Diplomatische Bemühungen im Ganznahostkonflikt

Vor Kurzem führte uns die Mission als diplomatische Abgesandte in den ganz nahen Osten. Genauer gesagt auf eine Weide etwa 2km östlich unseres Heimatortes. Diese Weide ist bewohnt.

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Und das nicht nur von einer Gruppierung.

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Leider sind die Beziehungen zwischen den beiden Parteien geprägt von Feindschaft und Misstrauen. Der Ganznahostkonflikt bedroht nicht nur die Sicherheit im Weideland, sondern ist auch global ein ernstzunehmender Risikofaktor. Daher wurde meine Klientin als Friedenstifterin gesandt, diplomatische Verhandlungen in die Wege zu leiten. Nach anfänglich geheucheltem Desinteresse

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zeigten sich schließlich doch beide Seiten aufgeschlossen und verhandlungsbereit.

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Obwohl meine Klientin zwischenzeitlich etwas vom Thema abkam,

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konnte sie schließlich eine Annäherung der beteiligten Parteien erreichen.

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Insgesamt war die Mission damit ein voller Erfolg. Das Ergebnis stimmt uns zuversichtlich auf eine baldige Beilegung des Ganznahostkonfliktes, auf dass endlich Frieden herrsche im Weideland. In aller Bescheidenheit möchte ich anmerken, dass ich als oberster Sicherheitsbeauftragter keinen geringen Anteil am friedvollen Ausgang der Unternehmung trage, tat ich doch alles, den Schutz meiner Klientin zu gewährleisten.

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Sie hielt den Stacheldraht ja für übertrieben. Ich aber sage, dass wir kein Risiko eingehen dürfen. Sicherheit hat oberste Priorität. Gerade im ganz nahen Osten.

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Juni in Kürze

Gute Tat des Monats: Schnecken aus Pfützen gerettet. Warum kriecht man dort hinein? Kann man sich nicht denken, dass man ertrinkt? Kann man überhaupt denken als Schnecke? Ist man so langsam, dass man von der Sturmflut der anschwellenden Pfütze überrascht wird?

Böse Tat des Monats: Bei Hitze Kalle einen Essensbrocken zugeworfen. Zu kurz geworfen. Es stürzte den armen Hund in einen tiefen inneren Konflikt: Steht man auf, um sich das Futter zu holen? Glücklicherweise nahm die Geschichte einen guten Ausgang. Er streckte sich gaaanz weit, machte die Zunge gaaanz lang – und konnte das Aufstehen bei Futteraufnahme vermeiden.

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Rätsel des Monats: Impfe ich gegen Leptospirose oder nicht? Je mehr ich mich informiere, desto unsicherer werde ich. Sollte es nicht eigentlich umgekehrt sein?

Erkenntnis des Monats: Der Trick „auf den Rücken springen“ ist besser für eine Kombination aus kleinerem Hund und größerem Menschen geeignet. Der Hund sollte keine Neigung zum Kopfklettern besitzen. Der Mensch keine Neigung zu Lachanfällen. Beide sollten mit einem besseren Gleichgewichtssinn ausgestattet sein.

Dummheit des Monats: Ganz dummer Fehler in einem Massenplot. Hat mich wochenlange Arbeit gekostet. Zeit ist nicht verschwendet, wenn man etwas gelernt hat. Sage ich mir immer wieder.

Verrücktheit des Monats: Hundekot ist ein echtes Problem. Viele Gemeinden reagieren da vorbildlich. Sie stellen Mülleimer und Kotbeutelspender auf, die rücksichtsvolle Hundebesitzer gerne benutzen. Unsere Gemeinde hat da eine andere Lösung. Es gibt keine Beutelspender und genau zwei Mülleimer. Die stehen jeweils neben einer Bank und quellen über vor Kotbeuteln. Was das Sitzvergnügen auf diesen Bänken deutlich schmälert. Sicher fehlt da das Geld. Das wurde anderweitig äußerst sinnvoll investiert. Diesen Monat war es soweit: Wir gerieten in eine der gefürchteten Kotbeutelkontrollen. Durchgeführt von zwei höchst motivierte Polizisten, die sich samstags abends (!) sicher keine schönere Beschäftigung vorstellen konnten. Kotbeutel dabei zu haben ist ja schon mal ein Anfang. Der zweite Schritt wäre, sie auch zu benutzen. Was wenig Spaß bringt, wenn es keine Möglichkeit zur Entsorgung gibt.

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Buch des Monats: Es war mein Glücksmonat. Zwei neue Bücher meiner beiden Lieblingsautorinnen. Das eine ist „Grey“ von Leonie Swann: Augustus Huff ist Dozent an der Universität von Cambridge. Einer seiner Studenten stürzt in den Tod und hinterlässt Huff eine Menge Unordnung und einen Graupapagei namens Grey. Huff verabscheut Unordnung. Gemeinsam mit Grey beginnt er, den Todesfall – im wahrsten Wortsinn – aufzuklären. Nach den Schafen von Glennkill hatte ich hohe Erwartungen an dieses Buch. Sie wurden nicht enttäuscht. Das zweite Buch ist „Will sei Dank“ von Patricia McConnel. Dazu habe ich einiges zu schreiben. Es wird einen eigenen Artikel geben.

Begegnung des Monats: Mit Kalle Fahrrad gefahren. Fremder Hund kam auf uns zu, ohne Leine. Abgestiegen, sich neben Kalle aufgebaut, den anderen warnend angeschaut. Er bleib stehen. Machte dann probeweise noch ein paar Schritte in unsere Richtung. Kalle angeschaut: sein Part. Er hob leise grollend die Lefzen, schaffte es ruhig zu bleiben, keine Hysterie dieses Mal. Fremder Hund beeindruckt, machte einen Bogen um uns. Perfekt, Kleiner. Dann der Besitzer. Auf meinen Gruß ein giftiges: „Hab den Hund nicht gesehen!“ „Kein Problem, ist doch alles gut gegangen.“ Erst irritiert gewesen: Wäre ein „Guten Morgen“ zu viel verlangt? Doch eigentlich war er wie Kalle: Sicher greift mich jemand an, da wehre ich mich gleich mal vorsichtshalber.

Glücksmoment des Monats: Den ersten Kirschbaum mit reifen Früchten entdeckt. Eine der wenigen Speisen, für die wir die Begeisterung teilen. Eine für dich, eine für dich, eine für mich. Mit kirschgefüllten Bäuchen im Gras gesessen. Sommer.

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Die Sammlung, die Insel, der Hundetag

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Da hat man gerade stolz seinen ersten Liebster Award vollendet und wird dann ganz dreist zurück nominiert. Ich fühle mich geschmeichelt. Ganz besonders, weil die Nominierung mit so netten Komplimenten verbunden ist. Verrückt, frech und albern. Das hört man doch gerne.

Im Ernst, großen Dank an Undercover Labrador. Ich freue mich sehr, dass du meine Antworten hören möchtest. Hier sind sie:

  1. Wenn dein Hund mit einem anderen Tier gekreuzt wäre, welches wäre das?

Für Kalle habe ich das schon mal in deinen Kommentaren geschrieben. Da ich ein bequemer Mensch bin, kopiere ich es einfach mal:

Ziege (Gras fressen und Bocksprünge), Katze (auf Bäume klettern und Fellpflege), Igel (ängstlich und stachlig, wenn man ihm dann zu nahe kommt) und Bärenmama (wenn er glaubt, ich sei in Gefahr).

Bei Mia ist es ein Schaf, nett und brav und… na ja… ein klein wenig schafig.

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  1. Kylar hat ein großes Problem, er kackt nur bei hohem Gras und hier wurden einfach alle Wiesen gemäht. Welche verrückte Macke hat euer Hund beim Geschäft verrichten?

Solche Fragen können nur Hundemenschen stellen. Kalle mag hohes Gras gar nicht. Am Hintern kitzelnd ist es einfach doof. Außerdem braucht er Rundumblick, falls wir gerade in diesem Moment angegriffen werden. Mia benötigt vor allem Abstand zu anderen Hinterlassenschaften. Wo andere schon waren, geht sie nicht mehr in die Nähe.

  1. Welcher Spruch steht auf eurem Kaffeebecher?

Leider habe ich keinen Kaffeebecher mit Spruch. Aber schauen wir mal, ob ich wenigsten einen mit Aufschrift finde. Blick in den Schrank:

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Hm, ein Überbleibsel aus meiner Ministrantenzeit. Und dort ganz hinten?

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Ups, der gehört wohl meiner Schwester.

  1. Welche Eigenschaft teilt ihr mit eurem Hund?

Das ist eine spannende Frage, die ich schon beim letzten Mal hier beantwortet habe.

  1. Von was sammelt ihr zu viel? Bzw. eure Hunde?
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    Von hinten oben links nach unten rechts: Beppo, Kira, Sunny, Nelli, Sheena, Bibi, Kitty, Tommy, Timo, Lara, Winnie, Pettie, Sarah, Franzi, Donkey, Ignaz, Wilma, Flipsi, Luise Charlotte, Schoko, Leo, Judy, Wuschel, Koko, Nici, Penny, Murks, Curry, Stella, Trixie, Lorenz, Lina, Timmy, Katie, Lena
  2. Was ist unter eurem Bett?

Einige verlorene Hundehaare. Der Schatten eines verblassten Traums. Ein großkanonisches Ensemble von Luftmolekülen. Ein ungedachter Gedanke. Eine kleine Vakuumfluktuation. Eine erinnerte Kindheit. Ein bisschen Staub. Ein verworfener Plan. Eine Gruselgeschichte. Ein schweigendes Geheimnis.

  1. Jackpot, du fährst auf eine einsame Insel, natürlich kommt dein Hund mit, was würdest du ihm zuhause noch beibringen, bevor ihr ganz auf euch gestellt seid?

Das Wichtigste können sie bereits, denke ich. Sie sind sehr gut im Essen aufspüren und könnten auch jagen, wenn sie dürften. Mia hat eine gute Orientierung und findet Wege auch in schwierigem Gelände. Wasser findet sie ebenfalls leicht. Kalle ist aufmerksam und würde jede Gefahr sofort erkennen. Und sein Leben einsetzen, um uns zu beschützen. Außerdem macht er sich gut als Wärmflasche.

Ich dagegen müsste noch Einiges lernen. Feuer machen zum Beispiel, einen Unterschlupf bauen, alles über essbare Wildpflanzen und über Heilkräuter. Wenn ich genug Zeit habe, bringe ich ihnen bei, auf Signal bestimmte Kräuter zu finden und anzuzeigen. Bei Pfefferminze können sie es schon, den Rest lernen sie bestimmt.

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  1. Wenn du einen Tag im Körper deines Hundes wärest, was würdest du tun? Auch der Nachbarshündin hinterher laufen?

Ich würde rennen. Leichtigkeit in wirbelnden Pfoten und fließender Kraft. Fliegend.

Ich würde spielen. Jagend und kugelnd und nackenfellzerrend. Nicht denkend.

Ich würde schnuppern. Dreidimensional und scharf unterscheidend. Versinkend.

Ich würde mir ziemliche Sorgen machen, ob Kalle nun in meinem Körper ist. Möchte nicht wissen, was er dort anstellen würde. Und wie sollte ich das am nächsten Tag erklären? Beunruhigend!

  1. Du hast gepupst, deine Freunde schauen dich lächelnd an, schiebst du es auf den Hund?

Das kommt nicht vor. Es war immer der Hund.

  1. Bei einem Horrorfilm, kuschelst du mit dem Hund oder mit deinem Partner?

Ich schaue keine Horrorfilme. Mal ehrlich, die Welt ist so schon schrecklich genug. Außerdem bin ich schreckhaft. Einer ist allerdings noch schreckhafter als ich: Kalle. Würden wir zusammen einen Horrorfilm schauen, würde ich an irgendeiner Stelle zusammenzucken. Kalle würde aufspringen und vorsichtshalber in Alarmbellen explodieren. Uns beiden würde fast das Herz stehen bleiben.

An dieser Stelle sollte ich weitere Blogs nominieren. Allerdings fallen mir so schnell keine neuen Fragen ein. Deshalb werde ich dieses Mal nicht nominieren. Wer sich meinen verrückten Fragen von letztem Mal stellen möchte, ist herzlich eingeladen.

Ein Hund und die Schule 3 – Spielgruppe

Im Vergleich zu Hundebegegnungen draußen haben Spielgruppen entscheidende Vorteile. Wenn ich keine Leine in der Hand halte, die mich mit Kalle verbindet, muss er selbst diese Verbindung halten. Ich kann weggehen, ohne dass er versucht, mich in die entgegengesetzte Richtung zu zerren. Dann muss er mitkommen. Mich alleine gehen zu lassen, kommt für ihn nicht in Frage. Durch die höhere Anzahl an Hunden sinkt die Aufmerksamkeit, die einzelne Artgenossen auf ihn richten. Außerdem habe ich die Gewissheit, dass ich Konflikte unter den Hunden nicht alleine lösen muss, da die anwesenden Trainerinnen ein Auge auf alle haben.

Trotzdem waren die ersten Stunden recht anstrengend. Ich musste praktisch ständig in Bewegung bleiben (natürlich immer mit vierbeinigem Anhang), Bögen und Schleifen laufen, um Frontalbegegnungen aus dem Weg zu gehen und spielenden Hunden auszuweichen. Blieb ich stehen, nutzte Kalle meinen Standort als Ausgangspunkt für Ausfälle gegenüber jedem Hund, der in die Nähe unserer imaginären Festung kam.

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Bei Hundebegegnungen komme ich nicht zum Fotografieren. Daher an dieser Stelle ein paar Frisbee-Bilder.

Aber es wurde besser. Kontakt wollte Kalle noch immer nicht, spielen erst recht nicht. Jeder, der ihn beschnüffeln wollte, bekam eins auf den Deckel. Doch er entspannte sich zusehends. Andere durften an ihm vorbeilaufen, ohne dass es zu Explosionen kam. Die ersten Minuten einer Stunde musste ich weiterhin kreiseln. Aber sobald sich der erste Trubel gelegt hatte, konnte ich mich hinsetzen und Kalle legte sich ruhig neben mich. Auch ich wurde entspannter. Irgendwann hatte ich angefangen, die anderen Hunde mit Kalles Augen zu sehen und als Bedrohung wahrzunehmen. Doch das waren sie nicht. Sie waren einfach Hunde. Und ich liebe Hunde!

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Ich begann, Kontakt zu anderen Hunden aufzunehmen, hier einen freundlichen Blick auszutauschen, dort ein Ohr zu kraulen. Kalle ließ mich gewähren, obwohl er immer ein wachsames Auge darauf hatte, was sich fremde Hunde bei mir erlauben durften und was nicht. Wer mich anspringen wollte, wurde verjagt. Ich hatte die Hoffnung, dass Kalle ebenfalls irgendwann Kontakt zulassen würde, möglicherweise sogar Freunde finden würde. Leider vergeblich. Auch nach über einem Jahr blieb er auf Abstand und beobachtete nur.

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Auch ich beobachtete. Und ich lernte von den Hunden, was ich von Menschen nicht gelernt hatte. Wenn ein Hund einen Konflikt zwischen zwei anderen lösen will, ruft er nicht „Sitz“ und hofft, dass die beiden ihren sich anbahnenden Streit unterbrechen. Schon gar nicht brüllt er „Nein!!!“ oder schimpft. Er versucht nicht, sie durch Futter voneinander abzulenken. Sondern er stellt sich dazwischen und und schaut sie fest an. Ist er willensstark und souverän, lassen die anderen voneinander ab und wenden sich anderen Dingen zu, ohne dass er aktiv etwas tun muss. Ich versuche, das nachzuahmen, und fühle mich lächerlich. Es sieht ganz sicher albern aus. Aber erstaunlicherweise funktioniert es häufig. Wenn heute auf Spaziergängen freilaufende Hunde auf uns zu kommen, genügt meistens ein Schritt auf sie zu in Verbindung mit diesem Blick, um sie auf Abstand zu halten. (Manchmal allerdings auch nicht.) Auch Kalle gebe ich so zu verstehen, dass er sich zurückhalten soll. Ich fordere kein bestimmtes Verhalten mehr (wie Sitz), sondern lasse ihn selbst eine Alternative finden, mit der er sich wohlfühlt. Manchmal ist das tatsächlich Sitz (wenn der Raum begrenzt ist), häufiger jedoch betont langsames Bogenlaufen und am Boden schnüffeln, das dem anderen zeigt, dass kein Kontakt gewünscht ist. Für dieses Verhalten lob ich ihn verbal.

Das Anzeigen fremder Hunde auf Entfernung belohne ich mit Futter. In der Situation selbst jedoch lasse ich die Leckerchen in der Tasche, damit wir uns auf die zwischenhundliche Kommunikation konzentrieren können. Hin und wieder versucht Kalle, sich knurrend an mir vorbei zu schieben und den anderen zu provozieren. Dann schiebe ich einfach zurück. Und zwar so lange, bis das Knurren aufhört.

Bleiben die Situationen, in denen der fremde Hund trotz meiner Bitte nicht auf Abstand bleibt. Ist er jung und übermütig, lasse ich Kalle nun eine Ansage machen. Dazu genügt ein kleiner Schritt zur Seite. Kalle stemmt sich dann in die Leine und knurrt, als gelte es, mein Leben gegen einen Grizzly zu verteidigen. Meist ist der andere Hund fasziniert von dieser Darbietung, hütet sich jedoch, sich in Zahnreichweite zu begeben. Da Kalle sich schnell in so etwas hineinsteigert, unterbreche ich ihn gleich wieder mit „Das reicht.“, schiebe ihn wieder zurück und gehe mit ihm weiter. Ist der andere Hund jedoch selbst unsicher und hält uns für eine Bedrohung oder ist auf Ärger aus, lasse ich Kalle hinter mir, kniee mich auf den Boden, halte ihn mit einer Hand am Geschirr fest. Dann rufe ich den anderen Hund zu mir. Kommt er nicht bis zu mir, ist alles gut. Kommt er doch, lobe ich ihn freundlich, halte ihn vorsichtig fest und achte dabei darauf, dass ich immer zwischen den Hunden bleibe. Ich erzähle beiden Hunden, wie absolut großartig sie sind, und halte sie beide auf Armlänge auseinander. Dann warte ich, bis der Besitzer seinen Hund abholt. Dieses Vorgehen ist vielleicht nicht optimal, aber das beste und konfliktärmste, das mir einfällt.

Und mit diesem Zustand können wir sehr gut leben.

Gemeinsamkeiten, Ärgernisse, Unwiderstehliches

Wir wurden von der lieben Fely von Taos wildes Leben zum Liebster Award nominiert. Das freut uns sehr! Lieben Dank für die Nominierung und die spannenden Fragen. Und hier sind meine Antworten:

Wo bist du neben deinem Blog noch so zu finden?

Im Internet vor allem auf Instagram. Nach meinem Rauswurf aus FB ist Instagram schnell zu meinem liebsten sozialen Medium geworden, auf dem ich zur Zeit fast täglich unterwegs bin. Außerdem gibt es uns auch auf Twitter. Im echten Leben findet man mich häufig am Institut für Theoretische Physik Frankfurt oder mit meinen Hunden in den Wäldern und Wiesen der Umgebung.

Wovon kannst du nicht genug haben?

Hunden!!! Diese Antwort musste natürlich sein. Besonders vom Schmusen mit meinen Hunden. Schokolade, Erdbeeren und Bücher kann es auch nie genug geben.

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Genug Kalle geht nicht

Wo kann/können dein/e Hund/e einfach nicht widerstehen?

Kalle: Zu meinem Leidwesen das Hetzen von allem, was sich von ihm wegbewegt. Ein einziges Mal habe ich ihn in  übersichtlichem Umfeld von der Leine gelassen – nicht ohne genau zu prüfen, dass kein Wild in der Nähe ist. Ein fahrendes Auto auf einer weit entferneten Straße, und weg war der Hund. Ich sah ihn als einsamen Punkt am Horizont entschwinden. Irgendwann fand ich ihn auf einem Feld sitzend wieder. Seitdem lasse ich ihn nur noch dort von der Leine, wo man nicht weit schauen kann. Die zweite Situation, in der er nicht widerstehen, ist erfreulicher: Schmusen. Sobald ich mich auf den Boden setze, habe ich einen Hund auf dem Schoß. Selbst während ich Futter vorbereite, versucht er, Streicheleinheiten abzustauben. Während Mia maulend daneben steht und mit stechendem Collieblick „schneller-schneller-schneller“ denkt.

Mia: Mäusejagd ist ihre große Leidenschaft. Bei heißem Wetter gehen wir auf unseren Nachmittagsspaziergängen nur bis zur nächsten Wiese und knallen uns dort in den Schatten. Das heißt, Kalle und ich tun das. Mia hüpft fröhlich in brennender Hitze über die Wiesen und sucht Mäuse. Wenn ich ihr irgendwann eine Pause verordne, schaut sie mich an wie ein Kind, dem man sein Lieblingsstofftier weggenommen hat.

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erzwungene Pause
Was machst du, wenn du dich nicht mit deinem/n Hund/en beschäftigst, gerne?

Neben Hunden gilt meine Leidenschaft der Physik. Zur Zeit schreibe ich an einem Paper zur Isospinverletzung im erweiterten Linearen Sigma-Modell. (Nein, das kann man nicht essen.) Da sowohl die Hunde als auch Studium und Forschung recht zeitintensiv sind, gibt es wenig, das ich außerdem noch mache. Wenn ich Zeit habe, lese ich sehr gerne. Und blogge eben neuerdings.

Was ärgert dich an deinem/n Vierbeiner/n am meisten und warum?

Kalle: Sein Verhalten gegenüber anderen Hunden. Zum Beispiel heute: Wir haben eine Frau mit ihrer Hündin getroffen, die Mia und ich seit zwölf Jahren kennen. Während ich mich mit ihr unterhalte, steht ihre kleine und inzwischen vierzehnjährige Hündin zwei Meter von uns entfernt und fragt sehr höflich, ob sie bittebitte näherkommen und mich begrüßen darf. Kalle: „NEIN!“ Ich hätte so gerne ja gesagt. Leute, die uns nicht kennen, denken häufig, ich würde Kalle den Umgang mit anderen Hunden verbieten. In Wirklichkeit ist es umgekehrt.

Mia: Ihre Langsamkeit. Wenn jemand so wahnsinnig langsam ist, kann mich das echt auf die Palme bringen. Manchmal sogar bei einem Hund.

In welchen Punkten ähneln sich du und dein Hund?

Kalle: Wir sind introvertiert, zurückhaltend gegenüber Fremden (vorsichtig ausgedrückt) und recht unsicher. Außerdem sind wir zuverlässig, loyal und können den ganzen Tag schmusen. Wir beide nehmen Dinge sehr genau, was vermutlich einer der Gründe ist, weshalb wir so gerne zusammenarbeiten. An Regeln, die wir sinnvoll finden, halten wir uns kompromisslos, andernfalls finden wir gerne Wege, sie zu umgehen. Wir haben beide einen Hang zum Perfektionismus und wollen gerne alles gut und richtig machen. Für einen Hund denkt Kalle ungewöhnlich logisch und scheint die Grundprinzipien der Kausalität zu verstehen. Auch wenn es ein wenig arrogant ist, würde ich logische Intelligenz und Kreativität beim Finden von Lösungsansätzen als eine weitere unserer Gemeinsamkeiten nennen. Wir sind große Quatschgurken und bringen einander gerne zum Lachen. Kalle ist einer dieser Hunde, die richtig lachen können – selbst wenn er den Witz nicht verstanden hat, lässt er sich von mir anstecken. Und wir essen beide sehr gerne!

Mia: Ist ebenfalls introvertiert und zurückhaltend. Wir sind beide ruhige Persönlichkeiten. Außerdem teilen sie und ich die Liebe zur Sonne und zu Kaninchen und unsere Neugierde.

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Und natürlich mögen wir alle drei Spaziergänge.
Nun habe ich zehn Fragen und ein Problem.

Zuerst das Problem: Den Liebster Award gibt es schon seit Längerem. Die meisten wurden bereits mehrfach nominiert und ich weiß nicht, wer überhaupt noch möchte. Ich habe nun versucht, von denjenigen Blogs, die ich klasse finde, diejenigen zu nominieren, die (hoffentlich habe ich nichts übersehen) noch nicht allzu häufig dran waren. Das sind:

Undercover Labrador

Vier Pfoten zum Glück

Es rumort

Wohlstandshund

Buddy schreibt

Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr mitmacht. Und hier sind die Fragen:

  1. In welchen Momenten bist du am glücklichsten?
  2. Wenn dein Hund ein Mensch wäre, welchen Beruf hätte er wohl?
  3. Wenn du ein Hund wärst, welche Rasse (bezüglich der typischen Eigenschaften) wärst du?
  4. Was ist dein Lieblingsgeruch?
  5. Dass dein Hund magisch ist, wusstest du schon immer. Nun kommt er nach Dogwarts auf die Hundeschule für Hexerei und Zauberei. Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw, Slytherin – in welchem Haus landet er?
  6. Welche Eigenschaften schätzt du an anderen Menschen am meisten?
  7. Und an Hunden?
  8. Wenn du kein Geld mehr verdienen müsstest, würdest du deine jetzige Beschäftigung weitermachen. Falls nein, was würdest du stattdessen tun?
  9. Was ist das Wichtigste, das du von deinem Hund gelernt hast?
  10. Herzlichen Glückwunsch, soeben hast du die Weltherrschaft erlangt. Was ist deine erste Änderung?

 

 

Ein Hund und die Schule 2 – Einzelstunden

Also machte ich mich auf die Suche. Eine Hundeschule, die erreichbar war und eine gut geführte Spielgruppe für erwachsene Hunde anbot. Schließlich fand ich eine. Voraussetzung für die Teilnahme an den Spielstunden war die Buchung von Einzelstunden. Das war vollkommen in Ordnung für mich, eine Gelegenheit, mehr zu lernen.

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Motiviert

Die erste Einzelstunde. Leider hatten wir etwas Pech mit unserer Trainerin. Sie war gerade erst in diesen Beruf eingestiegen und irgendwie ein wenig planlos. In der ersten Stunde wollte sie meinen Hund mit Angstproblematik an einen Baum binden, damit er Frustrationstoleranz lernt. Dumm wie ich bin, dachte ich mir, die wird es schon wissen, und band ihn tatsächlich an diesen Baum. (Ich schäme mich noch heute dafür. Und bin Kalle dankbar, dass er mir trotz meiner Blödheit noch vertraut.) Allerdings entfernte ich mich nicht von ihm (wie ich eigentlich sollte), sondern blieb neben ihm stehen. Trotzdem bekam er natürlich Panik und ich bestand endlich darauf, diese Übung zu beenden. Alles in allem kein guter Start.

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Rückruf mit Abkenkung

Ich schaffte es nicht, der Trainerin zu vermitteln, wo eigentlich unser Problem lag. Nicht in mangelnder Bindung, nicht in mangelndem Gehorsam, sondern in beidseitiger Unsicherheit, eben ganz besonders bei Hundebegegnungen. Ich bekam eine Liste mit Hausstandsregeln. Zu diesem Zeitpunkt war ich froh, dass Kalle nicht mehr ständig in Alarmbereitschaft war und entspannt liegen blieb, wenn ich zu Hause an ihm vorbei ging. Jetzt sollte ich ihn aufstehen lassen, wenn ich vorbei wollte. Nur um zu beweisen, dass ich es konnte. Ich sollte ihn nicht auf das Sofa lassen, weil er sonst die Weltherrschaft übernehmen würde. Ich sollte in draußen an der Leine nicht markieren lassen, dabei war ich doch froh, dass er sich endlich für seine Umgebung interessierte, statt ständig in Fluchtbereitschaft zu sein. Es mag Hunde geben, die derart auf Status aus sind, dass man ihnen auf diese Art zeigen muss, dass sie nicht die Welt beherrschen. Kalle gehört nicht dazu. Er möchte sich nicht durch Türen drängen oder auf Spaziergängen den Weg bestimmen. Sondern ist froh, wenn ich voraus gehe. Was ich auch tue. Natürlich braucht gerade ein unsicherer Hund Führung, aber doch nicht in Form von sinnlosen Regeln, die nur den eigenen Status betonen sollen. Sondern in Form von Schutz und klaren Grenzen. Ich kann eine Schüssel voller Wurst auf den Boden stellen, Kalle mit einem kurzen Blich darauf hinweisen, dass sie mir gehört, und den Raum verlassen. Kalle würde sich nie in die Nähe dieser Wurst begeben! Er wird entweder liegen bleiben oder die Schüssel ignorieren und mir folgen. Ich bekam die Empfehlung, keine Bälle zu werfen, weil der Hund sich dann von mir entfernt und etwas Positives damit verknüpft. Aber hey, genau das wollte ich doch. Die Welt geht nicht unter, wenn Kalle sich ein Stück von mir entfernt. Ich sterbe nicht, er stirbt nicht, und dann kann er mit seiner Beute zu mir zurück kommen! Natürlich schadet exzessives Ballspielen der körperlichen und seelischen Gesundheit eines Hundes, aber doch nicht hin und wieder einen Ball zu werfen.

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Ablegen

Nach der ersten Stunde überlegte ich, das Ganze abzubrechen. Aber irgendwie hatte ich keine wirkliche Alternative zu dieser Hundeschule. Ich überlegte, darum zu bitten, mit einer erfahreneren Trainerin arbeiten zu dürfen und darauf eben etwas länger zu warten. Aber ich traute mich nicht. Ich meine, jeder fängt einmal an und jeder hält seine eigenen Probleme für die größten und wichtigsten. Sicher waren die Trainerinnen untereinander befreundet und ich konnte ja nicht erzählen, dass unsere Trainerin offensichtlich nicht in der Lage war, Angst von Frust zu unterscheiden. Also beschloss ich weiterzumachen. Und nie wieder zu denken, irgendjemand wisse irgendetwas, das Kalle betrifft, besser als ich.

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Rückwärts geht auch

Die weiteren Stunden waren besser als die erste, obwohl wir nie an der eigentlichen Problematik arbeiteten. Um ehrlich zu sein, wollte ich das auch nicht mehr. Wir übten Sitz, Platz, Bleib, Aus und Rückruf. In allen diesen Dingen waren wir gut (Kalle konnte das meiste längst), holten uns unser Lob ab und waren zufrieden. Ich gab vor, mich in die Hausregeln zu halten, und hörte mir an, welch positive Auswirkungen dies auf seinen Gehorsam hätte. Die einzige hilfreiche Stunde war die, in der wir mit dem Hund der Trainerin arbeiteten. Klein und irgendwo zwischen alt und scheintot, stellte dieser nicht mal in Kalles Augen eine Bedrohung dar und die beiden konnten entspannt nebeneinander herlaufen. Wobei ich mir nicht sicher war, ob der Kleine Kalle überhaupt wahrnahm. Ich verstand, warum die Trainerin unsere Probleme nicht nachvollziehen konnte.

Hätte es hiermit geendet, hätte ich die ganze Aktion für eine Verschwendung von Zeit und Geld gehalten. Aber endlich konnten wir an der Spielstunde teilnehmen.

Fortsetzung folgt!