieren wollte ich arbeiten. Früher, als Kind. Dann kamen die Überlegungen.

Etwas mit Hunden am liebsten. Genau wie Kerstin habe ich zuerst an Tierpflegerin gedacht. Nur ein kleines Problem gab es da: Meine Tierhaarallergie. Schon ein kurzer Aufenthalt im Katzen- oder Kleintierbereich zeigt, dass ich diesen Beruf von der Liste streichen kann. Also etwas mit Hunden, ohne andere Tiere. Hundetrainerin.

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Das Lernverhalten von Tieren fasziniert mich ungemein. Ich liebe es, mit Hunden zu trainieren, mit ihnen zu kommunizieren, von ihnen zu lernen. Als Hundetrainerin arbeitet man aber vorwiegend nicht mit Hunden, sondern mit Menschen. Und während ich die allermeisten Hunde spontan mag, ist das mit Menschen eher durchwachsen. Es gibt diejenigen, die das Beste für ihren Hund wollen und bereit sind, dafür zu arbeiten. Und es gibt diejenigen, die wollen, dass ihr Hund funktioniert. Allerdings wollen dafür nichts tun. Natürlich kann man sich weigern, mit solchen Leuten zu arbeiten. Sofern man sich das leisten kann und auf die Gefahr hin, dass sie sich fragwürdigeren „Trainingsmethoden“ zuwenden. In der Hundeschule hatten wir so einen Fall. Vernachlässigung, gewaltsame Erziehungsmethoden, irgendwann hat der Hund sich gewehrt und geschnappt. Wurde eingeschläfert und durch ein anderes Modell ersetzt. Die Hundeschule half der Familie bei der Auswahl und Erziehung des neuen Welpen, um wenigstens diesem das gleiche Schicksal zu ersparen. Das bewundere ich ehrlich. Genützt hat es nur bedingt. Dieser Hund hat nie einen Menschen verletzt. Nur sich selbst. Das Letzte, was ich von ihm gehört habe, ist, dass er sich die Pfoten blutig beißt. Wenn ich jetzt daran denke, wie dankbar er für jede Streicheleinheit war, was für ein fröhlicher Hund er bei den richtigen Menschen sein könnte, zerreißt es mir das Herz.

Diese Geschichte hat mir eines gezeigt: Ich kann das nicht. Ich bewundere alle, die damit umgehen können, sich auf das Positive konzentrieren können. Denn Hundetrainer helfen so vielen Hunden und Menschen, es sind ja nur wenige, für die man nichts tun kann. Es ist ganz sicher ein wundervoller Beruf. Aber für mich nicht der richtige.

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Es gibt noch ein paar Berufe mit Hunden, die mir einfallen. Aber alle haben irgendwelche Haken. Ist es das? Suche ich einen Beruf ohne Haken, Perfektion? Das trifft es nicht ganz. Es ist, wie Kerstin schreibt: Würde ich meine Leidenschaft für Hunde (oder auch für das Schreiben) zum Beruf machen, würde ich meine Freiheit aufgeben. Und keine der Möglichkeiten scheint mir das wert zu sein.

Also tue ich etwas „Vernünftiges“. Ich studiere Physik. Das sei das Richtige für mich, haben mir andere gesagt. In den ersten Semestern war ich mir da nicht so sicher, es war eigentlich etwas langweilig. Aber ich hatte auch keine bessere Idee. Zu diesem Zeitpunkt war ich außerdem bereits für Kalle verantwortlich und musste ihn in meiner Planung berücksichtigen. Und plötzlich wurde es spannend. Plötzlich konnte ich… die Welt sehen. Bis in die kleinsten Strukturen, bis in die Anfänge des Universums. Alles in diesen Gleichungen. Wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Das ist es, was ich möchte. Eine Berufung? Vielleicht…

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Ein leises Bedauern, weil ich nicht mit Hunden arbeite, bleibt. Weil, um bei Faust zu bleiben, zwei Seelen in meiner Brust wohnen. Hunde und Physik einander manchmal ein bisschen den Platz streitig machen. Und wegen des Wissens, dass die Forschung wohl auf Dauer nicht mit Hundehaltung vereinbar sein wird. Noch funktioniert es gut, auch dank der Hilfe meiner Mutter. Doch irgendwann würde ich die Uni wechseln, möglicherweise weit weg ziehen müssen. Kalle hat einen Platz in meinem Herzen, von dem ihn nicht einmal die Physik verdrängen kann. Die Entscheidung wird keine sein. Irgendwann werde ich die Forschung wohl aufgeben müssen. Eine andere Berufung finden, das wird sich ergeben. Aber nicht heute.